Evidentialität

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Evidentialität bezeichnet man in der Sprachwissenschaft die in einer Äußerung mit grammatischen Mitteln zum Ausdruck gebrachte Angabe, woher der Sprecher das Wissen über die in seiner Äußerung enthaltene Information hat.

Etwa ein Viertel aller Sprachen weltweit markiert Evidentialität. Im Quechua ist beispielsweise die Markierung der Evidentialität obligatorisch. Das heißt, der Sprecher muss im Quechua bei jeder Aussage mit Hilfe von Suffixen angeben, ob er selbst Quelle des Wissens ist (direkte Evidenz, ausgedrückt mit -m/-mi) oder ob er die Information von anderen gehört hat (indirekte Evidenz, ausgedrückt mit -sh/-shi bzw., im südlichen Quechua, -s/-si). Darüber hinaus gibt es noch das Suffix -ch/-cha, mit dem Zweifel ausgedrückt wird („vielleicht“, „wahrscheinlich“).

Ein häufiges Missverständnis ist die Beziehung zwischen Evidentialität und Wahrheit. Evidentialität schränkt nicht den Wahrheitsgehalt der Aussage ein, und der Sprecher benutzt eine indirekte Evidentialmarkierung nicht, um sich von der Aussage inhaltlich zu distanzieren, sondern es geht nur um die Quelle der Information. Wenn hingegen ein Sprecher bei einer Aussage eine falsche Evidentialmarkierung verwendet, würden seine Mitmenschen ihn vermutlich der Lüge bezichtigen, bspw. weil er dann fälschlicherweise so tut, als sei er dabei gewesen (oder nicht dabei gewesen).

Es gibt verschiedene Evidentialsysteme mit unterschiedlich vielen Unterteilungen für Evidentialität. Möglich sind bspw. folgende Informationsquellen: gesehen, gehört, erzählt bekommen, Schlussfolgerung etc.

Literatur[Bearbeiten]

  • Aikhenvald, Alexandra Y. (2004). Evidentiality. Oxford: Oxford University Press. ISBN 0-19-920433-0.
  • Chafe, Wallace L.; & Nichols, Johanna. (Eds.). (1986). Evidentiality: The linguistic encoding of epistemology. Norwood, NJ: Ablex.
  • Comrie, Bernard. (2000). Evidentials: Semantics and history. In L. Johanson & B. Utas (Eds.).
  • DeLancey, Scott. (2001). The mirative and evidentiality. Journal of Pragmatics, 33, 369-382.
  • Guentchéva, Zlatka (Ed.). (1996b). L’Énonciation médiatisée. Bibliothèque de l’information grammaticale. Louvain: Éditions Peeters. ISBN 90-6831-861-6; ISBN 2-87723-244-1.
  • Johanson, Lars; & Utas, Bo (Eds.). (2000). Evidentials: Turkic, Iranian and neighboring languages. Berlin: Mouton de Gruyter. ISBN 3-11-016158-3.
  • Palmer, F. R. (1986). Mood and modality. Cambridge: Cambridge University Press. ISBN 0-521-26516-9, ISBN 0-521-31930-7. (2nd ed. published 2001).
  • Willet, Thomas L. (1988). A cross-linguistic survey of the grammaticalization of evidentiality. Studies in Language, 12, 51-97.

Weblinks[Bearbeiten]