Effemination

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Effemination (von lateinisch effeminatio „Verweiblichung“)[1] bezeichnet die Ausbildung einer gewissen kulturell bedingten Weiblichkeit oder Feminität von Verhalten, Erscheinung oder Haltung von meist männlichen Personen, aber auch von Gesellschaften oder Gegenständen. Das altgriechische Wort für einen effeminierten Mann ist malakós „weich, der Weiche“.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der lateinische Ausdruck effeminatus ist ein Partizip Perfekt Passiv, das sich in seiner sprachgeschichtlichen Entwicklung als Adjektiv verselbstständigt hat vom Verb effeminare (Stammformen effemino, effeminavi, effeminatum) „verweichlichen“. Das Verb ist ein Kompositum aus dem Präfix ex „aus, heraus“ (mit Assimilation, also artikulatorischer Vereinfachung in Form von Angleichung an das folgende -f) und dem Substantiv femina „Frau“ (vergleiche „feminin“): „zu einem Weibe machen, verweichlichen, verzärteln“.

Karl Ernst Georges übersetzte effiminatio 1913 als Verweichlichung oder Verzärtelung.[2]

Das lateinische effeminare wurde auch in andere Sprachen entlehnt, etwa englisch to effeminate, italienisch effeminare, spanisch afeminar oder französisch efféminer.

Auftreten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Effemination im Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Effemination beim Mann widerspricht der klassischen männlichen Geschlechterrolle und wird in der Gesellschaft nur selten akzeptiert.[3]

Nach Robert Stoller soll zwischen der natürlichen Weiblichkeit von Männern und einem übertrieben effeminierten Verhalten unterschieden werden. In letzterem glaubt er nicht eine Identifikation mit der Frauenrolle, sondern im Gegenteil eine unbewusst feindliche Haltung gegenüber Frauen zu erkennen. Stoller sieht darin eine Pervertierung der Libido als Folge eines Kindheitstraumas.[4] Damit plädiert Stoller für eine scharfe Abgrenzung dieser Effemination von einer Geschlechtsidentitätsstörung oder -irritation (Transsexualismus). Transsexualität ist nach Stoller keine Perversion, sondern eine natürliche sexuelle Variante.

Effemination wird manchmal auch mit männlicher Homosexualität in Verbindung gebracht.[5] R. R. Greenson schreibt zu diesem Phänomen: „Ich habe klinisch den Eindruck gewonnen, dass die Angst des Neurotikers vor Homosexualität, die im Grunde Furcht vor dem Verlust der eigenen Geschlechtsidentität ist, bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen.“

Das Gegenstück zu Feminität ist Virilität (siehe auch Tomboy).

Körperliche Effemination[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Krankheiten wie zum Beispiel Leberzirrhose und Hypogonadismus oder anderen Formen wie Testosteronmangel oder einer Hormonersatztherapie mittels Östrogenen kann es zu körperlichen Veränderungen kommen, die einen Mann androgyn bzw. verweiblicht wirken lassen können. Meist werden als Ausgleich Testosteron- und andere Hormonpräparate verabreicht wie z. B. beim genetisch verursachten Klinefelter-Syndrom.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Harald Begusch: Cross-Dressing? Trans-Sex? Core-Gender? Die Konstruktion der Effemination als Darstellung des Geschlechts. Doktorarbeit Universität Wien 1995.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Worteintrag: Effemination, die. In: Duden online. Abgerufen am 10. Juni 2022.
  2. Karl Ernst Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch (= Ausführliches lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handwörterbuch, lateinisch-deutscher Teil). 8. Auflage. Leipzig 1913, Band 1, Spalte 2343–2344: effiminatio (Neudruck Hannover 1976, Nachdruck Darmstadt 1985).
  3. Oliver Haag: Als der homo sexuell homosexuell wurde, Diskurs über Richard von Krafft-Ebings: Psychopathia Sexualis. In: univie.ac.at. 2002, abgerufen am 10. Juni 2022 (Webportal für die Geschichte der Männlichkeiten am Institut für Geschichte der Universität Wien).
  4. Robert J. Stoller: Perversion: Die erotische Form von Hass. Rowohlt, 1979, S. 196.
  5. Tim Bergling: Sissyphobia: Gay Men and Effeminate Behavior. Harrington Park Press, New York 2001, ISBN 1-56023-990-5, S. ?? (englisch).