Mannlicher Modell 1895

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Mannlicher Modell 1895
M95/30
Allgemeine Information
Militärische Bezeichnung: Karabiner M95
Entwickler/Hersteller: Steyr Mannlicher
Entwicklungsjahr: 1895
Herstellerland: Österreich-Ungarn
Produktionszeit: 1895 bis 1918
Waffenkategorie: Gewehr
Ausstattung
Gesamtlänge: M95: 1272 mm, M95/30: 1000 mm
Gewicht: (ungeladen) M95: 3,8 kg; M95/30: 3,36 kg
Lauflänge: M95: 765 mm, M95/30: 480 mm
Technische Daten
Kaliber: 8 × 50 mm R, 8 × 56 mm R, 8 × 57 mm IS
Mögliche Magazinfüllungen: 5 Patronen
Munitionszufuhr: Durch Laderahmen von jeweils 5 Schuss
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Das Gewehr Mannlicher Modell 1895 ist ein Repetiergewehr mit Geradezugverschluss. Es diente als Ordonanzgewehr in der Armee Österreich-Ungarns vor und im Ersten Weltkrieg. Mit dem Vertrag von Saint-Germain durfte von Österreich nur noch die kurze Version, der Karabiner Modell 1895 eingesetzt werden. Das Gewehr wurde in Österreich von der Firma Steyr Mannlicher und in Ungarn von der Gewehrfabrik Budapest etwa 3 Millionen Mal hergestellt. Bis in die 1970er-Jahre hinein fand die Waffe noch Verwendung bei Kämpfen (zuletzt in Afrika).

Versionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wurde der M95 als langes Infanteriegewehr für die österreichisch-ungarische Armee entwickelt. Im Ersten Weltkrieg erkannte die Armeeführung den großen Nachteil dieser „langen“ Gewehre in den Schützengräben. Es wurden vermehrt lange Gewehre zu kurzen Stutzenversionen umgebaut und eingesetzt. Ab 1916 produzierte die Gewehrfabrik Budapest nur noch die kurze M95-Version im Einheitskaliber 8 × 50 R (M93). Nach dem Ersten Weltkrieg wurden im Rahmen der Neugliederung der Volkswehr der Ersten Österreichischen Republik, die auf Grund des Vertrages von Saint Germain auf nur 30.000 Mann begrenzt war, die Waffen um 1930 modernisiert. Der Großteil dieser „langen“ Gewehre wurde zu handlichen und schnell einsetzbaren Karabinern umgebaut. Zeitgleich stellte man fest, dass die veraltete M93–Munition für das gekürzte Gewehr nicht mehr geeignet war, somit wurde auch die Munition modernisiert.

Im Allgemeinen sind folgende Versionen bekannt:

  • Gewehr M95 Kaliber 8 × 50 mm R
  • Karabiner M95a (Stutzen) Kaliber 8 × 50 mm R
  • Gewehr und Karabiner M95/30 Kaliber 8 × 56 mm R (8 × 56 mm R M30 S)
  • Karabiner M95/24 Kaliber 8 × 57 mm IS
M95/30 beim Laden

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie sein Vorgänger, das Modell M1890 hat das Mannlicher Modell M1895-Gewehr einen Geradezugverschluss. Im Unterschied zu seinem Vorgänger mit Stützklappenverschluss handelt es sich jedoch um einen Geradzug-Zylinderverschluss, bei dem die Verriegelungselemente vorn auf der drehbaren Innenhülse des Verschlusses angebracht sind, was die Verwendung stärkerer Munition erlaubte. Mit diesem Geradezugsystem war wie bei den damaligen schweizerischen Schmidt-Rubin-Gewehren eine schnellere Schussfolge möglich als mit Gewehren mit dem Zylinderverschluss System Mauser. Die ausschließlich geradlinige Repetierbewegung, ohne zusätzliche Schwenkbewegung erlaubte Kadenzen bis zu 35 Schuss pro Minute. Auf Grund der schnellen Nachladebewegung des Kammerstängels (zurück und vor), wurde der M95 (Gewehr/Karabiner) von den Soldaten in der k.u.k. Armee, „Ruck-zuck-Gewehr“ genannt.

Patronenzufuhr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Patronenzufuhr erfolgt mit Hilfe von Laderahmen zu je fünf Schuss, diese werden bei geöffnetem Verschluss von oben in den Magazinkasten eingeschoben. Leergeschossen fällt der Laderahmen durch eine unten am Magazin angebrachte Öffnung zu Boden. Diese Öffnung führt dazu, dass das Gewehr schmutzempfindlich ist, zudem ist die Waffe ohne Laderahmen nur als Einzellader zu gebrauchen.

Munition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1930er-Jahren wurden die noch im Dienst stehenden Gewehre/Karabiner von dem alten Kaliber 8 × 50 R von 1893 schrittweise auf die neue Patrone 8 × 56 R umgerüstet. Dazu wurde das Patronenlager auf die Maße der Patrone 8 × 56 R aufgerieben. Der Zugdurchmesser der Läufe beträgt für beide Patronen 8,40 mm. Da es sich bei dem neuen leichteren Geschoss um ein ogivales Geschoss mit Torpedoheck handelt, konnte es im Heckbereich nicht mehr gestaucht werden wie das alte Rundkopfgeschoss und wurde dadurch nicht mehr ausreichend in den Zügen geführt. Deshalb wurde der Geschossdurchmesser von 8,2 mm auf 8,40 mm vergrößert. Das Geschossgewicht wurde von 15,8 g auf 13,4 g gesenkt. Die Patronenlänge von 76 mm blieb gleich.

Einsatzstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich-Ungarn, Österreich, Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Ungarn, Italien, Rumänien, Jugoslawien, Niederlande, Osmanisches Reich, Türkei, Tschechoslowakei, Portugal.

Museale Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ist eine größere Anzahl von Mannlicher-Gewehren ausgestellt, darüber hinaus auch ein Schnittmodell und mehrere dazugehörige Bajonette.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Mannlicherpatrone 8 × 50 R ist nicht zu verwechseln mit der Patrone 8 × 50 mm R Lebel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mannlicher_M1895 – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Christoph Allmayer-Beck: Das Heeresgeschichtliche Museum Wien. Das Museum und seine Repräsentationsräume, Salzburg 1981, S. 34.