Einbauküche

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Die erste Frankfurter Küche wurde ab 1926 gefertigt

Als Einbauküche wird die Ausstattung einer Küche mit in Größe und Funktion standardisierten und fest angebrachten Möbeln bezeichnet. Als Urtyp der Einbauküche gilt die Frankfurter Küche, welche 1926 von Ernst May initiiert und von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky ausgearbeitet wurde.

Als Vorteile der Einbauküche gelten kurze Arbeitswege, eine rationellere Gestaltung der Arbeitsabläufe, eine gute Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Raumes und Möglichkeit der Unterbringung einer Vielzahl von Gerätschaften zur Verkürzung von Arbeitsgängen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Küchenzeile der 1950er Jahre
Die Küche im Bonner Kanzlerbungalow, rechts die von der Großküche inspirierte Kochinsel

Unter rationellen Gesichtspunkten gestaltete sogenannte Pantry-Küchen gab es vor allem in der Reisegastronomie, beispielsweise in Zeppelinen und in Speisewagen. In Christine Fredericks Buch Rationelle Haushaltsführung von 1921 werden erstmals anhand eines Fadenmodells die Wegstrecken in der Küche dargestellt. Nach Ausmessen der Wegstrecken ergab sich die optimale Anordnung der Küchenelemente.[1]

Die Frankfurter Küche Schütte-Lihotzkys war für einen Raum von nur 6,5 m² konzipiert und durch eine Schiebetür vom Wohnraum getrennt. Der Abstand zwischen dem Herd – der bereits einen Abzug hatte – und dem Esstisch betrug nur drei Meter, und die zu reinigenden Flächen wurden auf ein Minimum reduziert. Als Oberfläche wurde Buchenholz mit einem unempfindlichen Anstrich verwendet, die Arbeitsfläche war mit Linoleum belegt. Die Frankfurter Küche wurde innerhalb der ersten vier Jahre in rund 10.000 Wohnungen und einer unbekannten Anzahl von Einzelhäusern eingebaut. Insbesondere im Ausland vielbeachtet und zum Vorbild erklärt, wurde die Küche aus Frankfurt im Inland weitgehend ignoriert. Etablierte Küchenanbieter setzten weiterhin auf repräsentative Küchenbüfetts. Erst nach 1945 setzte sich die Einbauküche in Deutschland durch.

Die Entwicklung der sogenannten Schwedenküche begann in den 1930er Jahren. Der erste Küchenstandard wurde 1950 beschlossen und baute auf dem Grundmodul 60 cm × 60 cm auf. In den folgenden Jahren entwickelten Architekten wie F. W. Dassbach verschiedene Standardaufbauten wie etwa die „Sozialwerkküche“, die unter anderem im sozialen Wohnungsbau Verwendung fanden. Die knappe und monofunktionale Gestaltung des Grundrisses von Küchenräumen in Wohnungsneubauten verunmöglichte andere Formen der Küchengestaltung wie etwa die Wohnküche. Anders als bei der Frankfurter Küche werden meist günstige Werkstoffe wie Spanplatte und MDF gesetzt, die Fronten und Arbeitsflächen sind mit laminierten Materialien versehen, wie etwa Resopal. Als Bautiefe setzte sich das aus Schweden bekannte Maß durch. In der DDR dagegen galt eine geringere Tiefe als Standard. Auch die Breite der Elemente beträgt in der Regel 60 Zentimeter; für beengte Platzverhältnisse gibt es auch Sondergrößen.

Ab den 1970er Jahren findet der handwerkliche Begriff „Werkbank“ im Bereich der Küche Anwendung, und wird in einer Quelle als Synonym eines Vorbereitungstischs verwendet[2], die Zeitschrift Md Interior Design Architecture bezeichnete ein italienisches Modell als „Werkbänke und Werkzeugschränke für die Küche“.[3]

Ab den späten 1980er Jahren setzt einerseits ein Trend zur offenen Küche amerikanischen Typs ein, sowie in den 1990er Jahren auch zur „Modulküche“. Bei dieser spielt das Vermeiden von Freiräumen und Lücken, sowie das Verstecken von Funktionen und Geräten (wie z Dunstabzugshauben) keine große Rolle mehr.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Innenleben: Blechbeplankte Pappwabe, Holzwerkstoff, Massivholz, Stahlprofilierung

Die meisten Einbauküchen werden aus Kostengründen aus Standardmodulen zusammengestellt. Typisch sind Ober- und Unterschränke, oft mit einem Fliesenspiegel dazwischen. Richteten sich einst Einbauküchen nach der Gerätebreite und -tiefe von 60 cm (insbesondere Herde und Geschirrspülmaschinen) so sind es heute vor allem die Hersteller von Küchenmöbeln, die oft an dem 60er Maß festhalten, denn Geräte gibt es mittlerweile in einer Vielzahl von Maßen zwischen 45 und 70 cm. Einige Küchenplanungen umfassen auch Arbeitstiefen von 65 bis 70 cm, damit Vorwandinstallationen leichter in die Küchenzeile zu integrieren sind. In der Schweiz sind Elementbreiten von 55 Zentimeter nach wie vor weit verbreitet und gebräuchlich („CH -Norm“).

Als „grifflose Küche“ bezeichnet man eine Küche, deren Ausschübe und Türen keine Griffe haben, sondern eine durchgehende Griffleiste. Die Türen werden über Topfscharniere gehalten, bei Metallküchen werden bevorzugt Stiftschraniere eingesetzt. Selten (da aufwendig) ist der Magnetverschluss, hierbei werden der Rahmen und die Tür mit einer innenliegenden Magnetprofilleiste versehen, um dicht zu schließen.

Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine „grifflose“ Einbauküche aus Edelstahl, hier eingesetzt als Gartenküche

Noch die Frankfurter Küche war aus diversen Hölzern, der Hängeschrank hatte große Scheiben und die Schütten waren aus dem damals teureren Material Aluminium. Auf günstige Ersatzstoffe wurde verzichtet. Von den 1930er Jahren bis in die 1950er Jahre wurden Stahlküchen beworben, sie konnten sich nicht gegen die günstigeren Spanplattenküchen durchsetzen.

Seit der Nachkriegszeit werden Einbauküchen hingegen meist aus Spanplatten gefertigt. Fronten sind furniert, foliert, laminiert oder lackiert oder in jüngerer Zeit mit Metallblech und -folien beklebt. Türen sind manchmal auch aus Massivholz oder aus Aluprofilen mit Glaseinsatz. Die Rückwände und Rückseiten sind meist unbehandelt, so dass hier ebenso wie an Kanten Feuchtigkeit und Dämpfe ihre Spuren hinterlassen können. Einige Anbieter verzichten vollkommen auf Holzwerkstoffe und verwenden zum Bau von Einbauküchen Edelstahl. Als Trend greift man immer wieder auch auf ungewöhnliche Materialien zurückgegriffen, wie etwa GFK, Keramik und Beton. Im Innenleben (Ausfütterung) kommen manchmal auch Recyclingmaterialien zum Einsatz, beispielsweise Pappen oder Textilien.

In einer Untersuchung von Öko-Test im Jahr 2004 über die Belastung eingesetzter Holzwerkstoffe und deren Klebstoffe in Küchen, wurde der Hersteller Bulthaup mit „befriedigend“ bewertet, gleichauf mit Poggenpohl und besser als SieMatic, die „ungenügend“ bekamen.[4] Grenzwerte können an einer Platte eingehalten sein, ist nun eine große Menge der Platten verbaut, atmet man trotzdem eine große Menge der Schadstoffe ein.[5] Im Vertrieb (z. B. Küchenhaus oder Katalog) findet sich in der Regel keine Angabe der Inhaltsstoffe.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mensch nach Maß? – Von DIN-Normen & Körpergrößen, Script zur WDR-Sendereihe Quarks&Co, PDF
  2. Einigkeit: Zentralorgan der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Nr. 29/1978 S. 23
  3. Bezogen auf eine Küche von „Alberti Cucine di Alberti A & F, s.n.o, Bovisio Masciago“, MD. Moebel interior design, Nr. 28/1982
  4. Wo bekomme ich eine ungiftige Küche? (Memento vom 6. September 2014 im Internet Archive)
  5. „Wenn die neue Einbauküche zum Himmel stinkt“ in: Badische Zeitung