Erniedrigte und Beleidigte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Erniedrigte und Beleidigte (Originaltitel: rus.: Униженные и оскорблённые, Unischennyje i oskorbljonnyje) war der erste Roman, den der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski nach seiner achtjährigen Verbannung nach Sibirien 1861 in der St. Petersburger Monatsschrift Wremja veröffentlichte. Der Roman handelt von den vergeblichen Liebesbeziehungen in einer gesellschaftlichen Hierarchie, die von differenzierten sozialen Interessen bestimmt ist.

Die Großstadtmisere von Sankt Petersburg ist Schauplatz der Handlung. Der Roman schildert die fiktive Geschichte des Schriftstellers Iwan Petrowitsch, der mit seinem Debüt großen Erfolg hatte, nun aber, vom Leben enttäuscht, erniedrigt und beleidigt, im Krankenhaus die Liebeserfahrungen seines letzten Lebensjahres erzählt, gelegentlich banal und ganz und gar sentimental, dennoch stilistisch exzellent.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An einem kalten Petersburger Wintertag beobachtet Iwan Petrowitsch, ein junger Autor auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung, einen heruntergekommenen alten Herren, der mit seinem ebenso elendigen Hund eine Konditorei aufsucht. Er folgt den beiden und ist, nach einer kurzen Episode im Innern der Konditorei, allein mit dem Alten, als dieser verstirbt und ihm seine letzten Worte anvertraut - eine Petersburger Adresse.

Iwan Petrowitsch, genannt Wanja, wuchs als Adoptivsohn der Ichmenews glücklich neben ihrer Tochter Natascha auf, in die er sich als junger Erwachsener selbstlos verliebt. Nachdem sich der Fürst Pjotr Alexandrowitsch Walkowski und der Familienvater der Ichmenews - welcher zunächst Gutsverwalter des scheinbar großzügigen und freundlichen Fürsten war, kurzzeitig sogar das fürstliche Kind, den naiv-unbedarften, aber immer ehrlich bewegten Aljoscha zur ländlichen Erziehung bei sich aufgenommen hatte - in einem umfangreichen Rechtsstreit auseinandersetzen, ziehen die Ichmenews nach Petersburg. Der Fürst, ein skrupelloser, rachsüchtiger und hinterlistig-falscher Aristokrat, trachtet danach, die Existenz seines Gutsverwalters zu ruinieren und die Familie Ichmenew mittels des von ihm angestrengten Rechtsstreits zu vernichten.

Inzwischen hat Wanja, der schon länger in Petersburg wohnt, einen durchschlagenden Erfolg mit seinem ersten Roman vorzuweisen.

Der Fürst verfolgt energisch das Ziel, seinen Erben Aljoscha mit Katerina Fjodorowna (genannt Katja), erste Tochter einer reichen Familie, zu verheiraten, um das Fortkommen der Walkowskis in den Petersburger Adelskreisen durch das reiche Vermögen der Braut zu garantieren. Natascha und Aljoscha haben sich zwischenzeitlich allerdings unendlich ineinander verliebt und bewohnen - entgegen dem Willen ihrer Eltern - zusammen sogar eine eigene Wohnung. Wanja, der seine Liebe für Natascha in einer gänzlich aufopfernden Weise empfindet, steht ihr als treuer Freund ungeachtet ihrer Beziehung zu Aljoscha zur Verfügung und vermittelt voller Fingerspitzengefühl zwischen der Ausreißerin und der Mutter Ichmenew. Auch in der komplizierten Liebesbeziehung mit dem verschwenderischen und willensschwachen Aljoscha vermittelt er ohne ein Wort der Eifersucht. Eine dreizehnjährige Vollwaisen - die sich als die Enkelin des uralten und kranken Mannes, der zu Anfang des Romans vor den Augen Wanjas verstarb, entpuppt und deren Wohnort an der im Sterben gesprochenen Adresse liegt - rettet er aus der Kinderprostitution und umsorgt sie, bis er sie zur Familie des Gutsverwalters Ichmenew gibt. Der leiblicher Vater des Mädchens ist der gutsherrliche Fürst Walkowski – was dieser zu verheimlichen sucht. Nelly stirbt todkrank an „Nervenfieber“. Natascha verlässt Aljoscha, der nach dem Willen des Vaters die reiche Katja zur Gattin wählt, und schließlich nehmen Wanja und Natascha für immer Abschied voneinander.

Bühnenadaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Und je tugendhafter eine Handlung ist, um so mehr Egoismus steckt dahinter.“

Fürst Pjotr Alexandrowitsch Walkowski

„Diese Erneuerung des Schmerzes und der dadurch erzielte Genuß waren mir verständlich: diesen Genuß bereiten sich viele Erniedrigte und Beleidigte, die vom Schicksal niedergetreten sind und sich der Ungerechtigkeit desselben bewußt sind.“

Erzähler Iwan Petrowitsch

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]