Graduiertenkolleg

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Ein Graduiertenkolleg ist ein meist befristetes, systematisch angelegtes Studien- und Forschungsprogramm mit dem Ziel, einen Doktorgrad zu erlangen. In einem weiteren Sinne bezeichnet der Begriff allgemein Vereinigungen von Promovierenden, die zum Zwecke gemeinsamen Forschens und Arbeitens, unter der wissenschaftlichen Leitung von Hochschullehrern, gebildet werden. Für das Graduiertenkolleg werden diverse Ausdrücke verwendet, wie Promotionskolleg, strukturiertes Promotionsprogramm, Graduiertenschule, Graduate School oder Doktoratskolleg, in der Schweiz auch Pro*Doc.[1] Es gibt auch internationale Graduiertenkollegs, in denen gemeinsam mit einem ausländischen Partner geforscht wird.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betreut von einem oder mehreren Hochschullehrern können sich Doktoranden in Graduiertenkollegs themenzentriert in einen umfassenden Forschungszusammenhang einarbeiten. Ziel der Kollegs ist zum einen, die wissenschaftliche Forschung inhaltlich zu bündeln, zum anderen aber auch, die Arbeit der Doktoranden organisatorisch zu strukturieren. Die Doktoranden werden dabei häufig als wissenschaftliche Mitarbeiter/-in angestellt oder erhalten ein Stipendium. Meist beinhaltet ein Graduiertenkolleg regelmäßige Lehrveranstaltungen, Speziallehrveranstaltungen, Seminare, Kolloquien, Kollegstagungen oder Workshops.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Graduiertenkollegs sind überwiegend an Universitäten angesiedelt, da sie bislang in Deutschland das ausschließliche Promotionsrecht haben. Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen können daher in Graduiertenkollegs lediglich mitarbeiten, nicht aber alleinig von ihnen geführt werden.

Graduiertenkollegs werden in der Regel von mehreren Hochschullehrer/-innen getragen und von einer Sprecherin oder einem Sprecher geleitet. Meist werden intern verschiedene Verantwortungsbereiche definiert, die von den Hochschullehrer/-innen übernommen werden. Die Promovierenden werden durch verschiedene Beteiligungsmöglichkeiten in die Ausgestaltung und Organisation des Graduiertenkollegs einbezogen.

Finanzierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland finanziert insbesondere die Deutsche Forschungsgemeinschaft Graduiertenkollegs. In Österreich fördert der Wissenschaftsfonds (FWF) die Einrichtung von Doktoratskollegs. In der Schweiz finanziert unter anderem der Schweizerische Nationalfonds Graduiertenkollegs. Ende 2002 hat der deutsche Wissenschaftsrat die möglichst flächendeckende Einführung von Graduiertenkollegs gefordert, um die Doktorandenausbildung zu verbessern.[2]

Die Vor- und Nachteile von Graduiertenkollegs wurden u. a. für die Wirtschaftsinformatik sehr informativ diskutiert (siehe Heinzl 2008).

Andere Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben formell eingerichteten Graduiertenkollegs sind in einigen Fachbereichen auch Initiativen von Nachwuchswissenschaftlern entstanden, die ohne Professoren ein Kolloquium abhalten, und sich gegenseitig unterstützen.

Ferner gibt es auch interuniversitäre Graduiertenkollegs und länderübergreifende Kooperationen, wie beispielsweise das Virtuelle Graduiertenkolleg, in dem Doktoranden aus Freiburg, Münster und Tübingen zusammenarbeiten, oder das nordische Network for Ph.D. Courses,[3] das Kursangebote der Universitäten in Lüneburg, Hamburg, Kiel, Flensburg und der Syddansk Universitet sowie verschiedener außeruniversitärer Forschungseinrichtungen bündelt und den Doktoranden der Mitgliedsinstitutionen öffnet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. St. Stock, P. Schneider, E. Peper, E. Molitor (Hrsg.): Erfolgreich Promovieren. 2. Auflage. Springer Verlag, 2009, ISBN 978-3-540-88766-9, S. 31.
  2. wissenschaftsrat.de
  3. phd-network.eu