Erasmus+

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Erasmus+ ist einer der Namen eines innerhalb des Konsultations- und Abstimmungsverfahrens der Europäischen Union beschlossenen Programms der Europäischen Kommission für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport.[1] Das Programm dauert von 2014 bis 2020 und vereinigt alle derzeitigen EU-Programme für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport auf europäischer und internationaler Ebene. Somit führt es das Studentenaustauschprogramm Erasmus, das Master- und Doktorandenprogramm Erasmus Mundus, Erasmus für Jungunternehmer, Comenius für Schulbildung, Leonardo da Vinci für Berufsbildung und Grundtvig für Erwachsenenbildung unter dem Namen Erasmus+ weiter. Die Europäische Kommission verspricht sich eine größere Effizienz, einfachere Antragsverfahren für Finanzhilfen und weniger Doppelarbeit und Zersplitterung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläuferprogramme waren das Sokrates-Programm I (1994–1999) und II (2000–2006) und das Programm Lebenslanges Lernen (2007–2013).

Nach Vorlage des Vorschlags am 23. November 2011 hat im Laufe des Jahres 2013 der Rat und das Europäische Parlament das Programm beschlossen.[2]

Programmbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schulbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Comenius-Programm

Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Schulen aller Schulstufen und Schulformen innerhalb der Europäischen Union sowie die Mobilität von Schülern und Lehrern zu fördern. Teilnehmen können alle, die am Bildungsprozess von der Vorschule bis zum Ende des Sekundarbereichs II mitwirken.

Hochschulbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Erasmus-Programm

Ziel ist es, die Zusammenarbeit von Hochschulen in Europa sowie die Mobilität von Studenten und Dozenten zu fördern. Zentrale Bestandteile sind die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland anhand des European Credit Transfer Systems (ECTS) und die finanzielle Unterstützung von Austauschstudenten. Es können Studienaufenthalte, Auslandspraktika im Rahmen des Studiums, Lehraufenthalte sowie Fortbildung von allgemeinem Hochschulpersonal gefördert werden.

Hochschulaktivitäten zwischen den Programmländern und Partnerländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktivitäten in diesem Bereich werden unter dem Begriff „Erasmus Mundus“ geführt.

Berufliche Aus- und Weiterbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Leonardo (EU)

Förderung der Aus- und Weiterbildung, insbesondere der grenzüberschreitenden beruflichen Bildung. Dabei werden die Projekte nicht von der EU selbst organisiert, sondern von Institutionen oder Organisationen in den einzelnen Ländern. In Deutschland ist der dafür zuständige Träger die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), in Österreich die Nationalagentur Lebenslanges Lernen.

Erwachsenenbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundtvig ist ein 2000 eingerichtetes Förderprogramm der Europäischen Union, heute im Rahmen des Programms für lebenslanges Lernen für den Bereich der Erwachsenenbildung. Das Förderprogramm Grundtvig wird in Deutschland von der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB) umgesetzt. Seit 2014 wird es zusammen mit anderen EU-Austauschprogrammen unter dem Namen Erasmus+ fortgeführt.

Jugend in Aktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Jugend in Aktion

Dieser Bereich befasst sich mit nicht-formalem und informellem Lernen im Bereich Jugend.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktivitäten im Bereich Sport.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gegensatz zum Vorschlag der Kommission sprach sich aber das Europäische Parlament mit viel Rückenwind insbesondere der Bereiche Jugend & Sport für den Programmnamen YESYouth-Education-Sport aus. Deutsche Interessenvertreter zeigten sich vor allem beim Thema Jugend besorgt. Diesem Bereich werde im Entwurf der Kommissarin zu „Erasmus für alle“ kein eigenes Kapitel mehr eingeräumt. Viele befürchten daher eine Benachteiligung für Projekte aus der Jugendarbeit im Vergleich zu Programmen aus dem Bereich der formellen Bildung.[3] Der Deutsche Bundesjugendring schloss sich mit seiner Kritik den deutschen Bundesländern an. Aus Sicht der Jugendverbände und Jugendringe sei das Kernproblem, dass im Entwurf des geplanten Programms die Jugendarbeit vollständig im Bildungsbereich verschwände. „Es ist grundlegend falsch, dass junge Menschen in Europa künftig ihre Persönlichkeit hauptsächlich in Schule, Ausbildung und Studium entwickeln können“, sagt Gunnar Czimczik, stellvertretender DBJR-Vorsitzender, „sie brauchen Freiräume, in denen sie sich selbstbestimmt engagieren und Erfahrungen sammeln können“. Diese notwendigen Räume würden im Vorschlag der EU-Kommission drastisch eingeschränkt. Das Programm „Erasmus für alle“ fokussiere stattdessen allein auf den Nutzen für Arbeit und Beschäftigung.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Europäische Kommission: Erasmus für alle – In Europas Bildung, Ausbildung und Jugend investieren
  2. Grünes Licht für Erasmus+: EU-Mittel für Qualifikationen und Beschäftigungsfähigkeit für mehr als 4 Millionen Personen, Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 19. November 2013, abgerufen am 27. Februar 2014.
  3. Netzwerk Europäische Bewegung: Einfacher, einheitlicher und flexibler – EU-Kommissarin Vassiliou stellt EU-Programme für Kultur, Bildung, Jugend und Sport vor
  4. Netzwerk Europäische Bewegung: DBJR:Jugendarbeit muss im EU-Programm „Erasmus für alle“ erkennbar bleiben