Echte Dattelpalme

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Dieser Artikel behandelt die oft Dattel genannte Kulturpflanze und ihre Früchte. Für weitere Bedeutungen siehe Dattel (Begriffsklärung).
Echte Dattelpalme
Echte Dattelpalmen in Marokko

Echte Dattelpalmen in Marokko

Systematik
Ordnung: Palmenartige (Arecales)
Familie: Palmengewächse (Arecaceae)
Unterfamilie: Coryphoideae
Tribus: Phoeniceae
Gattung: Dattelpalmen (Phoenix)
Art: Echte Dattelpalme
Wissenschaftlicher Name
Phoenix dactylifera
L.

Die Echte Dattelpalme (Phoenix dactylifera) ist eine Pflanzenart der Gattung Dattelpalmen (Phoenix) in der Familie der Palmengewächse (Arecaceae). Ihre Früchte werden Datteln genannt. Die echte Dattelpalme ist eine alte, orientalische Kulturpflanze deren menschliche Nutzung sich bis in die Archive von Mesopotamien zurückverfolgen lässt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Echte Dattelpalme erreicht Wuchshöhen von 15 bis 20 Meter. Die Basis der Wedel verbleibt am Stamm. Die Laubblätter sind Wedel; sie sind 3 bis 5 m lang und haben etwa 30 cm lange und 2 cm breite Fiedern. Im unteren Bereich der Wedel sind Stacheln vorhanden.

Phoenix-Arten sind zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch). Die achselständigen Blütenstände sind einfach verzweigt mit einem großen Hochblatt. Die gestielten oder ungestielten Blüten sind eingeschlechtig und dreizählig. Die je drei Kelch- und Kronblätter sind untereinander verwachsen. Die Krone ist länger als der Kelch. Die männlichen Blüten enthalten meist drei Staubblätter, deren Staubfäden an ihrer Basis verwachsen sind. Die weiblichen Blüten enthalten drei freie Fruchtblätter und sechs verwachsene Staminodien. Die Narben sitzen ohne Griffel direkt auf den Fruchtblättern. Es werden fleischige, einsamige Beeren gebildet, die in großen traubigen Fruchtständen an der Palme hängen. Die ersten Datteln kann man nach 5 bis 6 Jahren ernten.

Anbau[Bearbeiten]

Die Dattelpalme benötigt als Wüstenpflanze viel Sonne und vor allem in den Sommermonaten auch viel Wasser. Ansonsten gilt die Pflanze als anspruchslos und kommt mit nährstoffarmen Böden zurecht. Sie wächst langsam und gilt als winterhärter als ihre Verwandte, die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis).

Über die Jahrtausende sind zahlreiche Varianten der Datteln gezüchtet worden, so dass ihre Fruchtfarbe von Rot bis Schwarz variiert.

Der Anbau von Datteln erfolgt in Palmengärten. Die Pflanzen haben eine Nutzzeit von 80 bis 100 Jahren, daher muss ein solcher Garten sorgfältig geplant werden. Da die Früchte nur alle zwei Jahre aus befruchteten Blüten entstehen, werden auf zirka 100 weibliche Pflanzen 2 bis 3 männliche gepflanzt. Der Ertrag pro Baum kann dann bis 100 kg betragen. Die Fruchtbildung findet bei 30 bis 35 Grad Celsius Außentemperatur statt. Dabei benötigen die Pflanzen viel Wasser. Aus diesem Grund muss ein solcher Garten gut bewässert werden oder die Pflanzen brauchen Zugang zum Grundwasser.

Konservierung[Bearbeiten]

Im äußerst trockenen Klima der Anbauländer konservieren sich die Früchte der verschiedenen Dattelpalmsorten aufgrund ihres hohen Zuckergehaltes[1] − vergleichbar Feigen und Weintrauben − von selbst und bleiben mindestens bis zur nächsten Ernte haltbar.

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Ein großer Teil der Produktion verbleibt in den Ländern selbst und wird weiterverarbeitet. Die Produkte der Dattelproduktion sind neben den Früchten (frisch und getrocknet) Dattelöl, Dattelschnaps (und Essig).[2][3] Vom Stamm älterer Dattelpalmen lässt sich ein Saft abzapfen, der sich sofort im Gärprozess befindet und als Palmwein vergoren wird.[4] Die Blätter können zur Herstellung von Flechtwerk aller Art genutzt werden.

Die weltweite Ernte beträgt nach Angaben der Welternährungsorganisation etwa 7 Mio. t (2004). Besonders in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist die Produktion seit 1970 stark angestiegen (von 1970 8 kt bis 2004 auf 760 kt).

Weltweite Dattelproduktion (2005)
Die größten Dattelproduzenten weltweit (2009)
(in 1000 t)
AgyptenÄgypten Ägypten 1.350,00
IranIran Iran 1.088,04
Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien 1.052,40
Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate 759,00
PakistanPakistan Pakistan 735,28
AlgerienAlgerien Algerien 600,70
IrakIrak Irak 507,00
SudanSudan Sudan 339,30
OmanOman Oman 278,59
LibyenLibyen Libyen 160,10
TunesienTunesien Tunesien 145,00
China VolksrepublikChina Volksrepublik China 140,00
MarokkoMarokko Marokko 72,00
JemenJemen Jemen 56,76
NigerNiger Niger 37,79
TurkeiTürkei Türkei 25,28
IsraelIsrael Israel 22,19
KatarKatar Katar 21,60
MauretanienMauretanien Mauretanien 20,00
TschadTschad Tschad 18,78
Weltproduktion (gesamt) (über) 7.462,51
Quelle: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO)[5]

Schädlinge[Bearbeiten]

Wie viele andere Kulturpflanzen haben auch Dattelpalmen Schädlinge; hier ist zurzeit vor allem der Rote Palmrüssler (Rhynchophorus ferrugineus) zu nennen, der sich seit etwa 1994 am Mittelmeer ausbreitet. Er ist gefährlich, da er seine Larve innerhalb der Dattelpalme ablegt und, wenn Schäden sichtbar sind, nur noch ein Abholzen und Vernichten hilft.

Auch Pilze können der Dattelpalme zusetzen. So hat die Bayoud-Krankheit mit dem Pilz Fusarium oxysporum große Bestände in Algerien und Marokko vernichtet. Neue Sorten-Züchtungen der Dattelpalme sind nicht mehr so anfällig gegen diesen Pilz.

Besonderes[Bearbeiten]

1963 wurden bei Ausgrabungen in der Festung Masada rund 2000 Jahre alte Dattelkerne gefunden. Forscher brachten 2005 einen der Keime zum Wachsen.[6] Die Pflanze wird heute als Judäische Dattelpalme bezeichnet und ist Rekordhalter in altersbedingter Keimfähigkeit.

Galerie[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Echte Dattelpalme (Phoenix dactylifera) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Ernährungsberatungs- und -informationsnetz (DEBInet)
  2. Dattelprodukte
  3. Dattelproduktion
  4. Christian Rätsch: Lexikon der Zauberpflanzen aus ethnologischer Sicht. Akademische Druck- und Verlags-Anstalt, Graz 1988, ISBN 3-201-01437-0. S.57.
  5. Food and Agricultural commodities production. FAOSTAT. 2009. Abgerufen am 20. Oktober 2011. (englisch, französisch, spanisch)
  6. 2000 Jahre alter Samen (eng. Original)