Endovenöse Lasertherapie
Die endovenöse Lasertherapie (EVLT) oder endovenöse Laserablation (EVLA) ist eine minimal-invasive bzw. operationsersetzende Methode zur Behandlung von Krampfadern und gehört zu den endovenösen thermischen Verfahren, bei denen die Venenwand mithilfe von Hitze verschlossen wird. Laut der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGP) wurde die Methode Ende der 1990er Jahre in Deutschland zugelassen und hat sich seitdem als schonende Alternative zum klassischen Venenstripping etabliert.[1]
Chirurgische Schnitte wie beim Venenstripping sind bei dieser Methode nicht erforderlich. Durch eine kleine Punktionsstelle wird unter Ultraschall-Kontrolle ein Katheter in die Vene bis zur zu behandelnden Stelle eingeführt. Durch diesen Venenkatheter wird anschließend der nur ca. 2–3 Millimeter starke Venenlaser in die Vene eingeführt. Bei modernen Systemen zur Lasertherapie wird das Licht über eine Glasfaser bis zur Katheterspitze geleitet. Dort wird die Energie entweder in Form eines Rings oder – bei bestimmten Geräten – kugelförmig abgegeben, entweder kontinuierlich oder in kurzen Impulsen. Sowohl Wassermoleküle als auch das rote Blutfarbstoff Hämoglobin nehmen die Laserenergie auf und wandeln sie in Wärme um.[2] Durch die Laserbestrahlung wird die Veneninnenwand auf ca. 70 Grad Celsius erwärmt und somit gewollt geschädigt und schrumpft zusammen. Die behandelte Vene verklebt nach der Behandlung, wodurch sich die Vene verschließt und der krankhafte Rückfluss des venösen Blutes (Reflux) vermieden wird. Die verschlossene Vene verhärtet sich zunächst, bildet sich im Verlauf einiger Monate komplett zurück und wird vom Körper abgebaut bzw. in Bindegewebe umgebaut.
Frühe Laserfasern der sogenannten „bare fibre“-Generation gaben die Laserenergie punktuell – nur nach vorne gerichtet – an der Katheterspitze ab, weshalb ein Sicherheitsabstand von 1–2 cm zur Crosse erforderlich war, um eine Schädigung der Femoralvene zu vermeiden.[3] Später wurden diese durch radial abstrahlende Sonden ersetzt, die die Energie gleichmäßig (360 Grad) in einem Einfach- oder Doppelring um den Katheter abgeben.[4] Darunter fällt auch die Endo Laser Vein System-Therapie (ELVeS Radial), bei der radial abstrahlende Fasern zum Einsatz kommen, um die Vene von innen gleichmäßig zu verschließen.[5] Radial abstrahlende Fasern sind in der endovenösen Lasertherapie etabliert, da sie die Energie gleichmäßig abgeben. Im Vergleich zu älteren Bare-Tip-Fasern erzielen sie eine Verbesserung der Wirksamkeit und gehen mit weniger Nebenwirkungen wie Schmerzen und Hämatomen einher.[6] Zu diesem Fortschritt trugen nicht nur die Einführung radialer Fasern, sondern auch die Entwicklung von Lasern mit höheren Wellenlängen bei.[7]
Die endovenösen thermischen Verfahren, zu denen auch die endovenöse Lasertherapie gehört, werden hauptsächlich zur Behandlung von Krampfadern an den Stammvenen der Beine eingesetzt. Sie gelten als schonende Alternative zum klassischen operativen Venenstripping, da die Behandlungsergebnisse ebenbürtig oder in einigen Aspekten sogar überlegen sind.[8][9] Weltweit haben die minimal-invasiven endovenösen Verfahren das klassische Venenstripping weitgehend ersetzt.[10][11]
Laut der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGP) bieten diese Verfahren mehrere Vorteile gegenüber einer Operation: Die Therapie erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung (Tumeszenz-Lokalanästhesie), sodass belastende Voll- oder Teilnarkosen entfallen. Durch den geringen Blutverlust kann die Behandlung auch bei Patienten erfolgen, die gerinnungshemmende Medikamente einnehmen, ohne dass diese abgesetzt werden müssen. Weitere Arzneimittel können in der Regel ebenfalls unverändert weitergeführt werden. Der Zugang zur Vene erfolgt über einen sehr kleinen Schnitt von höchstens einem Millimeter, wodurch Narbenbildung minimal und das Risiko von Nachblutungen oder Wundinfektionen gering ist. Die Krampfader wird nicht entfernt, sondern verbleibt im Körper und wird über mehrere Monate abgebaut. Dadurch treten nach der Behandlung weniger Schmerzen sowie seltener Blutergüsse oder Nervenschäden auf. Zudem ist die Behandlungsdauer kurz, die Patienten sind in der Regel nur für kurze Zeit arbeitsunfähig und können schnell in ihren Alltag zurückkehren.[12] Gemäß einer Leitlinie der European Society for Vascular Surgery aus dem Jahr 2022, werden endovenöse thermale Verfahren bei geeigneter Indikation der Stammvenen als bevorzugte Erstlinienbehandlung gegenüber der offenen Operation empfohlen.[13]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- T. M. Proebstle, H. A. Lehr, A. Kargl, C. Espinola-Klein, W. Rother, S. Bethge, J. Knop: Endovenous treatment of the greater saphenous vein with a 940-nm diode laser: thrombotic occlusion after endoluminal thermal damage by laser-generated steam bubbles. In: J Vasc Surg., April 2002, 35(4), S. 729–736. PMID 11932671
- J. C. Ragg: Vergleich von Radiowelle und 810nm-Laser in der V. saphena desselben Patienten. In: Wiener Medizinische Wochenschrift. Suppl. 123/10, Abstracts Venalpina IV.
- J. C. Ragg: Comparison of 810 to 1470 nm laser systems in identical veins. Union International du Phlebologie, Monaco 2009.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Thermische Verfahren - Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie DGPL – Venenheilkunde. Abgerufen am 12. Februar 2026.
- ↑ Thermische Verfahren - Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie DGPL – Venenheilkunde. Abgerufen am 12. Februar 2026.
- ↑ Kornelia Böhler: [Minimally invasive catheters in varicose vein treatment : New gold standard?] In: Dermatologie (Heidelberg, Germany). Band 74, Nr. 3, März 2023, ISSN 2731-7013, S. 163–170, doi:10.1007/s00105-023-05113-w, PMID 36811641, PMC 9981706 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 12. Februar 2026]).
- ↑ Kornelia Böhler: [Minimally invasive catheters in varicose vein treatment : New gold standard?] In: Dermatologie (Heidelberg, Germany). Band 74, Nr. 3, März 2023, ISSN 2731-7013, S. 163–170, doi:10.1007/s00105-023-05113-w, PMID 36811641, PMC 9981706 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 12. Februar 2026]).
- ↑ Kornelia Böhler: [Minimally invasive catheters in varicose vein treatment : New gold standard?] In: Dermatologie (Heidelberg, Germany). Band 74, Nr. 3, März 2023, ISSN 2731-7013, S. 163–170, doi:10.1007/s00105-023-05113-w, PMID 36811641, PMC 9981706 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 12. Februar 2026]).
- ↑ Karsten Hartmann: Endovenous (minimally invasive) procedures for treatment of varicose veins : The gentle and effective alternative to high ligation and stripping operations. In: Der Hautarzt; Zeitschrift Fur Dermatologie, Venerologie, Und Verwandte Gebiete. Band 71, Suppl 2, Dezember 2020, ISSN 1432-1173, S. 67–73, doi:10.1007/s00105-019-04532-y, PMID 32123975, PMC 7744384 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 17. Februar 2026]).
- ↑ Karsten Hartmann: Endovenous (minimally invasive) procedures for treatment of varicose veins : The gentle and effective alternative to high ligation and stripping operations. In: Der Hautarzt; Zeitschrift Fur Dermatologie, Venerologie, Und Verwandte Gebiete. Band 71, Suppl 2, Dezember 2020, ISSN 1432-1173, S. 67–73, doi:10.1007/s00105-019-04532-y, PMID 32123975, PMC 7744384 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 17. Februar 2026]).
- ↑ Thermische Verfahren - Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie DGPL – Venenheilkunde. Abgerufen am 12. Februar 2026.
- ↑ Kornelia Böhler: Minimal-invasive Katheterverfahren in der Varizentherapie. In: Die Dermatologie. Band 74, Nr. 3, 1. März 2023, ISSN 2731-7013, S. 163–170, doi:10.1007/s00105-023-05113-w, PMID 36811641, PMC 9981706 (freier Volltext).
- ↑ Kornelia Böhler: Minimal-invasive Katheterverfahren in der Varizentherapie. In: Die Dermatologie. Band 74, Nr. 3, 1. März 2023, ISSN 2731-7013, S. 163–170, doi:10.1007/s00105-023-05113-w, PMID 36811641, PMC 9981706 (freier Volltext).
- ↑ Karsten Hartmann: Endovenous (minimally invasive) procedures for treatment of varicose veins : The gentle and effective alternative to high ligation and stripping operations. In: Der Hautarzt; Zeitschrift Fur Dermatologie, Venerologie, Und Verwandte Gebiete. Band 71, Suppl 2, Dezember 2020, ISSN 1432-1173, S. 67–73, doi:10.1007/s00105-019-04532-y, PMID 32123975, PMC 7744384 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 12. Februar 2026]).
- ↑ Thermische Verfahren - Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie DGPL – Venenheilkunde. Abgerufen am 12. Februar 2026.
- ↑ Marianne G. De Maeseneer, Stavros K. Kakkos, Thomas Aherne, Niels Baekgaard, Stephen Black, Lena Blomgren, Athanasios Giannoukas, Manjit Gohel, Rick de Graaf, Claudine Hamel-Desnos, Arkadiusz Jawien, Aleksandra Jaworucka-Kaczorowska, Christopher R. Lattimer, Giovanni Mosti, Thomas Noppeney, Marie Josee van Rijn, Gerry Stansby, ESVS Guidelines Committee, Philippe Kolh, Frederico Bastos Goncalves, Nabil Chakfé, Raphael Coscas, Gert J. de Borst, Nuno V. Dias, Robert J. Hinchliffe, Igor B. Koncar, Jes S. Lindholt, Santi Trimarchi, Riikka Tulamo, Christopher P. Twine, Frank Vermassen, Anders Wanhainen, Document Reviewers, Martin Björck, Nicos Labropoulos, Fedor Lurie, Armando Mansilha, Isaac K. Nyamekye, Marta Ramirez Ortega, Jorge H. Ulloa, Tomasz Urbanek, Andre M. van Rij, Marc E. Vuylsteke: Editor's Choice – European Society for Vascular Surgery (ESVS) 2022 Clinical Practice Guidelines on the Management of Chronic Venous Disease of the Lower Limbs. In: European Journal of Vascular and Endovascular Surgery. Band 63, Nr. 2, 1. Februar 2022, ISSN 1078-5884, S. 184–267, doi:10.1016/j.ejvs.2021.12.024, PMID 35027279 (ejves.com [abgerufen am 17. Februar 2026]).