Ernst Dieter Gilles

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Ernst Dieter Gilles (* 16. Mai 1935 in Sankt Goarshausen; † 12. Juni 2019[1]) war ein deutscher Professor für Regelungstechnik.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Dieter Gilles studierte bis 1960 Elektrotechnik an der TH Darmstadt, promovierte dort im Jahr 1963 und erwarb 1966 seine Habilitation im Fach Regelungstechnik.

Von 1968 bis 2005 war er an der Universität Stuttgart Professor und Institutsdirektor am Institut für Systemdynamik und Regelungstechnik. Im Oktober 1997 wurde er Gründungsdirektor des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg[2] und zwei Jahre darauf Honorarprofessor an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Hier initiierte er mehrere interdisziplinäre Studiengänge wie Systemtechnik und Technische Kybernetik sowie Biosystemtechnik.

Seine Forschungsschwerpunkte waren Regelungstechnik, Systembiologie, Modellbildung, Systemdynamik und Netzwerktheorie verfahrenstechnischer und biologischer Prozesse. Er erhielt vier Ehrendoktorwürden, darunter die der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg 2005. Gilles war Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech)[3], der Berlin-Brandenburgischen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften[4][5] sowie der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft.

2006 stellte er nach zwanzigjähriger Entwicklungszeit ein integriertes Navigationssystem für die Binnenschifffahrt fertig.[6] Hierbei stützte er sich in den letzten Jahren zunehmend auf eine Wissenschaftskooperation mit Ulrich Korn, die sowohl theoretische Arbeiten als auch Fahrten mit dem Versuchsschiff umfasste.

Seit 2020 vergibt das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme das "Ernst-Dieter-Gilles"-Stipendium für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach der Promotion.[7]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das dynamische Verhalten und die Regelung chemischer Rohrreaktoren. 1963.
  • Systeme mit verteilten Parametern : Einführung in die Regelungstheorie. Oldenbourg, 1973.
  • Struktur und Dynamik soziologischer Systeme. Oldenbourg, 1974.
  • mit Götz Lauschke: Untersuchung wandernder Reaktionszonen in einem Kreislaufreaktor zur katalytischen Nachverbrennung von Abgasen mit niedriger Schadstoffkonzentration. 1994.
  • Entwurf nichtlinearer H-optimaler Regler zur verfahrenstechnischen Prozeßführung. 1997.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachruf Prof. Ernst Dieter Gilles (1935-2019)
  2. Peter Neumann (Hrsg.): Magdeburger Automatisierungstechnik im Wandel – Vom Industrie- zum Forschungsstandort. Autoren: Christian Diedrich, Rolf Höltge, Ulrich Jumar, Achim Kienle, Reinhold Krampitz, Günter Müller, Peter Neumann, Konrad Pusch, Helga Rokosch, Barbara Schmidt, Ulrich Schmucker, Gerhard Unger, Günter Wolf. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg; Institut für Automation und Kommunikation Magdeburg (ifak), Magdeburg 2018, Herstellung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe (Saale), ISBN 978-3-944722-75-7.
  3. acatech Mitgliederliste (Memento vom 12. August 2009 im Internet Archive) vom 2. August 2009
  4. Mitglieder der BAW: Ernst Dieter Gilles. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 6. Juli 2016.
  5. Mitglieder der HAdW seit ihrer Gründung 1909. Ernst Dieter Gilles. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 6. Juli 2016.
  6. Rechner am Ruder (Memento vom 24. August 2007 im Internet Archive)
  7. siehe Max-Planck-Institut Magdeburg lobt erstmals Ernst-Dieter-Gilles-Stipendium aus, Meldung des MPI Magdeburg, Februar 2020 abgerufen 3. Juni 2020