Dorfkirche Bernitt

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Dorfkirche Bernitt

Die evangelisch-lutherische Dorfkirche Bernitt ist eine Feldsteinkirche in der Gemeinde Bernitt im Landkreis Rostock unweit der Stadt Bützow in Mecklenburg-Vorpommern. Die Kirchengemeinde gehört zur Propstei Rostock im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bützower Land, in dem auch Bernitt liegt, ist wie die gesamte Landschaft Mecklenburgs das Ergebnis der Eiszeit (die letzte Eiszeit begann vor etwa 29.000 Jahren und dauerte 13.000 Jahre) und wurde durch das Gewicht und die langsame Bewegung der Eismassen geformt. Ebenen, Flüsse und Flusstäler, Seen und Sölle, Höhenzüge und Hügel prägen daher die Bernitter Umgebung.

Architektur und Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Südostansicht

In der Bewidmungsurkunde des Klosters Rühn von 1233 wird der Bernitter Pfarrer Herbord namentlich aufgeführt.

Die Bernitter Kirche ist ein Feldsteinbau mit Fenstern, Portalen und Gewölbe aus Backstein. Sie wurde im 13. Jahrhundert gebaut. Der Chor ist älter als das Schiff und auf etwa 1240 anzusetzen, während das Schiff etwa 40 Jahre später angebaut wurde. Der Turm der Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Die Bernitter Kirche gehört zu den wenigen Kirchen Mecklenburgs des 13. Jahrhunderts, an der die Reformation scheinbar spurlos vorbeigegangen ist. Der Innenraum der Kirche ist gut erhalten. Aus dem Mittelalter finden sich im Kirchenschiff Gewölbemalereien und im Chor ein großer Taufstein sowie ein Sakramentschrank in der Nordwand.

Beschreibung und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bernitter Kirche wurde mehrfach beschrieben. Die erste längere Darstellung findet sich in den Jahrbüchern des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde.[1] Aus Anlass der Entdeckung der Gewölbemalereien erfolgte in den Mecklenburger Jahrbüchern eine weitere Beschreibung.[2] Ebenfalls beschrieben wird die Bernitter Kirche in dem Standardwerk „Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin“ von Schlie. Weitere Einzel- und Kurzbeschreibungen finden sich in verschiedenen Publikationen, u. a. im Kunstführer Dehio. Eine aktuelle Beschreibung ist 2011 erschienen.[3]

Chor und Altar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chor
Altar

Im Chor finden sich spätromanische Chorfenster und mittelalterliche Deckenmalereien. Den Mittelpunkt des Chorraumes bildet ein gotischer Flügelaltar von etwa 1520 bis 1525. Der Schnitzaltar wurde vermutlich in Parchim in Mecklenburg angefertigt. Auf den Flügeln des Altars sind die Zwölf Apostel dargestellt, im Zentrum des Altars sieht man vier Heilige (zugeordnete Attribute in Klammern):

  • Linker Flügel: Johannes (Kelch), Thomas (fragmentarische Lanze, Schriftrolle), Petrus (Schlüssel, Buch), Bartholomäus (verlorenes Messer), Philippus (T-Kreuz mit Querbalken), Simon (Säge)
  • Rechter Flügel: Paulus (Schwert), Judas Thaddäus (Knüppel), Jacobus Minor (fragmentarische Walkerstange, „Wollbogen“), Andreas (Schrägbalkenkreuz), Matthäus (Buchbeutel, fragmentarisches Beil), Jacobus Major (Pilgertracht, Muschel am Pilgerhut, Wanderstab und -tasche)
  • Mittelschrein: der Heilige Erasmus (Winde), die Mutter Maria, die Heilige Katharina von Alexandrien (Schwert und Rad) und der Heilige Georg (Lanze, Drachen)

Auf der Rückseite des Bernitter Altars finden sich biblische Darstellungen, die jedoch stark beschädigt sind. Es sind die Szenen Verkündigung, Heimsuchung, Anbetung der Heiligen drei Könige und die Beschneidung gezeigt.

In der Nordwand des Chores befindet sich der alte Sakramentenschrank. Auf der Innenseite der Tür ist der Schmerzensmann aus dem 15. Jahrhundert dargestellt.

Malereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gewölbemalerei (Detail)

Im Kirchenschiff finden sich mittelalterliche Malereien. Sie wurden erst im Jahre 1859 wiederentdeckt und werkgetreu wiederhergestellt. Die Malereien im Schiff der Kirche gehören zu den ältesten szenischen Darstellungen in Norddeutschland. Auf den Hauptflächen der Gewölbekappen werden Szenen der Passion Christi sowie das Jüngste Gericht abgebildet. Dargestellt sind die Szenen: Geißelung, Kreuztragung, Kreuzigung, Höllenfahrt, Auferstehung, Noli me tangere, Jüngstes Gericht. In den Zwickeln befinden sich eher weltliche Darstellungen von Sünden und Versuchungen sowie Fabeltiere. Das Entstehung der Gewölbemalereien wird in den Zeitraum um 1280–1350 datiert.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1896 wird ein Orgelharmonium von Burger (Bayreuth) gekauft und zu Pfingsten erstmals genutzt. Im Jahr des 700-jährigen Bestehens der Bernitter Kirche wird 1933 eine neue Orgel eingebaut, die aber ab 1969 nicht mehr benutzt werden kann. 1974 wird eine Orgel mit einem Manual, 5 Registern und einem Pedal mit einem eigenen Register der Orgelbaufirma Wolfgang Nußbücker (Plau) eingebaut.

Glockenturm und Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppelbalkentreppe

Der Turm hat einen achtseitigen Helm und vier Blendgiebel. Zur Glockenstube führt eine Doppelbalkentreppe, die eine Länge von fast 13 Meter hat. In der Glockenstube befinden sich drei Glocken. Die beiden großen Bernitter Kirchenglocken sind noch aus dem 14. Jahrhundert erhalten. Auf einer davon befinden sich der bekannte Glockenspruch O rex glorie christe veni cum pace und Ritzzeichen der Gottesmutter und der heiligen Katharina.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden im Rahmen der sogenannten Metallspende sukzessive über 90.000 Kirchenglocken aus Deutschland und den besetzten Gebieten nach Hamburg gebracht. Etwa 15.000 Glocken wurden nicht eingeschmolzen, was auch der großen bronzenen Bernitter Kirchenglocke erspart blieb. Eine dritte Glocke wurde 1949 zusätzlich von Gustav Hogrefe gestiftet. Sie ist ein Andenken an seine beiden im Zweiten Weltkrieg gefallen Söhne.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Crull: Die Kirche zu Bernitt, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 22, 1857, S. 314–317
  • Georg Christian Friedrich Lisch: Die Kirche zu Bernitt und ihre Wandmalereien, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 26, 1861, S. 232–240
  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin, Hofbuchdruckerei Bärensprung, Schwerin, 1901 (insbesondere Band IV)
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Akademie-Verlag, Berlin, 1980
  • Steffen Daebeler: Vom Opferstein zur Katharinenglocke - Bernitt und Umgebung - Bilder und Zeiten, (Hrsg.: Kirchgemeinde Bernitt), Bernitt 2011
  • Julia Trinkert: Dissertation, Kiel 2012 (in Vorbereitung)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorfkirche Bernitt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Crull, 1857
  2. Lisch, 1861
  3. Daebeler, 2011

Koordinaten: 53° 54′ 14″ N, 11° 53′ 14″ O