Erhard Reuwich

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Titelblatt des Reiseberichts von Bernhard von Breydenbach 1486
Darstellung der Grabeskirche in Jerusalem im Reisebericht von Bernhard von Breydenbach 1486
Darstellung des Heiligen Grabes im Reisebericht von Bernhard von Breydenbach 1486

Erhard Reuwich (auch Reeuwijk, Reeuwyck, Reeuwich, Rewich; * um 1450 in Utrecht; † vermutlich vor 1505 in Mainz) war ein niederländischer Graphiker, Maler und Zeichner, der im Umfeld des kurfürstlichen Hofes in Mainz in den 1480er Jahren nachweisbar ist. Er gilt als erster namentlich bekannter Buchillustrator.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reuwich wurde in Utrecht geboren und wirkte von 1475 bis vermutlich um 1500 in Mainz im Umkreis des Domkapitels und des erzbischöflichen Hofes.

Tracht der Sarazenen (1486)

1483/1484 begleitete er den Domherren Bernhard von Breidenbach auf dessen Pilgerfahrt ins Heilige Land. Seine Skizzen, die eine Karte von Venedig und Gesamtansichten von Korfu und Rhodos einschlossen, wurden in Holz geschnitten und dem mit den Drucktypen von Peter Schöffer im Februar 1486 in Mainz gedruckten Reisebericht Peregrinatio in terram sanctam, beigefügt. Das Buch hatte vor allem wegen Reuwichs Holzschnitten großen Erfolg und wurde auch in andere Sprachen übersetzt, als erstes ins Deutsche im Juni 1486. In der Martinus-Bibliothek werden diverse Exemplare dieser Reisebeschreibung aufbewahrt.

Reuwichs Holzschnitte beeinflussten unter anderem die Ausstattung der Schedel'schen Weltchronik und den Gart der Gesundheit, wobei letzterer vielleicht von ihm selbst illustriert wurde.

Forschungsprobleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2006 hat Frederike Timm die These aufgestellt und begründet, dass der Großteil von Reuwichs Bildern aus dem Mittelmeer und dem Heiligen Land nicht auf eigenhändige Aufnahmen vor Ort zurückgehen, sondern dass die Städteporträts in Wirklichkeit auf Vorlagen aus der venezianischen Werkstatt der Bellinis, besonders Giovanni Bellinis zurückgehen.

Die Autorin schreibt Reuwich aus historischen Gründen wiederum den sog. Mainzer Marienaltar (um 1500) zu, der allgemein als Werk eines Meisters des Speyerer Altars angesprochen wird. Dieser Werkkomplex steht in enger stilistischer Beziehung zum sogenannten Meister des Hausbuches.

Die von mehreren Kunsthistorikern verstärkt seit 1935 vertretene These, dass der Meister des Hausbuches vielleicht mit Erhard Reuwich zu identifizieren sei, hat sich bis heute nicht durchsetzen können.[1] In der Regel wurde der deutlich andere Stil und die beim Hausbuchmeister nicht so zu beobachtende Beherrschung der Perspektive in den Städteansichten von Reuwichs Hauptwerk der „Peregrinatio in terram sanctam“ als Hauptgrund für eine unterschiedliche Urheberschaft angeführt. Dieses Argument wurde allerdings nun von Frederike Timm 2006 entkräftet. Gerade die Städteansichten können also nur noch begrenzt für Zuschreibungs- oder Abschreibungsfragen in Anspruch genommen werden.

Ausgaben der Peregrinatio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard von Breydenbach:Peregrinatio in terram sanctam, erste deutsche Ausgabe von Peter Schöffer, Mainz 1486. 159 Blätter, zahlreiche Illust. und Faltpanoramen von Erhard Reuwich. Einer der bedeutendsten Reiseberichte des ausgehenden Mittelalters erstmals und vollständig als Faksimile erhältlich, mit einem wissenschaftlichen Kommentar von Andreas Klußmann. Fines Mundi Verlag Saarbrücken, 2008.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frederike Timm: Der Palästina-Pilgerbericht des Bernhard von Breidenbach und die Holzschnitte Erhard Reuwichs. Die Peregrinatio in terram sanctam (1486) als Propagandainstrument im Mantel der gelehrten Pilgerschrift. Stuttgart 2006.
  • Stephan Hoppe; Sebastian Fitzner: Das frühe Studium der Architektur Jerusalems. Zu zwei unbeachteten Zeichnungen im Zusammenhang mit Erhard Reuwichs Reise ins Heilige Land (1483/84). In: Hubach, Hanns; Orelli-Messerli, Barbara von; Tassini, Tadej (Hrsg.): Reibungspunkte. Ordnung und Umbruch in Architektur und Kunst. Festschrift für Hubertus Günther. Petersberg 2008, S. 103–114. Volltext auf ART-Dok (Anmerkung von Stephan Hoppe 2017: Die Datierung der besprochenen Zeichnungen ist wahrscheinlich zu früh angesetzt).
  • Walter Paatz: Das Aufkommen des Astwerkbaldachins in der deutschen spätgotischen Skulptur und Erhard Reuwichs Titelholzschnitt in Breidenbachs "Peregrinationes in terram sanctam". In: Joost, Siegfried (Hrsg.): Bibliotheca docet. Festgabe für Carl Wehmer. Amsterdam 1963, S. 355–368.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Jane Campbell Hutchison: »Ex ungue Leonem«. Die Geschichte der Hausbuchmeister-Frage. In: J. P. Filedt Kok (Hg.): Vom Leben im späten Mittelalter. Der Hausbuchmeister oder Meister des Amsterdamer Kabinetts. Amsterdam; Frankfurt/Main 1985, S. 11–29. K. G. Boon: Der Meister des Amsterdamer Kabinetts oder der Meister des Hausbuchs und sein Verhältnis zur Kunst der burgundischen Niederlande. In: J. P. Filedt Kok (Hg.): Vom Leben im späten Mittelalter. Der Hausbuchmeister oder Meister des Amsterdamer Kabinetts. Amsterdam; Frankfurt/Main 1985, S. 53–61.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erhard Reuwich – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien