Ein Männlein steht im Walde

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„Das Männlein [...] kann nur die Hagebutte sein.“

Ein Männlein steht im Walde ist eins der zahlreichen volkstümlichen Kinderlieder von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1843.

Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem purpurroten Mäntelein.

Das Männlein steht im Walde auf einem Bein
Und hat auf seinem Haupte schwarz Käpplein klein,
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein
Mit dem kleinen schwarzen Käppelein?

gesprochen:

Das Männlein dort auf einem Bein
Mit seinem roten Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein
Kann nur die Hagebutte sein.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Text gibt ein Rätsel auf; die Hinweise deuten einerseits auf die Hagebutte. Andererseits lässt das Lied auch den Fliegenpilz als Lösung zu, wie der Musikwissenschaftler Hans-Josef Irmen darstellt. Irmen führt aus:

„Tatsächlich wächst die Hagebutte nicht im Wald allein, sondern zumindest am Waldesrand, ‚am Rain‘, und ihre Früchte stehen zahlreich beisammen. Hoffmann weist dem Ratenden in der ersten Strophe einen falschen Weg, jedermann denkt zuerst an den Fliegenpilz. Erst wenn als weiteres Indiz der zweiten Strophe das ‚schwarze Käppelein‘ bekannt wird, ist klar, dass es sich um die Hagebutte handelt. Der Widerspruch zwischen beiden Strophen lässt darauf schließen, dass der Dichter inkompatible Vorlagen zu vereinigen suchte.“[1]

Das Lied folgt einer Volksweise vom Niederrhein in F-Dur in je 16 Takten und steht im 2/4-Takt. Es beginnt auftaktig. Da sich die Melodie innerhalb des Liedes des Öfteren wiederholt, spricht man von der Reprisen-Bar-Form, also a a b a'.

In der Oper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck ist es als schlichtes Volkslied beliebt. Allerdings wird in besagter Oper auf den dritten, meist nur gesprochenen, Schlussvers mit der Auflösung des Rätsels verzichtet.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Film Hannibal Rising – Wie alles begann bzw. dem Roman Hannibal Rising hat das Lied eine tragende Rolle und zieht sich durch die Handlung angefangen im Prolog, über die Tötung von Hannibal Lecters Schwester Mischa sowie wiederholt im darauf folgenden Rachefeldzug.
  • Auch in der Werbung wird das Lied gern verwendet. So beispielsweise in einer verfremdeten Fassung für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge oder als Parteiwerbung für die CSU („Ein Männlein steht im Walde, ganz grün und dumm.“).
  • Der „Ein Männlein steht im Walde-Twist“ mit Grant Tracy findet sich auf der dritten Ausgabe der CD 1000 Nadelstiche, einer Sammlung von deutschsprachigen Liedern, die von bekannten amerikanischen und britischen Künstlern gesungen wurden.
  • Das Lied dient im Film „Das Dschungelkind“ an einer traurigen Stelle als Untermalung.
  • Andreas Kowalewitz komponierte humorvolle Variationen des Liedes für Chor und Klavier im Stil von Bach, Orff, zeitgenössisch, Jazz, Verdi und Mozart.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Josef Irmen: Hänsel und Gretel. Studien und Dokumente zu Engelbert Humperdincks Märchenoper. Schott, Mainz 1989, ISBN 3-7957-1850-3, S. 83.