Ecovin

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Ecovin [ˈekowin] e.V. ist ein Bundesverband ökologisch arbeitender Weingüter (BÖW) in Deutschland. Er wurde 1985 gegründet und hat seinen Sitz in Oppenheim. Er ist der größte deutsche Anbauverband, der sich ausschließlich auf ökologischen Weinbau spezialisiert hat. Im Dezember 2018 besaß er Regionalverbände in neun deutschen Anbaugebieten, deren 245 Mitgliedsbetriebe 2.606 Hektar Rebfläche bewirtschaften.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verband wurde 1985 von 35 Ökowinzern aus Rheinhessen, der Pfalz, von der Mosel und aus Baden gegründet.[1] Zitat des Gründungsmitglieds Rudolf Trossen:

„Wir hatten Mitleid mit der Erde. Euphorisch waren wir damals, felsenfest überzeugt, dass es an der Zeit war, dem ökologischen Weinbau in Deutschland ein Gesicht zu geben.“[3]

Anfangs nannte sich der Dachverband Bundesverband ökologischer Weinbau e. V. und wurde später in einen speziellen Weinbau-Verband umgewidmet. Grund dafür war eine Diskussion um die Praktiken und Richtlinien des ökologischen Weinbaus. 1990 wurde Ecovin als Warenzeichen zugelassen. 1992 lösten staatlich unterstützte Berater das bisher intern organisierte Beratungssystem ab.[1]

Ab 1995 stellten sich Ecovin-Winzer vermehrt dem Wettbewerb und überzeugten unabhängige Jurys von ihren Weinqualitäten. 1996 wurde der verbandsinterne Wettbewerb „EcoWinner“ ins Leben gerufen. 2004 wurde der Verband Mitglied im Deutschen Weinbauverband.[1][4]

Ab 2005 arbeitete Ecovin eng mit anderen Bio-Anbauverbänden auf europäischer Ebene zusammen, um ein Basiswerk für bisher noch nicht definierte EU-Kellerrichtlinien zu schaffen. Der Verband unterstützt aktiv die Forschung im Bereich Pflanzenschutz und Rebsortenzüchtung. Professionelle Fortbildung im Ökoweinbau soll Winzer sensibilisieren, um kontinuierlich neue Mitglieder zu gewinnen. 2008 wurde das Markenzeichen überarbeitet.[1]

Das Weinbauministerium von Rheinland-Pfalz erkannte 2017 den bisher verbandsinternen Wettbewerb „EcoWinner“ offiziell an, nachdem die Prämierungsregeln an das Reglement der OIV (Office Internationale du Vin, Paris) angepasst wurden. Seitdem steht die Teilnahme allen ökozertifizierten Weingütern offen.[4][5]

Auf der Mitgliederversammlung am 11. April 2019 wurde die Förderung der Biodiversität in den ECOVIN-Richtlinien verankert, um die Bedeutung stärker hervorzuheben.[6]

Gründungsbetriebe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Weingüter gelten als Gründungsbetriebe:[7]

Weinbaugebiet Mosel Weinbaugebiet Pfalz    Weinbaugebiet Rheinhessen  
Weingut Brohl Weingut Wöhrle Weingut Heinz-Walter Metzler
Weingut Peter Mentges Weingut Axel Schmitt
Weingut Johannes Schneider     Weingut Geheimrat Dr. Schnell
Weingut Hugo Schorn Weingut Eugen Schönhals
Weingut Steffens-Keß Ökoweingut Arndt F. Werner
Ökoweingut Trossen
Weingut Udo Wick

Vorstand und Geschäftsführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesvorsitzender: Andreas Hattemer (seit 2015)[8]
  • Vorstandssprecherin: Barbara Hoffmann[6]
  • Finanzvorstand: Georg Forster (seit 2015)[8]
  • Geschäftsführer: Ralph Dejas (seit 2009)[9]

Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den ECOVIN-BÖW Richtlinien zur Erzeugung von Trauben, Traubensaft, Wein, Sekt und Weinbrand liegen folgende Ziele des ökologischen Weinbaus zugrunde:[10]

  • Erhaltung und Steigerung der natürlichen Bodenfruchtbarkeit durch geeignete Kulturmaßnahmen
  • Erziehung gesunder, widerstandsfähiger Pflanzen ohne Einsatz von Herbiziden, chemischsynthetischen Insektiziden und organischen Fungiziden sowie synthetischen Stickstoff-Düngern
  • Förderung und Mehrung der Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt im Ökosystem Weinberg durch gezielte Begrünungsmaßnahmen
  • Herstellung eines weitgehend geschlossenen Produktionskreislaufs
  • Reduzierung der Gewässer- und Bodenbelastung (z. B. durch Verzicht auf Nitrate, Phosphate und Pflanzenschutzmittel)
  • Ablehnung genmanipulierter Pflanzen, Mikroorganismen sowie deren Erzeugnisse
  • Schaffung einer sicheren Existenz auf der Basis befriedigender Lebensbedingungen.

Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In 6 der 13 deutschen Weinbaugebiete bestehen 8 Demonstrationsbetriebe, deren Winzer ihre Höfe für Verbraucher, Berufskollegen, Vermarkter von Bioprodukten sowie andere interessierte Gruppen öffnen. Sie führen ihren Betrieb praxisnah vor und stehen für Fachgespräche zur Verfügung. Besucher erhalten Informationen zum Ökoweinbau sowie über Arbeitsabläufe in einem naturnah arbeitenden Weinbaubetrieb.

Demonstrationsbetriebe sind:[11]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Der Verband. ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e. V., Oppenheim, abgerufen am 12. September 2020.
  2. Ecovin. In: Weinlexikon. Hoffmann Verlag in der Bleicher Medien GmbH, Gerlingen, abgerufen am 12. September 2020.
  3. Festschrift 15 Jahre Ecovin
  4. a b EcoWinner. ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e. V., Oppenheim, abgerufen am 12. September 2020.
  5. EcoWinner 2017: 147 Siegerweine. Deutsches Weininstitut GmbH, Bodenheim, 15. September 2017, abgerufen am 12. September 2020.
  6. a b ECOVIN Mitgliederversammlung 2019: Thema Biodiversität in Richtlinie verankert. ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e. V., Oppenheim, 18. April 2019, abgerufen am 12. September 2020.
  7. Anbaugebiete von ecovin.de (Memento vom 10. Mai 2013 im Internet Archive) – Suche nach Name oder Anbaugebiet
  8. a b Rheinhessen: Neuer Ecovin-Vorstand. In: Das Deutsche Weinmagazin. Fachverlag Dr. Fraund GmbH, Mainz, 9. April 2015, abgerufen am 12. September 2020.
  9. Ralph Dejas neuer Ecovin-Geschäftsführer. In: Trierrischer Volksfreund. Volksfreund-Druckerei Nikolaus Koch GmbH, Trier, 9. April 2009, abgerufen am 12. September 2020 (Nur Anfang frei aufrufbar).
  10. Richtlinie. ECOVIN Bundesverband Ökologischer Weinbau e. V., Oppenheim, abgerufen am 12. September 2020.
  11. Demonstrationsbetriebe. In: oekolandbau.de. 3. August 2018 (oekolandbau.de [abgerufen am 9. August 2018]).