Earl of East Anglia

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Die Earls of East Anglia waren im 11. Jahrhundert Herrscher von East Anglia. Der Titel wurde von Knut dem Großen im Jahre 1017 erstmals vergeben und verschwand nach der Teilnahme von Ralph de Gaël am gescheiterten Aufstand der Grafen im Jahre 1075.

Grafschaft East Anglia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 917 war Ostanglien ein Königreich, das ab 870 unter dänischer Kontrolle stand. In diesem Jahr unterwarfen sich die ostanglischen Dänen König Eduard dem Älteren, und Ostanglien wurde ein Teil des expandierenden Königreichs England. Es ist nicht klar, wer dort beauftragt wurde, aber es ist wahrscheinlich, dass der Graf Æthelfrith von Südost-Mercia die Herrschaft über das neu gestaltete Gebiet von Eduard erhielt.[1] Er starb 927[2][3] und wurde von seinem Sohn Æthelstan Half-King beerbt. Dieser war ein sehr mächtiger Aristokrat, der ein weitläufiges Territorium beherrschte und dessen Familie in der Gegend mächtig blieb.[4]

Dänische, englische und normannische Earls[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seiner Eroberung Englands im Jahre 1016 teilte Knut der Große im folgenden Jahr das Reich in einige große Verwaltungsgebiete, die von Grafen regiert wurden. Diese entsprachen den territorialen Umrissen, welche die ehemaligen Königreiche von Wessex, Mercia, Northumbria und Ostanglien Mitte des 9. Jahrhunderts besessen hatten. Allerdings variierten die genauen Umrisse dieser Grafschaften über die Jahrzehnte, da für bestimmte Einzelpersonen Grafschaften mit anderem Zuschnitt geschaffen wurden, die jedoch meist kurz bestanden. Der Kern der Grafschaft von Ostanglien bestand aus Norfolk und Suffolk. Auch andere Verwaltungseinheiten wie Essex, Middlesex und Cambridgeshire gehörten zu verschiedenen Zeiten ebenfalls zu Ostanglien.

Der erste Earl of East Anglia war Thorkell der Große, der im Jahre 1017 ernannt wurde. Thorkell und seine Familie wurden von Knut dem Großen im Jahre 1021 geächtet, aber im Jahre 1023 wieder begnadigt. Seine unmittelbaren Nachfolger sind unbekannt.

Die ursprüngliche englische Dynastie wurde mit dem Amtsantritt von König Edward dem Bekenner im Jahre 1042 wiederhergestellt. Während seiner Herrschaft wurde Ostanglien, damals kleiner als die anderen drei ursprünglichen Earldoms und nicht die Machtbasis einer der Familien, die damals die englische Politik dominierten, von zwei jüngeren Mitgliedern einer ebensolchen einflussreichen Familie gehalten. Um 1045 war die Grafschaft in den Händen von Harold Godwinson, dem zweiten Sohn von Godwin von Wessex. Im Jahre 1051 wurden Godwin und seine Söhne ins Exil getrieben und ihre Besitztümer anderen zugewiesen. Ostanglien ging an Ælfgar, Sohn von Leofric von Mercia. Doch im Jahre 1052 kehrten Godwin und seine Söhne nach England zurück und erlangten ihre früheren Positionen wieder. Als Godwin im Jahre 1053 starb, wurde Harold an seiner Stelle zum Grafen von Wessex ernannt, und er wurde in Ostanglien wieder von Ælfgar ersetzt. Im Jahre 1055 wurde Ælfgar verbannt und ins Exil getrieben, aber auch er erlangte innerhalb des Jahres seine ehemalige Position zurück. Im Jahr 1057 starb sein Vater Leofric, und Ælfgar wurde zum Earl of Mercia an der Stelle seines Vaters ernannt. Die Grafschaft von Ostanglien wurde dann Gyrth Godwinson, einem von Harolds jüngeren Brüdern, zugeteilt, die er bis zu seinem Tod in der Schlacht bei Hastings im Jahre 1066 hielt.

Nach der normannischen Eroberung von England ernannte Wilhelm der Eroberer nun Ralph the Staller, einen in Norfolk geborenen Aristokraten bretonischer Abstammung, zum Grafen von Ostanglien. Nach seinem Tod wurde er von seinem Sohn Ralph de Gaël ersetzt. Er war ein Führer einer Rebellion gegen Wilhelm im Jahre 1075, die als Aufstand der Grafen bekannt wurde. Mit dem Scheitern dieses Aufstandes floh Ralph zu seinen Ländereien in der Bretagne, und kein Nachfolger wurde ernannt, obwohl viele von Ralphs Besitzungen an den großen bretonischen Magnaten Alain den Roten übergeben wurden.

Spätere Grafschaften, die in der Region geschaffen wurden, waren von kleinerer Ausdehnung. Dies stand im Einklang mit den Entwicklungen anderswo im Land. Während England in der Mitte des 11. Jahrhunderts durch eine Handvoll von großen Grafschaften verwaltet worden war, wurden unter den normannischen Königen die Einheiten verkleinert, so dass die Grafen nur noch einen einzelnen Teil einer Grafschaft verwalteten. Sie waren damit im Grunde nun wieder mehr Ehrentitel als mit wirklicher Regierungsgewalt ausgestattet.

Liste der Grafschaften und Grafen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englische Grafschaft von East Anglia
Von Bis Inhaber Nachweis Bemerkung
930 931 Ælfred [5]
932 956 Æthelstan Half-King
957 962 Æthelwald
962 992 Æthelwine
993 1002 Leofsige
Dänische Grafen von East Anglia
1017 1021 Thorkell der Große
? circa 1026 1044 oder 1045 Osgod Clapa * * Unsicher
Englische Grafen von East Anglia
1044 oder 1045 1051 Harold Godwinson
1051 1052 Ælfgar
1052 1053 Harold Godwinson
1053 1057 Ælfgar
1057 1066 Gyrth Godwinson
Normannische Grafen von East Anglia
1067 1069 Radulf the Staller
circa 1069 1075 Radulf de Gael

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ian W. Walker: Mercia and the making of England. Sutton 2000 ISBN 0-7509-2131-5, S. 130.
  2. Aemyers Genealogy: Earl Athelfrith abgerufen am 13. Januar 2008.
  3. Cunninghams of SW Nova Scotia – Person Page – Aethelfrith (?), Ealdorman of Mercia. laurenandtristan.net, abgerufen am 7. April 2017.
  4. Person and Factoid: Æthelstan 26. pase.ac.uk, abgerufen am 7. April 2017.
  5. Cyril Hart: The Danelaw. Hambledon, London 1992, ISBN 1-85285-044-2, S. 195, table 5.2.