En no Gyōja

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En no Gyōja in einem Manga von Hokusai (ca. 1819)
Statue des En no Gyōja beim Kimpusen-Tempel (Kimpusen-ji), Yoshino (Präfektur Nara). Zur Linken der Dämon Zenki mit Axt, zur Rechten Goki mit einem Wassergefäß
Figurengruppe mit (von links) Shōbō (Mönch) alias Rigen Daishi, En no Gyōja, Zao Gongen mit Goki und Zenki, Goki[1]

En no Gyōja[2] (jap. 役の行者), (* 634 in Yamato; † etwa 700) ist ein sagenumwobener Asket, Heilkundiger und Magier des japanischen Altertums. In seiner Kindheit hieß er Asahimaru (jap. 朝日丸), später En no Ozunu (jap. 役小角). Der buddhistisch geprägte Name En no Ubasoku (jap. 役の優婆塞[3]) entstand nach seinem Tod. Im Jahre 1799 wurde ihm durch den Tennō Kōkaku der posthume Name Jinben Daibosatsu (jap. 神変大菩薩[4]) verliehen. Die japanischen Bergasketen (Yamabushi) verehren ihn als Ahnherren des Shugendō.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einzigen Quellen, die der Figur des En no Gyōja eine gewisse Historizität verleihen, sind das Shoku Nihongi (Fortsetzung des Nihongi) aus dem achten Jahrhundert und das Nihon Ryōiki (Aufzeichnungen über Wunder in Japan) aus dem neunten Jahrhundert. Alle anderen Texte geben spätere Einordnungen und Erzählungen wieder.

Jugendzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Nihon Ryōiki zufolge soll En no Gyōja im Jahr 634 im Dorf Kayahara (Yamato, Distrikt Kazuragi Kami no kori, jap.大和国葛木上郡茅原村) als Sprössling der Familie Kamo no E no Kimi (jap. 加茂役公) geboren worden sein. Seine Familie, die später die Priester des Kamo-Schreins stellte, hatte seit Generationen Kräuterkenner und Heiler hervorgebracht. Auch er setzte diese Tradition fort.

Asketische Übungen in den Bergen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als sein Vater starb, benannte sich Asahimaru in En no Ozunu um und flehte, der Überlieferung zufolge, den Himmel an, seiner Mutter ein weiteres Kind zu gewähren, auf dass er sich seinen religiösen Übungen widmen könne. Nach der Geburt seines Bruders Tsukiwakamaru (jap. 月若丸) zog er im Alter von etwa 32 Jahren in die Katsuragi-Berge. In der Folge soll er bei seinen Übungen zahlreiche heilige Gipfel erklommen haben. Dem Shoku Nihongi zufolge unterwarf er zwei grimmige Dämonen (鬼神, kijin), die für ihn Wasser holten und Feuerholz sammelten.[5] Nachdem ihn einer seiner Schüler namens Karakuni no Muraji Hirotari (jap. 韓国連広足) bezichtigte, mit schädlicher Magie das Volk in Unruhe zu versetzen, wurde er 699 in die Provinz Izu verbannt. Die Verbannung und ihr Hintergrund sind im Shoku Nihongi registriert.[6] Möglicherweise geht die Erzählung auf einen Streit um Metallvorkommen in der von ihm genutzten Bergregion zurück.

Zwar gibt es keine historischen Belege hierfür, doch gilt En no Gyōja als Begründer des Shugendō, einer vom Shintoismus, Daoismus sowie vom Shingon-Tendai-Buddhismus geprägten synkretistischen Religion. Hinsichtlich ihrer asketischen Übungen in den Bergen berufen sich die Yamabushi genannten Anhänger dieser Schule auf das Vorbild und die Praktiken von En no Gyōja. Historisch bedeutsam ist der Beitrag des Mönchs Shōbō, genannt Rigen Daishi, nicht nur durch seine Verknüpfung des Shugendō mit Konzepten des esoterischen Shingon-Buddhismus, sondern auch durch seine Gründung von Tempeln und Exerzitienwegen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hartmut O. Rotermund: Die Yamabushi: Aspekte ihres Glaubens, Lebens und ihrer sozialen Funktion im japanischen Mittelalter
  • Japanese Journal of Religious Studies 1989
  • Thomas Immoos: Das Tanzritual der Yamabushi
  • Hakim Aceval: Cyber-Yamabushi: En-no-Gyôja im japanischsprachigen Internet (www): Traditionelle religiöse Konzepte im Internet am Beispiel eines altjapanischen Religionsstifters. Vdm Verlag, 2007, ISBN 3836450909

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Shugendo Mark Schumacher, A-Z Photo Dictionary of Japanese Sculpture and Art; (einschließlich ausführlicher Erörterungen der japanischen Religionsgeschichte; engl.)
  • Die En no Gyōja Legende Bernhard Scheid, Religion-in-Japan

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ursprünglich befand sich die Figurengruppe in einem mit Tragegurten versehenen Schränkchen (jap. oi), das die Yamabushi während ihrer Exerzitien in den Bergen herumtrugen.
  2. Gyôja (jap. 行者) bedeutet so viel wie „Gehender“, Asket.
  3. Von Sanskrit upāsaka; ein nicht ordinierter tiefgläubiger Buddhist.
  4. Etwa so viel wie „wundertätiger, großer Bodhisattva
  5. Die Abbildungen zeigen ihn daher gewöhnlich zusammen mit diesen zwei, Zenki (前鬼, wörtl. Vorderer Dämon) und Goki (後鬼, wörtl. Hinterer Dämon) genannten Dämonen.
  6. Shoku Nihongi, maki 1, Monmu Tenno 3. Jahr, 5. Monat, Hinoto ushi (『続日本紀』巻第一文武天皇三年五月丁丑条). Die Beschreibung entstand etwa ein Jahrhundert nach dem Tode von En no Gyōja.