Drudenhaus

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Darstellung und Grundriss des Drudenhauses

Das Drudenhaus (Malefizhaus, Trudenhaus, Hexengefängnis) wurde 1627 von Fürstbischof Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (1623–1633) in Bamberg auf dem Höhepunkt der Hexenverfolgungen für ca. 30 Gefangene gebaut.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Konzeption und Bau des Drudenhauses gehen auf Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner, einen Verfechter der Hexenverfolgungen, zurück.[1] Auch in anderen Amtsstädten des Hochstift entstanden kleinere Drudenhäuser. So in Zeil am Main, Hallstadt und Kronach.

Es stand in der heutigen Franz-Ludwig-Straße, etwa auf Höhe der Hausnummer 7, wo sich jetzt eine Apotheke befindet. Das dazugehörige Foltergebäude, die sogenannte "Peinliche Frag", befand sich auf dem Areal des heutigen Hauses Franz-Ludwig-Straße 10.

Der Grundriss des Gebäudes zeigt 26 Einzelzellen und zwei etwas größere Zellen. Über dem Portal war folgende Inschrift angebracht: DISCITE JUSTITIAM MONITI ET NON TEMNERE DIVOS (ein Zitat aus Vergils Aeneis: „Lasst euch das eine Ermahnung sein, Gerechtigkeit zu lernen und die Götter nicht zu missachten“).

Darüber war die Figur der Justitia platziert und auf der Höhe des ersten Stockwerks war auf einer Rollwerkkartusche folgender Vers aus dem Buch der Könige (9. Kapitel) zu lesen: Das Haus wirdt ein Exempel werden, das alle die furüber gehen, werden sich Entsetzen, vnnd Blaßen vnnd Pfeiffen vnnd sagen: Warumb hatt der Herr disem Landt disem Hauß also gethan? So wirdt man andwortten: Darumb das sie den Herren ihren Gott verlassen haben, vnnd haben angenommen andere Götter, vnnd sie Angebettet, vnnd ihnen gedienet, Darumb hat der Herr all diß übel über sie gebracht. Die zweite Kartusche enthielt den gleichen Text in lateinischer Sprache.[2]

Laut einem „Cathalogus“ vom April 1631 waren zu diesem Zeitpunkt dort 20 Personen inhaftiert.[3]

In dieser Zeit der Hexenprozesse fanden etwa 300 Menschen in der Stadt Bamberg und insgesamt 900 Menschen im Hochstift den Tod auf dem Scheiterhaufen. Auch bekannte Persönlichkeiten wie der Bürgermeister Johannes Junius und der bischöfliche Kanzler Dr. Georg Haan, der die Prozesse kritisiert hatte, und Dorothea Flock wurden hingerichtet.

Stadtkarte Bamberg von 1617

Als sich schwedische Truppen am 11. Februar 1632 Bamberg näherten, wurden die letzten zehn inhaftierten "Hexen" entlassen, sie mussten jedoch schwören, über die Behandlung (Folter) während der Haft zu schweigen.[4] Nach 1635 wurde der Bau abgerissen. 1654 fanden die Steine Verwendung beim Bau des Kapuzinerklosters.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Britta Gehm: Die Hexenverfolgung im Hochstift Bamberg und das Eingreifen des Reichshofrates zu ihrer Beendigung. Olms, 2. überarbeitete Auflage, Hildesheim 2011. ISBN 978-3-487-14731-4 (Dissertation Universität Jena 1999).
  • Ralph Kloos und Thomas Göltl: Die Hexenbrenner von Franken. Erfurt 2012. ISBN 978-3-95400-109-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Patricius Wittmann, Das Bamberger Trudenhaus, Zeitschrift des Münchner Alterthumsvereins, Neue Folge Nr. 5, München C. Fritsch 1892, S. 22,23.
  2. Peter Engerisser: Wo stand das Bamberger Malefiz- oder Trudenhaus? (PDF; 2,0 MB), 2008, S. 4 (abgerufen am 23. Oktober 2012)
  3. Der „Cathalogus“ findet sich abgedruckt bei Friedrich Leitschuh: Beiträge zur Geschichte des Hexenwesens in Franken, Bamberg 1883, S. 55–58
  4. Vgl. Tagebuch der Dominikanernonne Maria Anna Junius, abgedruckt in: 52. Bericht über Bestand und Wirken des Historischen Vereins Bamberg für das Jahr 1890, S. 7–223, hier: S. 14
  5. Vgl. Robert Zink: Hexenverfolgungen in Bamberg, in: bamberg heute, 1982 Heft 1, S. 12

Koordinaten: 49° 53′ 36,3″ N, 10° 53′ 28,5″ O