Erasmus-Programm

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Studenten aus fünf Nationen im Rahmen des Erasmus-Programms in Groningen.

Das Erasmus-Programm ist ein Programm der Europäischen Union. Benannt ist das Programm nach Erasmus von Rotterdam, einem in seiner Zeit universal europäisch gebildeten Humanisten.

Geschichte und Aufbau[Bearbeiten]

Gegründet wurde es am 15. Juni 1987 durch den Beschluss 87/327/EWG des Ministerrates mit dem Ziel, die Zusammenarbeit von Hochschulen in Europa sowie die Mobilität von Studenten und Dozenten zu fördern. ERASMUS steht für: European Action Scheme for the Mobility of University Students.[1] An dem Programm nehmen alle 28 Mitgliedsstaaten der EU sowie fünf weitere europäische Länder (Norwegen, Island, Liechtenstein, Schweiz, Türkei) teil, wobei die Schweiz 2014/15 wegen der Nichtunterzeichnung des Personenfreizügigkeitsabkommens mit dem EU-Neumitglied Kroatien in Folge der angenommenen Masseneinwanderungsinitiative vom Mitgliedsland auf den Status eines Partnerlandes zurückgestuft wurde.[2] Überarbeitet wurde das Programm durch die Beschlüsse 89/663/EWG und 819/95/EG. Es ist Teil des EU-Programms für Lebenslanges Lernen (Laufzeit 2007-2013, davor von 1994 bis 2006 als Sokrates-Programm bezeichnet), das neben Hochschulbildung auch Schul-, Berufs- und Erwachsenenbildung fördert. Im Studienjahr 2008/2009 nahmen europaweit 198.523 Studenten an dem Programm teil.[3] Im Studienjahr 2009/2010 wurden bereits 213.000 Studenten gefördert, was einen Anstieg um 7,4 % gegenüber dem Vorjahr bedeutete.[4]

Zentrale Bestandteile sind die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland anhand des European Credit Transfer Systems (ECTS) und die finanzielle Unterstützung von Austauschstudenten. Es können Studienaufenthalte, Auslandspraktika im Rahmen des Studiums, Lehraufenthalte sowie Fortbildung von allgemeinem Hochschulpersonal gefördert werden. Das Erasmus-Programm steht allen Studenten offen, die an einer teilnehmenden Hochschule regulär studieren. Entsprechendes gilt für das Lehr- und Verwaltungspersonal. Voraussetzung ist allerdings, dass die entsendende und die aufnehmende Hochschule ein entsprechendes bilaterales Abkommen haben. Auch benötigen alle Hochschulen, die im Rahmen des Erasmus-Programms aktiv werden wollen, eine sog. Erasmus University Charter (Erasmus-Hochschulcharta).

Im Unterprogramm ERASMUS MUNDUS (2009-2013) wird u. a. die Entwicklung gemeinsamer Master- und Doktoratsprogramme durch mehrere Hochschulen gefördert.[5]

Die Erasmus-Programme werden mit anderen EU-Austauschprogrammen ab 2014 unter dem Namen Erasmus+ fortgeführt.

Finanzierung[Bearbeiten]

Das Gesamtbudget des Programms beträgt etwa jährlich 450 Millionen Euro aus dem Haushalt der EU, der wiederum durch die Beiträge der Mitgliedsländer finanziert wird. Die Programmmittel werden anteilig nach den jeweiligen nationalen Studentenzahlen über die Nationalen Agenturen den teilnehmenden Hochschulen auf deren Anträge zur Verfügung gestellt. Für Deutschland ist der DAAD, für Österreich der Österreichische Austauschdienst-Gesellschaft (ÖAD) und für die Schweiz die CH-Stiftung in Solothurn zuständig. Hochschulen und nationale Agenturen haben bei der Ausgestaltung der Finanzierung der Austausche und Maßnahmen einen geringen Gestaltungsspielraum. Für Deutschland betrug der normale Mobilitätszuschuss zuletzt etwa 200 Euro pro Person und Monat. Studenten mit besonderem Bedarf (etwa Behinderte) können dabei erheblich mehr bewilligt bekommen. Dieser Betrag hängt jedoch ab von der Anzahl der Erasmusstudenten in jedem Jahr. Die Hochschulen informieren auf Ihren Webseiten über die voraussichtliche Höhe und die Modalitäten (Raten) der Auszahlung. Am 9. Mai 2012 wurde mit Fraternité 2020 die erste Europäische Bürgerinitiative registriert. Diese hat zum Ziel 3 % des EU-Haushalts künftig für EU-Austauschprogramme wie Erasmus verfügbar zu machen (derzeit liegt der Anteil bei 1,2 %). Um erfolgreich zu sein, müssen 1 Million Unterschriften bis 1. November 2013 gesammelt werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Siegbert Wuttig: Die Entstehung des Programmnamens ERASMUS in EU-Sonderausgabe Euroletter des DAAD S. 9
  2. Tages-Anzeiger: EU: Schweiz nächstes Jahr bei Erasmus nicht dabei, abgerufen am 27. Februar 2014
  3. Erasmus-Statistiken der Europäischen Kommission, abgerufen am 11. Mai 2011, (WebCite)
  4. Ansturm auf Erasmus Europa vor Ort, 6. Juni 2011
  5. http://eacea.ec.europa.eu/erasmus_mundus/programme/who_participate_en.php Zugriff 9. Dezember 2012