Durch die Lappen gehen

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Jagdlappen aus Schloss Clemenswerth mit der Darstellung eines Mohren um 1700

Durch die Lappen gehen im Sinne von „entkommen, entgehen“ ist eine seit dem 18. Jahrhundert belegte Redensart, die ursprünglich aus der Jägersprache stammt.

Bei der sogenannten Lappjagd werden Stoff-Lappen[1] (Blendzeug) an Leinen (Archen[2]) aufgehängt, um damit flüchtende Tiere bei einer Treib- oder Drückjagd in bestimmte Richtungen zu lenken oder am Ausbrechen zu hindern.[3] Die Lappjagd wird auch „eingestelltes Jagen“ oder „Teutsche Jagd“ genannt.[4] Heute wird die Lappjagd hauptsächlich noch verwendet, um Wölfe für Forschungszwecke oder Umsiedlungen zu fangen.

In Deutschland wird die Lappjagd in § 19 Abs. 1 Nr. 3 Bundesjagdgesetz eingeschränkt.[3][5]

Obwohl viele Wildtiere tatsächlich vor den aufgehängten Lappen zurückschrecken, kommt es dabei jedoch immer wieder vor, dass Tiere durchbrechen und somit buchstäblich „durch die Lappen gehen“. Ebenso wird die Formulierung aus der Sprache der Zempiner und Lassaner Fischer etymologisch begründet, so sind Laap die Maschen eines speziellen Netzes, welches durch seine Konstruktion sowohl zu kleine, als auch zu große Fische „durch die Laapen gehen“ lässt.

Im Museum Schloss Rheydt der Stadt Mönchengladbach wurden Jagdlappen gezeigt, die mit einem Wappen versehen sind und ein bestimmtes Jagdgebiet begrenzen. Wenn das Tier diese Grenze überschritt, durfte es vom Jagdherrn nicht mehr getötet werden und war somit durch die Lappen gegangen.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten.
  • Richard Blase: Die Jägerprüfung.
  • Hilde Stockmann: Zempiner Heimathefte, Nr. 1, Geschichte, Geschichten, Bilder, Dokumente

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Beispiel eines Jagdlappens der Grafschaft Hanau Lichtenberg, datiert 1700 ausgestellt durch Lennart Viebahn Arms & Armour
  2. Lappen – Deutsches Jagd Lexikon. In: Deutsches-jagd-lexikon.de. Abgerufen am 10. Mai 2015.
  3. a b Lappjagd. In: Jagdverband.de. Abgerufen am 10. Mai 2015.
  4. Die teutsche Jagd. In: Barockjagd.de. Abgerufen am 10. Mai 2015.
  5. BJagdG - Einzelnorm § 19. In: Gesetze-im-internet.de. Abgerufen am 10. Mai 2015.
  6. Katalog Städt. Museum Schloss Rheydt. Bd. I, Mönchengladbach 1981, S. 23f.