Es wird scho glei dumpa

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Noten aus Kripplgsangl und Kripplspiel von 1884

Es wird scho glei dumpa ist der Titel eines österreichischen Weihnachtslieds. Der Text wurde von dem oberösterreichischen Geistlichen Anton Reidinger verfasst[1][2] und 1884 veröffentlicht.[3] Reidinger dichtete den Text möglicherweise schon um 1865 in Bad Ischl, als er sich mit dem Ischler Krippenspiel von 1654 beschäftigte.[4]

Die Melodie basiert[5] auf dem Marienlied Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn (GL 521). Sie ist erstmals im Paderborner Gesangbuch von 1765 überliefert, dort allerdings auf den Liedtext Mein Herz sei zufrieden.[6] Die Geschichte der Melodie reicht aber noch weiter zurück. Die erste Zeile der Melodie findet sich 1697 im Mainzer Gesangbuch bei dem Lied O Jungfrau Maria.[7][8] Der Krenglbacher Heimatforscher Alfred Herrmüller wies 2012 darauf hin, dass Reidingers Beitrag zu der Melodie über eine reine Bearbeitung hinausgeht, da er die Melodie veränderte, die Schlusszeile „Heia, heia, schlaf siaß, herzliabes Kind“ ergänzte und eine zweite Stimme hinzufügte.[9][10][11][12][4]

Veröffentlicht wurde das Lied auch mit einem vierstimmigen Satz mit Begleitung von Flöte, Klarinetten, Geigen, Cello und Bass 1913 von Franz Friedrich Kohl und Josef Reiter in der Neuausgabe der Sammlung Echte Tiroler Lieder (Bd. 1, Leipzig 1913, S. 24). Kohl vermerkte dazu, dass er das Lied, das Vorspiel und die Instrumentalbegleitung von dem alten Sternsinger Eduard Strobl († 1914) aus Hopfgarten übernommen habe.[13] Viktor Zack wiederum übernahm das Lied von Kohl und veröffentlichte es in der Sammlung Alte Krippen- und Hirtenlieder (Graz 1918, S. 16).[14]

Liedtext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reidinger 1884

Krippllied

Es wird schon gleih dumper, es wird ja schon Nacht.
Drum kim i zá Dir he, mein Heiland áf d Wacht;
will singer á Liedl mein Liebling den klain’.
Du magst ja nöt schlafen, i hör Di nu wain’.
Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du schöns Kind!

Vogieß ietzt, o Kinnerl! Dein Kummá, Dein Laid,
dáß D dadá mueßt leidn schon in Stall áf dá Haid.
Es ziern ja dö Engerl Dein Liegerstatt aus;
möcht schöná nöt sein – drin ön Kinig sein’ Haus.
Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du liebs Kind!

Ja, Kinnerl! Du lást halt ön Kripperl so schön!
Mi ziemt, i kan niemá da wögg vo Dir gehn.
I wünsch Dá vo Herzen dö süeßestö Rueh!
Dö Engerl von Himmel sö döckán Di zue!
Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du guets Kind!

Schließ zue Deinö Aeugerl ön Rueh und ön Fried,
und gib má zán Abschied Dein’ Sögn ná grad mit.
Aft wird á mein Schláferl a soringlos sein;
aft kan i mi ruehlö áf s Niedálögn gfreun!
Hei, hei! hei, hei! Schlaf süeß, Du schöns Kind![3]

Mundarttext

Es wird scho glei dumpa

Es wird scho glei dumpa, es wird ja scho Nacht,
drum kimm i zu dir her, mein Heiland, auf d’Wacht.
Will singa a Liadl dem Liabling, dem kloan,
du magst ja net schlafn, i hör’ di nur woan.
Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, herzliabs Kind!

Vergiß jetzt, o Kinderl, dein Kumma, dei Load,
dass du da muasst leid’n im Stall auf da Hoad.
Es ziern ja die Engerl dei Liegestatt aus,
möcht schöner net sein drin an König sein Haus.
Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, du liabs Kind!

Ja Kinderl, du bist halt im Kripperl so schön,
mi ziemt, i kann nimmer da weg von dir gehn.
I wünsch dir von Herzen die süaßeste Ruah,
die Engerl vom Himmel, die decken di zua.
Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, du schöns Kind!

Schließ zu deine Äugerl in Ruah und in Fried
und gib ma zum Abschied dein Segn nur grad mit.
Aft wird a mein Schlaferl a sorgenlos sein,
aft kann i mi ruahli aufs Niederleg’n freu’n.
Hei hei, hei hei! Schlaf süaß, mein liabs Kind![15]

Hochdeutscher Text

Es wird schon gleich dunkel

Es wird schon gleich dunkel, es wird ja schon Nacht,
Drum komm’ ich zu dir her, mein Heiland auf d’Wacht.
Wir singen ein Liedlein dem Kindlein, dem kleinen.
Du magst ja nicht schlafen, ich hör’ dich nur weinen.
Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, herzlieb’s Kind.

Vergiss jetzt, o Kindlein, dein’ Kummer, dein Leid,
Dass du da musst leiden im Stall auf der Heid’.
Es zier’n ja die Engel dein Krippelein aus,
Möcht’ schöner nicht sein in dem vornehmsten Haus.
Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, herzlieb’s Kind.

O Kindlein, du liegst dort im Kripplein so schön;
Mir scheint, ich kann niemals von dir dort weggehn.
Ich wünsch’ dir von Herzen die süßeste Ruh’;
Die Engel vom Himmel, die decken dich zu.
Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, du schön’s Kind.

Schließ zu deine Äuglein in Ruh’ und in Fried’
Und gib mir zum Abschied dein’ Segen nur mit.
Dann wird auch mein Schlafen ganz sorgenlos sein,
Dann kann ich mich ruhig aufs Niederleg’n freun.
Ei, ei, ei, ei, schlaf süß, herzlieb’s Kind.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melodie
 Commons: Es wird scho glei dumpa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hannes Fehringer: „Es wird scho glei dumpa“: Original-Handschrift entdeckt, OÖNachrichten, 10. Dezember 2016, abgerufen am 6. Februar 2018
  2. Gerlinde Jahn: Es wird scho glei dumpa. Weihnachtslied aus Oberösterreich. In: Kulturbericht Oberösterreich. Monatsschrift der Oö. Kultur 66, 2012, F. 10, ZDB-ID 2226282-9, S. 9.
  3. a b Anton Reidinger: Krippllied. In: Sigmund Fellöcker (Hrsg.): Kripplgsangl und Kripplspiel in der oberösterreichischen Volksmundart. Band 5. Haslinger, Linz 1884, S. 1 f. (Digitalisat in der Google-Buchsuche-USA).
  4. a b Klaus Buttinger: Es wird heller um das Werk Reidingers, OÖNachrichten, 22. Dezember 2012, abgerufen am 23. Dezember 2012
  5. Vgl. Theo Mang, Sunhilt Mang (Hrsg.): Der Liederquell. Noetzel, Wilhelmshaven 2007, ISBN 978-3-7959-0850-8, S. 989–990.
  6. Hermann Kurzke, Christiane Schäfer: Mythos Maria: Berühmte Marienlieder und ihre Geschichte. C.H.Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66956-9, S. 167–193, hier S. 184 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Theo Mang, Sunhilt Mang (Hrsg.): Der Liederquell. Noetzel, Wilhelmshaven 2007, ISBN 978-3-7959-0850-8, S. 1112–1113.
  8. Wilhelm Bäumker: Das katholische deutsche Kirchenlied in seinen Singweisen. Band 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1891, S. 219 f. (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3D~GB%3D~IA%3Ddaskatholisched08gotzgoog~MDZ%3D%0A~SZ%3Dn240~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  9. Alfred Herrmüller: „Es wird scho glei dumpa“: ein oberösterreichisches Lied von Anton Reidinger genannt „Der Sänger der Weihnacht“ 1839–1912. Verein „Initiative für Krenglbach“, Krenglbach 2012, DNB 1064774113.
  10. Ronald Baireder: Auf den Spuren Anton Reidingers: „Es wird scho glei dumpa“ ist oberösterreichisch, tips.at, 4. Dezember 2012, abgerufen am 23. Dezember 2012
  11. Christine Grüll: „Du dichtender Dechant“, kirchenzeitung.at, 4. Dezember 2012, abgerufen am 23. Dezember 2012
  12. „Es wird scho glei dumpa“ stammt aus Krenglbach! Bezirksrundschau - Krenglbach, 21. November 2011, abgerufen am 3. Dezember 2012
  13. Thomas Nußbaumer: Anklöpfeln im Brixental und Raum Kitzbühel. In: Thomas Nußbaumer, Josef Sulz (Hrsg.): Musik im Brauch der Alpenländer: Bausteine für eine musikalische Brauchforschung (= Innsbrucker Hochschulschriften: Musikalische Volkskunde. Band 3). Müller-Speiser, Anif 2001, ISBN 3-85145-056-6, S. 79–100, hier S. 83 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  14. Es wird scho glei dumpa auf der Homepage des Landes Steiermark, abgerufen am 13. Oktober 2010
  15. Franz Biebl (Hrsg.): Komm, wir gehn nach Bethlehem. Preissler, München 1979, S. 130. Zitiert nach: Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 10 Auflage. Atlantis, Zürich 2003, ISBN 3-254-08213-3, S. 96 f.
  16. Willi Drahts (Hrsg.): Fröhliche Weihnacht überall. Schott, Mainz 1964, S. 36. Zitiert nach: Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder. 10 Auflage. Atlantis, Zürich 2003, ISBN 3-254-08213-3, S. 96 f.