Ernst Johannsen

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Ernst Johannsen (* 28. Mai 1898 in Altona, später Hamburg; † 1. November 1977 in Hamburg) war ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannsen wuchs in Hamburg, zusammen mit zwei Schwestern, als Sohn eines Segelmachers der Kaiserlichen Marine auf. Aus den Erzählungen des Vaters gewann er detaillierte Kenntnisse über die Seefahrt, die in einige der in den dreißiger Jahren entstandenen Werke einflossen. Nach dem Besuch der Volksschule machte er eine Lehre als Elektriker. 1916 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und kam Anfang 1917 nach Verdun, wo er bei den Funkern Dienst tat. 1919 kehrte er zurück nach Hamburg und arbeitete in seinem erlernten Beruf auf einer Schiffswerft. Anschließend arbeitete er in Würzburg als Obermonteur und begann nebenbei zu schreiben. Anlässlich des Todes einer seiner Schwestern kehrte er 1928 nach Hamburg zurück und widmete sich nun ausschließlich dem Schreiben. Mit dem Frontroman Vier von der Infanterie und dem Hörspiel Brigadevermittlung, in dem er seine Erfahrungen als Fernmelder verarbeitete, entstanden in dieser Zeit seine erfolgreichsten Werke.

In den dreißiger Jahren schrieb Johannsen weitere Prosawerke und Hörspiele, aber seine materielle Lage wurde zunehmend schwierig. 1938 mussten seine jüdische Lebensgefährtin und der gemeinsame Sohn nach England emigrieren. 1939 folgte Johannsen nach, heiratete und blieb bis 1957 in London. Die anfängliche Zusammenarbeit mit der BBC endete 1941 nach persönlichen und künstlerischen Differenzen. Von 1942 bis 1957 arbeitete er als Elektriker bei der Firma „Victory Engineers Limited“. 1957 kehrte er mit seiner Frau und zweien seiner drei Kinder nach Hamburg zurück, pflegte Kontakte mit Hans Henny Jahnn, hatte aber schriftstellerisch keinen Erfolg mehr und starb vereinsamt und verbittert 1977.[1]

Das Fronterlebnis des Ersten Weltkriegs prägte in hohem Maß Johannsens Denken und Schreiben. Mit dem Roman Vier von der Infanterie. Ihre letzten Tage an der Westfront 1918 schrieb er sein bedeutendstes Prosawerk. In ausgedehnten Gesprächen stellen vier Infanteristen, die am Ende alle umkommen, den Sinn des Krieges in Frage. Drastisch wird dessen Zerstörungskraft in dem Kapitel Inferno geschildert. Als positiver Wert bleibt allein die Frontkameradschaft. Der im kleinen Fackelreiter-Verlag publizierte Roman erreichte schnell eine Auflage von 20.000 Exemplaren, wurde in mehrere Sprachen übersetzt, stand aber im Schatten von Remarques Im Westen nichts Neues. Nach Motiven des Romans drehte Georg Wilhelm Pabst seinen bekannten Anti-Kriegsfilm Westfront 1918.

Das Hörspiel Brigadevermittlung machte Johannsen zu einem der erfolgreichsten Hörspielautoren der Weimarer Republik und brachte ihm internationalen Ruhm ein. Es wurde am 17. Oktober 1929 im Münchner Rundfunk uraufgeführt und in über 50 Inszenierungen in elf Ländern gesendet. Johannsen stellt darin die Bedeutung des Telefons für die Kriegsführung dar und nutzt es zugleich, in seiner Eigenschaft als Medium für Stimmen, für die Kunstform Hörspiel. Weitere Hörspiele Johannsens wurden zwar gesendet, erreichten aber den Erfolg von Brigadevermittlung nicht.

Von seinen Prosawerken fanden noch Beachtung die Erzählung Fronterinnerungen eines Pferdes (1929), in der der Krieg aus der Sicht eines der Millionen im Krieg getöteten Pferde geschildert wird, sowie die Erzählung Die Kreuz-Apotheke (1932), in der die ungerechten Zustände im deutschen Gesundheitswesen angeprangert werden.

Romane, Erzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vier von der Infanterie. Ihre letzten Tage an der Westfront 1918 Fackelreiter-Verlag, Hamburg-Bergedorf 1929. Neuausgabe: MEDIA Net Edition, Kassel 2014, ISBN 978-3-939988-23-6.
  • Fronterinnerungen eines Pferdes. Fackelreiter-Verlag, Hamburg-Bergedorf 1929.
  • Station 3. Ein Kommandeur, sechs Mann und vier Maschinen. Wegweiser-Verlag, Berlin 1931.
  • Die Kreuz-Apotheke. In: Wieland Herzfelde (Hg.): Dreißig Neue Erzähler des Neuen Deutschland. Junge Deutsche Prosa. Berlin 1932, S. 11-30. Neuausgabe: Günter Heintz: Texte der proletarisch-revolutionären Literatur Deutschlands 1919–1933, Reclam-Verlag, Stuttgart 1974, S. 128-134. ISBN 3-15-009707-X.
  • Sechs auf einer Insel. Hesse & Becker-Verlag, Leipzig 1934.
  • Sturm über Santa Rock. Hesse & Becker-Verlag, Leipzig 1937.

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigadevermittlung. 1929.
  • Der Komet. 1929.
  • Wunder ohnegleichen. 1939.
  • Die Drehorgeln. 1949.
  • Antonio will nicht gerettet werden. 1966.
  • Tod im Warenhaus. 1970.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Melanie Fohrmann: Aus dem Lautsprecher brüllte der Krieg. Ernst Johannsens Hörspiel „Brigadevermittlung“. Aisthesis, Bielefeld 2005, ISBN 3-89528-451-3 (Dissertation Universität Bielefeld 2003, 441 Seiten).
  • Brian Murdoch: Tierische Menschen und menschliche Tiere. Ernst Johannsen: „Vier von der Infanterie“ und „Fronterinnerungen eines Pferdes“. In: Thomas F. Schneider, Hans Wagener (Hrsg.): Von Richthofen bis Remarque: Deutschsprachige Prosa zum I. Weltkrieg, Rodopi, Amsterdam / New York, NY 2003, S. 249–257, ISBN 90-420-0955-1.
  • Lässig beginnt der Tod, Mensch und Tier zu ernten. Überlegungen zu Ernst Johannsens Roman „Vier von der Infanterie“ und G. W. Pabsts Film „Westfront 1918“. In: Ernst Johannsen: Vier von der Infanterie: ihre letzten Tage an der Westfront 1918, herausgegeben von Reinhold Keiner und Andre Kagelmann (= Filme zum Lesen Nr. 2), Media Net-Edition, Kassel 2014, S. 80–113, ISBN 978-3-939988-23-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fohrmann 2005, S. 331–389.