Eberhard von Zeppelin

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Eberhard Moritz Adolph Albert Graf von Zeppelin (* 22. Mai 1842; † 30. Oktober 1906) war ein deutscher Historiker, Bankier, Bodenseeforscher, Hotelier, Autor, Botschafter von Württemberg.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eberhard war der Sohn des früheren fürstlich hohenzollernschen Hofmarschalls und Baumwollfabrikanten Graf Friedrich Jerôme Wilhelm Karl von Zeppelin (1807–1886) und dessen Ehefrau Amélie Françoise Pauline Macaire d’Hogguèr (1816–1852). Der bekannte Graf Ferdinand von Zeppelin war sein Bruder.

Staatsdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeppelin diente in der Württembergischen Armee als Leutnant [1], und vertrat das Königreich im Diplomatischen Corps in Italien und Österreich. In Budapest war Zeppelin Geschäftsträger der Württembergischen Botschaft, und vertrat Botschafter Freiherr Thumb von Neuburg nach dessen Abberufung [2].

Nach seiner Zeit in der Armee und im Diplomatischen Dienst kehrte Zeppelin an den Bodensee zurück und erwarb 1867 von den Erben des Konstanzer Textilfabrikanten und Bankiers Moritz Macaire das Gut „Kunzenhof“ in Kreuzlingen (Kanton Thurgau, Schweiz). Er ließ das Wohngebäude zu einem Schloss ausbauen und gab ihm in Anlehnung an seinen Vornamen den Namen "Schloss Ebersberg". Zeppelin stand aber weiterhin als Kammerherr in württembergischen Staatsdiensten [3].

Bankier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eberhard von Zeppelin begnügte sich aber nicht lange damit als neuer Gutsbesitzer der Landwirtschaft nachzugehen, sondern trat 1872 als Teilhaber und Anlageberater in die familieneigenen Bank Macaire & Co. ein. Dort betätigte er sich als finanzieller Sachwalter seiner Geschwister und Schweizer Verwandten und legte die teils riesigen Erbvermögen der Familie gewinnbringend an. Durch die Beteiligung an Neugründungen, wurde die Familie Zeppelin zu wichtigen Förderern der Industrialisierung und Verkehrserschließung der deutsch-schweizerischen Bodensee-Region. Sie hielten Anteile an mehreren ostschweizerischen und badischen Eisenbahnen und in der Textilindustrie im Hegau. So beteiligten sie sich an der „Baumwoll-Spinn & Weberei Arlen“ des Unternehmers Carl Ten Brink in Arlen und kauften eine Bürsten- und Pinselfabrik in Donaueschingen. Dieses lieferte fortan auch Pferdebürsten an das UlmerUlanen-Regiment „König Karl“ (1. Württembergisches) Nr. 19“, dem Eberhards Bruder Ferdinand von Zeppelin angehörte.[4]

Hotelier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Linie von Zeppelins Mutter, Amélie Françoise Pauline Macaire d’Hogguèr (1816–1852), befand sich die Indigofärberei auf der Dominikanerinsel im Familienbesitz. Der aufkeimende Tourismus, der in Konstanz durch die 1863 eröffnete Eisenbahnanbindung weiteren Vorschub erhielt, und die sinkende Rentabilität der Färberei bewegten Zeppelin dazu, das ehemalige Kloster in ein gehobenes Hotel umzuwandeln. Hierzu gründete Zeppelin eine Aktiengesellschaft, ließ den Gebäudekomplex unter der Leitung des Stuttgarter Architekten Professor Emil Otto Tafel umbauen und eröffnete das „Insel-Hotel“ am 15. April 1875. Bis 1902 leitete Zeppelin den Hotelbetrieb, und übertrug dann die Direktionsgeschäfte an Mathias Brunner aus Glarus und dessen Frau.[5]

Forscher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeppelin hatte ein reges Interesse an seiner Heimat. So war er z. B. Vorsitzender des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung [6]. Sein Wirken als Heimatforscher, Autor und Herausgeber war dadurch sehr beeinflusst, wie eine Auswahl seiner Werke belegt [7]:

  • Geschichte der Dampfschifffahrt auf dem Bodensee 1824 - 1884: Separatabdruck aus dem 14. Hefte der „Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensee's und seiner Umgebung“, Verlag Johann Thomas Stettner, Lindau 1885
  • Der Konstanzer Vertrag Kaiser Friedrichs I. Barbarossa von 1153, Lindau 1887
  • Urkunden-Regesten aus dem Gräfl. Douglas'schen Archiv zu Schloss Langenstein im Hegau, Lindau 1889-90
  • Ältere und neuere Bodensee-Forschungen, mit Jakob Hörnlimann und Reber, Verlag Stettner, Lindau 1893
  • Bodensee-Forschungen, Verlag Stettner, Lindau 1893
  • Geographische Verhältnisse des Bodensees, Verlag Stettner, Lindau 1893
  • Die hydrologischen Verhältnisse des Bodensees, Verlag Stettner, Lindau 1893
  • Die Schwankungen des Bodensees, mit François-Alphonse Forel, Verlag Stettner, Lindau 1893
  • Die Temperatur-Verhältnisse des Bodensees, mit Francois Alphonse Forel, Verlag Stettner, Lindau 1893
  • Transparenz und Farbe des Bodenseewassers, mit Francois Alphonse Forel, Verlag Stettner, Lindau 1893
  • Das Bad im Bild, illustrierter Führer zur Hebung des Fremdenverkehrs in Städten, Bädern, Kurorten und Heil-Anstalten des In- und Auslandes, Verlag Weltbad, Frankfurt a.M. ca. 1912:

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeppelin gehörte der reformierten Glaubensrichtung an und war Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde in Egelshofen. Als 1874 der Thurgauer Liturgiestreit wegen des Verbots des Apostolikums eskalierte und Pfarrer Karl Friedrich Steiger deshalb die evangelische Landeskirche verließ, unterstützte Zeppelin den Pfarrer bei der Gründung der „Unabhängigen evangelischen Kirchengemeinde Emmishofen[8]. Eberhard von Zeppelin wurde, wie später auch sein Bruder Ferdinand, Mitglieder der Dissidentengemeinde.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eberhard von Zeppelin war der Sohn des früheren fürstlich hohenzollernschen Hofmarschalls und Baumwollfabrikanten Friedrich Jerôme Wilhelm Karl Graf von Zeppelin (1807–1886) und dessen Frau Amélie Françoise Pauline (geb. Macaire d'Hogguer) (1816–1852). Deren Vater David Macaire (1775–1845) schenkte der Familie von Zeppelin das Schloss Girsberg in Emmishofen (Schweiz), wo Eberhard zusammen mit seinen Geschwistern Eugenia und Ferdinand aufwuchs und seine Erziehung durch Hauslehrer erfuhr.[9]

Verheiratet war Eberhard von Zeppelin seit August 1868 mit Sophie (russisch: Sonja) Freiin von Wolff-Stomersee (1840–1919) aus Stomersee (lettisch: „Stāmeriene“) im südöstlichen Livland (damals Russisches Kaiserreich, heute ein Teil von Lettland), mit der er vier Söhne hatte.[10] Sophies Cousine, Isabella Freiin von Wolff (* 4. Mai 1846 in Alt Schwanenburg/ Livland; † 2. Januar 1922 in Stuttgart), heiratete am 7. August 1869 in Berlin Ferdinand von Zeppelin, den Bruder ihres Mannes Eberhard.[11]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er war seit 1861 Mitglied der Corps Suevia Tübingen und Misnia (III) Leipzig [12] sowie von 1892 bis 1905 Präsident des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Meyer: Nachruf Dr. Eberhard Graf von Zeppelin, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 36. Jg. 1907, S. XI–XXII (Digitalisat)
  • Der Bruder im Schatten des großen Zeppelin. Graf Eberhard von Zeppelin gründete das Inselhotel, war Bankier und hoch geehrter Bodensee-Forscher. Zum 100. Todestag, in: Südkurier, 26. Oktober 2006
  • Rosgartenmuseum Konstanz (Hrsg.): Die Zeppelins - Lebensgeschichten einer Adelsfamilie. Print+Medien Konstanz, Konstanz 2013, ISBN 978-3-929768-32-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Eberhard Graf von Zeppelin – Quellen und Volltexte

Die Familie von Zep(p)elin, gesamter Stammbaum der Sippe (Memento vom 26. Februar 2014 im Internet Archive)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, E 271 c Bü 1260
  2. Hauptstaatsarchiv Stuttgart, E 70 b Bü 71
  3. Hans Rosenkranz (1931): Ferdinand Graf von Zeppelin: Die Geschichte eines abenteuerlichen Lebens, S. 95
  4. Rosgartenmuseum Konstanz (Hrsg.): „Die Zeppelins - Lebensgeschichten einer Adelsfamilie“, Print+Medien Konstanz GmbH, Konstanz 2013, S.124, ISBN 978-3-929768-32-9
  5. Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen (Hrsg.): "Beiträge zur Ortsgeschichte von Kreuzlingen", Heft IX, Thurgauer Zeitung 1955, S.36
  6. Ernst Leisi: Johannes Meyer. In: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band II. 34. Jg. 1957, S. 144–149, hier S. 148 (PDF; 163 kB)
  7. Werke von Eberhard von Zeppelin
  8. Biografie Edgar Steiger
  9. Clausberg, K. (1990): Zeppelin: Die Geschichte eines unwahrscheinlichen Erfolges, Augsburg, S. 163.
  10. Vereinigung Heimatmuseum Kreuzlingen (Hrsg.): "Beiträge zur Ortsgeschichte von Kreuzlingen", Heft IX, Thurgauer Zeitung 1955, S.57
  11. Rosgartenmuseum Konstanz (Hrsg.): „Die Zeppelins - Lebensgeschichten einer Adelsfamilie“, Print+Medien Konstanz GmbH, Konstanz 2013, S.93ff, ISBN 978-3-929768-32-9
  12. Kösener Corpslisten 1960, 129, 176; 90, 167