Dom zu Cammin (Kamień Pomorski)

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Dom zu Cammin.
Blick aus etwa drei Metern Höhe vom Hauptportal in das Längsschiff des Doms, links die Kanzel.
Bischofshaus (rechts im Bild), Domschule (Bildmitte) und Kleisthaus (links im Bild, teilweise verdeckt durch das Fußgänger-Schild). Der Fußweg über den Zebrastreifen führt zum Hauptportal des Doms.

Die Kathedrale St. Johannes (polnisch: Konkatedra św. Jana Chrzciciela) in Kamień Pomorski (deutsch Cammin i. Pom.), meist als Dom zu Cammin oder als Camminer Dom bezeichnet, ist neben der Jakobskirche in Stettin eine der beiden Kathedralkirchen des Erzbistums Stettin-Cammin.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dom zu Cammin ist eine dreischiffige Basilika mit einem kreuzförmigen Grundriss von 63 Metern Länge und 81 Metern Breite, über dem sich ein mächtiges Hauptschiff mit zwei Seitenschiffen erhebt. Der Backsteinbau gilt als die größte Kirche Pommerns. Zum klerikalen Gebäudekomplex um den Dom gehörten ursprünglich das Bischhofshaus oder ‚Buddenhaus‘, die Domschule und das Dekanat oder ‚Kleisthaus‘.

Ein Vorgängerbau der Kathedrale, eine Holzkirche, wurde im Jahr 1176 vom pommerschen Herzog Kasimir I. errichtet. Er wurde notwendig, nachdem die Dänen die Stadt Wollin zerstört hatten und der Bischofssitz des dort 1140 gegründeten pommerschen Bistums in das nahe, stark befestigte Cammin verlegt wurde. Das pommersche Bistum erhielt hier seinen Namen Bistum Cammin. Cammin blieb bis 1810 Bischofssitz. Auch nach der Verlegung des Bischofssitzes nach Kolberg ins Stiftsland des Bistums blieb Cammin Sitz eines Domkapitels. Fünf Mitglieder des pommerschen Herzogshauses und acht Bischöfe sollen hier begraben worden sein.

Die Kirche wurde ursprünglich im romanischen Stil gebaut. In den Jahren 1180 bis 1210 wurde das Presbyterium gebaut. Circa 1250 entstand das südliche Portal mit Tympanon, das die Anbetung des Lammes zeigt. 1308 wurde das noch nicht fertiggestellte Kirchengebäude durch die brandenburgische Armee zerstört. Der Bau der Basilika wurde im gotischen Stil fortgesetzt. Nach 1310 wurden Arkaden auf der Nordseite gebaut und in den Jahren 1325 bis 1350 Zimmer im Ostflügel der Kathedrale, die in späteren Zeiten das Archiv mit dem einst reichen Domschatz beherbergten.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstanden Gemälde im Firmament des Presbyteriums und den Apsiden. Gleichzeitig wurde auf dem ursprünglichen romanischen Bau der gotische Kirchturm und das Lektorium vor dem Presbyterium errichtet. Im Inneren der Kathedrale entstanden Altäre, das Chorgestühl und ein großes Kruzifix. 1382 wird die erste Orgel der Kirche erwähnt.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde ein Dachboden über dem Kirchenschiff eingebaut. 1419 entstand neben dem südlichen Kirchenschiff die Kapelle Lepelów. Die Kirche stand so bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. 1480 baute man im Presbyterium den Hauptaltar.

Nach der Reformation in Pommern kam die Kirche 1535 zur Pommerschen Evangelischen Kirche. Anfangs „Dom- und Kathedral- oder St. Johanniskirche“ genannt, blieb sie bis 1945 lutherisch. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es zur Zerstörung des Inneren und Einsturz des Turmes. Mit Spenden des brandenburgischen Statthalters in Hinterpommern, Ernst Bogislaw von Croÿ, konnten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts neue, barocke Einrichtungsgegenstände erworben werden. Als im Jahre 1755 die St.-Marienkirche erbaut war, wurde diese in die Kirchengemeinde eingepfarrt, deren Geistliche nun in der „Dom- und St.-Marien-Kirchengemeinde“ tätig waren.

Im Jahr 1802 wurde der gotische Turm abgerissen. 1855 wurden Renovierungsarbeiten durchgeführt und ein neuer Glockenturm in neugotischen Formen errichtet. 1888 wurden die barocken Orgeln renoviert. 1934 wurde die Kathedrale erneut restauriert und das Aussehen des Turms verändert.

Der früher im Archiv aufbewahrte Domschatz ging 1945 gänzlich verloren, als der Transport, mit dem er in Sicherheit gebracht werden sollte, in ein Panzergefecht geriet. Dabei wurde auch der berühmte Cordulaschrein (Schrein der hl. Cordula), vermutlich eine Wikingerarbeit, die um das Jahr 1000 in Südschweden angefertigt worden war, zerstört. Der Cordulaschrein bestand aus 22 Elfenbeinplatten mit sorgfältig eingeritzten Tiermotiven und Bandmustern. Im Archiv, auch als ‚Schatzkammer‘ bezeichnet, werden heute Silberkelche, Münzen und Messgewänder ausgestellt.

In den 1960er Jahren wurde die Kathedrale renoviert und an die Bedürfnisse der lateinischen Messe angepasst. Ab 1972 war sie der Sitz des Bistums Stettin-Cammin, 1992 überführt in die Erzdiözese Stettin-Cammin.

2005 wurde die Kathedrale samt den angrenzenden Gebäuden ein „Denkmal der Geschichte“.

Während bestimmter Öffnungszeiten ist der Kirchturm für das Publikum zugänglich und kann bestiegen werden. Von oben ist ein Rundblick über die Stadt Cammin möglich.

Baubeschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kathedrale ist eine romanisch-gotische, aus Backstein errichtete dreischiffige Basilika mit Terrasse auf der Nordseite. Das Hauptschiff wird von schlanken, 16 Meter hohen Säulen gestützt. Das Presbyterium trägt Merkmale des romanischen und neogotischen Stils. Beim Unterteil der Nordwand des Querschiffs mit seinem rundbogigen, einfach abgestuften Portal handelt es sich um einen Granitbau, der dem 12. Jahrhundert zugeordnet wird.[1]

Hauptaltar

Zum Süden hin weist die Kirche eine reich verzierte gotische Fassade auf. Der massive neogotische Kirchturm mit vier Kuppeln, gekrönt von einem großen lateinischen Kreuz, prägt das Bild.

Innenraum und Orgel

Kreuzgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine schmale Treppe führt vom nördlichen Seitenschiff in den einzigen in Pommern teilweise erhaltenen gotischen Kreuzgang. Er umfasst einen romantischen Garten mit altem Baumbestand und enthält zahlreiche Grabsteine. Besonders beachtenswert sind die Grabsteine für den Dompropst Trallow († 1368), den Bischof Johann I. von Sachsen-Lauenburg († 1372)[2] und für den Dekan Goltbeck († 1370).

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bemerkenswert sind im Inneren der Kathedrale die aus dem 17. Jahrhundert stammende barocke Stiftung von Ernst Bogislaw von Croÿ und eine aus dem Jahr 1682 Jahre stammende barocke Kanzel. Die Gewölbe tragen mittelalterliche Blumenmotive.

Der Chor weist aus dem 13. Jahrhundert stammende Wandmalereien auf; es handelt sich um Szenen von Eden. Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Hauptaltar in der Form eines Triptychon zeigt Bilder von Maria Himmelfahrt und der Krönung der Jungfrau Maria. In den Wänden befinden sich mittelalterliche Tabernakel.

Der Chor wird vom Querschiff getrennt mit einem barocken Gitter (1684). In der ersten Säule befindet sich südlich des Langhauses ein Altar mit einem Bild von Christus vor Pilatus, gemalt von Rembrandt van Rijn.

Im nördlichen Querschiff steht das Baptisterium der Taufkapelle aus dem 14. Jahrhundert, umgeben von einem reichen, barocken Gittervorhang aus dem Jahr 1685. Im Längsschiff befinden sich links vom Hauptportal die beiden Gemälde Der Weg nach Golgatha und Christi Kreuzigung, die Lucas Cranach dem Älteren zugeschrieben werden.

An der Wand des südlichen Querschiffs stand über 100 Jahre der Altar der 1874 aufgegebenen Kirche von Trzęsacz (deutsch Hoff a. d. Ostsee), von der heute nur noch eine Ruine erhalten ist. 2003 wurde er in die neue Pfarrkirche von Hoff überführt. Bei der ersten Säule des Kirchenschiffes, nördlich des barocken Altars von 1683, steht ein gotischer Kleiderschrank mit Zahlen der seligen Jungfrau Maria und die Heiligen der Kirche von St. Nikolai in Kamień Pomorski.

In der Kapelle der Kathedrale befindet sich am Altar ein Bild des Gekreuzigten.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Westempore befindet sich die Hauptorgel mit 44 Registern auf drei Manualen und Pedal. 2004 wurde hinter dem historischen Gehäuse die technische Anlage und das Pfeifenwerk neu errichtet; die Disposition orientiert sich an der Vorgängerorgel von 1672.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Reformation wurde an der „Dom- und Kathedral- oder St.-Johanniskirche“ eine Pastorenstelle und ein Archidiakonat eingerichtet. Der Pastor war zugleich „Präpositus“, später Superintendent der Synode (Kirchenkreis) Cammin, die später bis 1945 zum Ostsprengel in der Kirchenprovinz Pommern in Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Wurden die Prediger bis ins 20. Jahrhundert hinein vom Landesherrn berufen, übernahmen danach die städtischen Behörden diese Aufgabe.

Als evangelische Pfarrer amtierten zwischen 1535 und 1945 an der Dom- und Kathedralkirche:

  1. Johann Colling (erster lutherischer Pastor, war mit Martin Luthers Schwester Christine verheiratet), bis 1541
  2. Michael Dahlenbruch oder Dalenbröck, 1541–1549
  3. Christian Granow, 1550–1560
  4. Georg Glambeck, 1560–1572
  5. Joachim Edling, 1572–1605
  6. Peter Vanselow (I), 1605–1646
  7. Adam Rubach, 1647–1659
  8. Peter Vanselow (II), 1660–1673
  9. Peter Rahrius, 1674–1691
  10. Georg Wilhelm Schmalvogel, 1692–1730
  11. Gebhard Ludolf Krause, 1730–1769
  12. Johann Gottlieb Pfänder, 1769–1797
  13. Johann Friedrich Kauffmann, 1798–1820
  14. Christian Wilhelm Winckler, 1821–1837
  15. Ludwig Maximilian Mila, 1837–1849
  16. Johann Ernst Friedrich Wilhelm Kundler, 1849–1852
  17. Karl Meinhold, 1852–1888
  18. Albert August Rudolf Lohoff, 1890–1895
  19. Gerhard Heinrich Gideon Zietlow, 1896–?
  20. N.N.(?)
  21. Martin Ludwig Eduard Wetzel, 1921–1926
  22. Hans Scheel, 1926–1945

Am 16. September 1945 wurde eine Pfarrei der Katholischen Kirche in Polen errichtet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gwido Chmarzyński: Tablica informacyjna w konkatedrze. 26. Juli 1973.
  • Janina Kochanowska: Der Domschatz zu Cammin, Stettin 2004.
  • Martin Rost: Vergessene „norddeutsche“ Orgeln – Studienreisen der Orgelkommission. Stralsund 2008.
  • Helmuth Eggert: Der Dom zu Cammin. Dissertation. Universität Greifswald. Erfurt 1935.
  • Hans Moderow: Die Evangelischen Geistlichen Pommerns von der Reformation bis zur Gegenwart. Teil 1: Der Regierungsbezirk Stettin. Stettin 1903.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kathedrale (Kamień Pomorski) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Kugler: Geschichte der Baukunst. Band 2, Stuttgart 1859, S. 563.
  2. Ernst Friedrich Mooyer: Verzeichnisse der deutschen Bischöfe seit dem Jahre 800 nach Chr. Geb. Minden 1854, S. 23.

Koordinaten: 53° 58′ 23,6″ N, 14° 46′ 19,9″ O