Dresdner Philharmonie

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Logo der Dresdner Philharmonie (seit 2019)
Anzeige für 2 Konzerte der Gewerbehauskapelle 1906
Dresdner Philharmonie 2012
Die Dresdner Philharmonie im umgebauten Kulturpalast 2017

Die Dresdner Philharmonie ist ein von der Stadt Dresden finanziertes Konzert-Orchester, das im Jahr 1871 als „Gewerbehaus-Kapelle“ gegründet wurde.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 29. November 1870 wurde im Gewerbehaus (Ostraallee 13) ein für die Bürger der Stadt zugänglicher Veranstaltungssaal (Gewerbehaussaal) mit 2057 Sitzplätzen[1] eröffnet. Im April 1871 gründete der Gewerbeverein die Gewerbehaus-Kapelle.[2] Sehr bald folgten erste Konzerte im Ausland, so 1871 (im Jahr der Gründung des Orchesters) und 1872 in Pawlowsk bei Sankt Petersburg, 1879 in Warschau und 1883 in Amsterdam.[3] 1909 war die Gewerbehaus-Kapelle eines der ersten deutschen Orchester, das in den USA auf Tournee ging.

Der Konzertagent Hermann Wolff richtete 1885 nach dem Muster der durch ihn in Berlin veranstalteten Philharmonischen Konzerte auch in Dresden derartige Konzerte ein, anfangs geleitet von Jean Louis Nicodé. Damit zog der Begriff „philharmonisch“ in Dresden ein.[3] 1915 wurde der Name in „Dresdner Philharmonisches Orchester“, 1923 in „Dresdner Philharmonie“ geändert. Unter dem Chefdirigenten Paul van Kempen, der als künstlerischer Leiter von 1934 bis 1942 die Nachfolge von Hugo Wagner innehatte, entwickelte sich das Orchester zu einem der besten in Deutschland. Schikanen der nationalsozialistischen Behörden veranlassten van Kempen, sein Dirigat 1942 niederzulegen. Kriegsbedingt wurde die Dresdner Philharmonie im September 1944 aufgelöst. Bereits einen Monat nach Kriegsende musizierte das Orchester am 8. Juni 1945 unter Gerhart Wiesenhütter.[3]

1947 bis 1963 stand als Chefdirigent Heinz Bongartz dem Orchester vor. Während dieser Zeit, am 1. Januar 1950, wurde die Dresdner Philharmonie ein staatliches Institut.[3] Kurt Masur wirkte ab 1955 als Dirigent der Dresdner Philharmonie, von 1967 bis 1972 leitete er das Orchester als Chefdirigent. In dieser Zeit nahm auch die Anzahl der verkauften Anrechte immer weiter zu. Waren es 1964 noch 6500 Abonnenten, so stieg diese Zahl auf 13630 Anrechtsbesucher 1982.[3] In der Zeit von 1986 bis 1995 leitete Jörg-Peter Weigle das Orchester, 2003 bis 2011 war Rafael Frühbeck de Burgos Chefdirigent der Dresdner Philharmonie, dem 2011 bis 2019 Michael Sanderling folgte. Zur Spielzeit 2019/2020 kehrte Marek Janowski auf diesen Posten zurück, den er bis 2003 bereits einmal hatte.[4]

Von 1965 bis 1997 lag die Dramaturgie in den Händen von Dieter Härtwig.

Als Intendant (geschäftsführender Leiter) des Orchesters wirkte von 1992 bis zu seinem Tod im Juli 2004 Olivier von Winterstein, dem interimistisch bis zum Jahresende 2004 und regulär von Januar 2005 bis Dezember 2014 Anselm Rose folgte. Dessen Nachfolgerin ist seit Januar 2015 Frauke Roth.

Logo der Dresdner Philharmonie bis zur Spielzeit 2018/2019

Zur Spielzeit 2019/2020 gab sich die Dresdner Philharmonie ein neues Corporate Design mit neuem Logo. Waren es vorher zwei Noten, die an die Initialen d und p erinnerten, ist das neue sechseckige Logo an den Konzertsaal im Dresdner Kulturpalast angelehnt.[5]

Repertoire und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Laufe der Jahre trat das Orchester mit zahlreichen herausragenden Dirigenten und Gastmusikern auf. Daneben dirigierten auch berühmte Komponisten das Orchester wie 1888/89 Pjotr Iljitsch Tschaikowski seine 4. Sinfonie und Antonín Dvořák seine 5. Sinfonie.[3]

Im August 2016 existierten 116 Planstellen und unter der Leitung von Chefdirigent Michael Sanderling war eine Gesamteinspielung der Sinfonien von Dimitri Schostakowitsch und Ludwig van Beethoven im Entstehen.

Der Dresdner Philharmonie sind die Philharmonischen Chöre angeschlossen:[6] Seit der Spielzeit 2012/13 stehen diese unter der Leitung des Chordirektors Gunter Berger. Die Dresdner Philharmonie ist Mitglied im KlangNetz Dresden. Daneben arbeitet die Dresdner Philharmonie häufig mit dem Dresdner Kreuzchor zusammen.

Seit der Spielzeit 2017/18 können bis zu 10 Musikstudierende der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden im Rahmen der Kurt-Masur-Akademie erste Berufserfahrungen bei der Dresdner Philharmonie sammeln.[7]

Am 29. November 2020 feierte die Dresdner Philharmonie ihr 150-jähriges Bestehen mit einem Festkonzert unter Marek Janowski im Kulturpalast, corona-bedingt ohne Publikum.[8]

Spielorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die langjährige Spielstätte des Orchesters, das Gewerbehaus, wurde am 13. Februar 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden zerstört. Damit gingen auch das Archiv und die Notenbibliothek verloren. Bis 1957 spielte das Orchester im Steinsaal im Deutschen Hygiene-Museums. Danach konnte im selben Haus ein Kongresssaal erbaut und die neue Heimstätte der Philharmonie werden.[3]

Die Heimatspielstätte des Orchesters ist der Kulturpalast am Altmarkt in Dresden, welcher einen modernen Konzertsaal mit hervorragender Akustik beinhaltet. Das Gebäude wurde 1969 als Mehrzweckbau errichtet und vom damaligen Chefdirigenten Kurt Masur eröffnet.

Lange Zeit bestand in Dresden der Wunsch nach einem neuen, reinen Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie. Dies musste immer wieder aus fiskalischen Gründen verschoben werden. Auch aus diesem Grund gab Marek Janowski, der seine Chefdirigent­entätigkeit an einen Neubau eines Konzertsaales geknüpft hatte, diese Position 2003 nur zwei Jahre nach seiner Berufung wieder auf, nachdem ihm eröffnet werden musste, dass innerhalb seiner Vertragslaufzeit dieser Neubau bzw. dessen Baubeginn auf Grund der finanziellen Lage der Stadt (Elbehochwasser 2002) nicht möglich war. Erst die Entschuldung der Stadt unter Oberbürgermeister Ingolf Roßberg ermöglichte den nötigen finanziellen Spielraum. Trotzdem waren weitere Jahre für die Planung nötig. 2012 wurde der Kulturpalast für umfassende Renovierungsarbeiten sowie den Einbau eines neuen, reinen Konzertsaals geschlossen.

2012 bis 2017 war das Orchester im Waldschlösschenviertel beheimatet, wo Probenräume, Instrumentenlager und die Büros der Verwaltung untergebracht waren. Die Philharmonie führte in dieser Zeit Sinfoniekonzerte im Albertinum und im Schauspielhaus auf, dazu kamen eine Kammerkonzertreihe auf Schloss Albrechtsberg, Konzerte im Deutschen Hygiene-Museum Dresden, Familienkonzerte, Schülerkonzerte sowie Sonderkonzerte in der Frauenkirche, der Kreuzkirche und zu besonderen Anlässen auch an weiteren Orten. Außerdem führt das Orchester Tourneen in der ganzen Welt[9] durch und hat im deutschlandweiten Vergleich eine herausragende Abonnentenzahl (mehr als 10.000).

Die Dresdner Philharmonie eröffnete nach über vierjähriger Bauzeit am 28. April 2017 den Konzertsaal innerhalb des Dresdner Kulturpalastes.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dresdner Philharmonie wurde 1951 zum Orchester der Sonder- und 1954 zur Spitzenklasse der Kulturorchester in der DDR erhoben. Am 7. Oktober 1958 erhielten die Musiker gemeinsam den Vaterländischen Verdienstorden in Silber. 1961 wurde die Dresdner Philharmonie zum Gründungsmitglied der Prager Dvorak-Gesellschaft und erhielt 1966 für ihre Verdienste um das Schaffen Gustav Mahlers die goldene Mahler-Medaille der Internationalen Gustav-Mahler-Gesellschaft in Wien.[3]

Chefdirigenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Härtwig: Ur- und Erstaufführungen durch die Dresdner Philharmonie (1900–1934), in: Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Teil I: 1900–1933, hrsg. von Matthias Herrmann und Hanns-Werner Heister, Laaber 1999, S. 247–256 (Musik in Dresden 4), ISBN 3-89007-346-8
  • Dieter Härtwig: Von Horst Förster zu Michel Plasson. Neue Musik bei der Dresdner Philharmonie 1964–1999, in: Dresden und die avancierte Musik im 20. Jahrhundert. Teil III: 1966–1999, hrsg. von Matthias Herrmann und Stefan Weiss, Laaber 2004, S. 211–242 (Musik in Dresden 6), ISBN 3-89007-511-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Dresdner Philharmonie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul Schumann, Friedrich Kummer: Dresden und das Elbgelände. Verlag des Vereins zur Förderung Dresdens und des Fremdenverkehrs, 1918
  2. Adreßbuch für Dresden und seine Vororte, 1904.
  3. a b c d e f g h Dieter Härtwig: Die Dresdner Philharmonie – einst und heute. In: Sächsische Heimatblätter. Nr. 2/1982. Verlag des Kulturbunds des Bezirks Dresden, 1982, ISSN 0486-8234, S. 61–66.
  4. Marek Janowski. Dresdner Philharmonie, abgerufen am 9. August 2019.
  5. Neuer Kunde, neues Design: Dresdner Philharmonie. Preuss und Preuss, 7. April 2019, abgerufen am 9. August 2019.
  6. Die Philharmonischen Chöre. Dresdner Philharmonie, abgerufen am 9. August 2019.
  7. Kurt Masur Akademie. Dresdner Philharmonie, abgerufen am 9. August 2019.
  8. Festkonzert 150 Jahre Dresdner Philharmonie unter Marek Janowski (29. November 2020),abgerufen am 1. Dezember 2020
  9. Konzertreisen. Dresdner Philharmonie, abgerufen am 9. August 2019.