Drehkopfverschluss

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Der Drehkopfverschluss ist ein verriegelndes Verschluss-System für Handfeuerwaffen, das aus einem Verschlussträger und einem darauf drehbar gelagerten Verschlusskopf besteht.

Funktionsprinzip[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verschlusskopf verfügt in der Regel über zwei oder mehrere Verriegelungswarzen und wird am Ende des Verschlussvorlaufs, nach dem Zuführen der Patrone, über eine Steuerkurve im Systemgehäuse in eine Drehbewegung gezwungen. Infolge des Drehvorgangs greifen die Verriegelungswarzen des Verschlusskopfs ähnlich wie bei einem Bajonettverschluss in passgenaue Nuten hinter dem Patronenlager (Verriegelungskamm).[1]

Nach der Schussabgabe sorgen der zurückgleitende Verschlussträger und die Steuerkurve für eine gegensinnige Drehbewegung des Verschlusskopfes. Dadurch wird dieser entriegelt, läuft gemeinsam mit dem Verschlussträger zurück und gibt den Lauf frei. In dieser Bewegung wird die verschossene Hülse ausgezogen und beim Anschlag an den Auswerfer durch das Auswurffenster ausgeworfen. Zu Beginn der Rücklaufbewegung spannt der Verschlussträger das Schlagstück. Im darauf folgenden Vorlauf schiebt der Drehkopf die nächste Patrone aus dem Magazin ins Patronenlager ein und verriegelt den Verschluss, wonach die Waffe wieder feuerbereit ist.[1]

Ein Vorteil des Drehkopfverschlusses ist es, dass er direkt hinter dem Patronenlager, das einen Teil des Laufs bildet, verriegelt. Dadurch werden die Rückstoßkräfte nicht ins Verschlussgehäuse, sondern in den Lauf geleitet, wodurch das Gehäuse schwächer als bei anderen Verschlusssystemen (zum Beispiel Kippblockverschluss oder Stützklappenverschluss) ausgeführt werden kann. Aus diesem Grund hat sich der Drehkopfverschluss bei modernen Schnellfeuerwaffen mehr und mehr durchgesetzt.[1] Er gilt als sehr zuverlässig.[2]

Waffen mit Drehkopfverschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Waffen mit Drehkopfverschluss können das Infanteriegewehr Mannlicher Modell 1895 und der Mannlicher-Karabiner Modell 1893 gelten. Spätere Entwicklungen waren das MG 34, die Kalaschnikow-Waffen, das SIG 550, der Karabiner 31 das M-16 Gewehr, das Heckler und Koch G36 und das Steyr AUG (Sturmgewehr 77).[1] Eine Besonderheit sind die Pistolen Desert Eagle und AutoMag, die als Faustfeuerwaffen über einen Drehkopfverschluss verfügen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rolf Abresch, Ralph Wilhelm (Hrsg.): Moderne Handwaffen der Bundeswehr. Report Verlag, Frankfurt am Main u. a. 2001, ISBN 3-932385-10-1.
  • Martin J. Brayley: Kalashnikov AK47 Series The 7.62 × 39 mm Assault Rifles in Detail, The Crowood Press, Ramsbury, Marlborough 2013, ISBN 978-1-84797-483-9.
  • Peter Dannecker: Verschlusssysteme von Feuerwaffen dwj Verlags-GmbH, Blaufelden 2009, ISBN 978-3-936632-20-0.
  • Hans Stögmüller: Josef Werndl und die Waffenfabrik in Steyr, Ennsthaler-Verlag, Steyr 2010, ISBN 978-3-85068-860-4.
  • Stefan Perey, Michael Fischer, Technische Beschreibung des „Burk Selbstladegewehr BR-10“ (Artikel mit Informationen zum Drehkopfverschluss), in Ausgabe 3, Caliber, 2015 (Digitalisat online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rotating bolt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Peter Dannecker: Verschlusssysteme von Feuerwaffen.
  2. Chris McNab: Schusswaffen: Vom Revolver bis zur Vollautomatik – Modelle aus aller Welt. Parragon Books Ltd Bath, ISBN 978-1-4075-8417-1, S. 151.