Fährverbindung Mukran–Klaipėda

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Mukran–Klaipėda
Strecke – geradeaus
Bahnhof ohne Personenverkehr
Klaipėda Draugystė
Fährverbindung
Grenze
Litauen–Deutschland
Bahnhof ohne Personenverkehr
Fährhafen Sassnitz (bis 1998 Fährhafen Mukran)
Strecke – geradeaus
nach Stralsund
Fährverbindung Mukran–Klaipėda (Ostsee)
Mukran
Mukran
Klaipėda
Klaipėda
Lage der Häfen Mukran und Klaipėda

Die Fährverbindung Mukran–Klaipėda ist eine Fährlinie über die Ostsee zwischen dem Sassnitzer Ortsteil Mukran in Deutschland und Klaipėda (deutsch Memel) in Litauen. Nach der Verlegung des Sassnitzer Fährhafens nach Mukran wird sie auch als Fährverbindung Sassnitz–Klaipėda bezeichnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarke der DDR, 1986
Briefmarke der UdSSR, 1986

Seit den 1950er Jahren war die Sowjetunion der wichtigste Handelspartner der DDR. Die Eisenbahn- und Seeverkehrsverbindungen hatten Ende der 1970er Jahre ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. In der Volksrepublik Polen kam es wiederholt zu politischen Unruhen, die schließlich zur Verhängung des Ausnahmezustandes führten. Daher wurde der Landweg über Polen sowohl strategisch als auch, wegen der geforderten hohen Transitgebühren,[1] ökonomisch als ungünstig angesehen. Am 18. Juni 1982 beschloss deshalb die Paritätische Regierungskommission der UdSSR und der DDR die Errichtung einer Eisenbahngüterfährlinie zwischen den beiden Staaten. Nach dem für 1990 geplanten Endausbau sollten jährlich mehr als fünf Millionen Tonnen Güter transportiert werden, was einer täglichen Menge von mindestens 14.500 Tonnen entsprochen hätte. Ziel war es, 20 bis 30 Prozent des Güterverkehrs zwischen beiden Staaten auf diesem Weg abzuwickeln. Die Verbindung war als reine Eisenbahngüterfähre geplant, der Transport von Reisezugwagen, Straßenfahrzeugen oder Passagieren war damals nicht vorgesehen.

Bereits im Spätsommer 1982 begannen auf der Insel Rügen die Arbeiten auf der sogenannten „Großbaustelle der deutsch-sowjetischen Freundschaft“ zum Bau eines Fährhafens. Die DDR errichtete dazu einen Rangier- und Umspurbahnhof, in dem die Drehgestelle der Wagen von Normalspur auf Breitspur und umgekehrt gewechselt wurden oder die Umladung der Fracht erfolgte. Da die DDR das Umspuren übernahm, konnten die Güterwagen in Klaipėda ohne Verzögerung vom Schiff ins Streckennetz der Sowjetischen Staatsbahn fahren. Außerdem konnten durch die größeren Fahrzeuge mehr Güter pro Fährfahrt trajektiert werden. Die Datenverarbeitungszentren der Fährbahnhöfe in Mukran und Klaipėda waren miteinander verbunden. So konnte man die Umachsung und Umladung in Mukran rechtzeitig disponieren und die Staupläne der Fährschiffe erstellen.

In jedem Fährhafen wurden zwei Doppelstockladebrücken gebaut, um zwei Fährschiffe gleichzeitig zu be- und entladen. Die Dauer des Be- und Entladevorgangs und damit des gesamten Aufenthalts im Hafen sollte vier Stunden pro Schiff betragen. Bis zu 1250 Waggons sollten nach vollständiger Inbetriebnahme pro Tag abgefertigt werden. Die DDR übernahm den Bau der sechs geplanten Fährschiffe des Typs EFG-321, die auf der Mathias-Thesen-Werft in Wismar gefertigt wurden. Drei der Fähren sollten vom VEB Deutfracht/Seereederei Rostock (DSR), die anderen drei von der Litauischen Staatsreederei Klaipėda (LSC) bereedert werden. Am 27. August 1986 wurde mit der Mukran das erste Fährschiff in Dienst gestellt und am 2. Oktober 1986 der Liniendienst aufgenommen. 1987 folgten die Klaipeda und die Vilnius, 1988 die Greifswald und 1989 die Kaunas. Nach der Wende wurde 1990 die Bestellung der Wismar storniert,[2] nachdem man zeitweise sogar überlegt hatte, eine siebente Fähre mit dem Namen Deutsch-Sowjetische Freundschaft zu bauen, die gemeinsam von DSR und LSC bereedert werden sollte.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion sowie der veränderten ökonomischen und politischen Situation in Osteuropa sank auch die Bedeutung der Fährlinie. Statt der geplanten 112.500 Güterwaggons wurden bis 2005 nur jährlich etwa 7000 Waggons umgeschlagen.[3] Der Rückgang des Schienenverkehrs zwang die Betreiber bereits in den 1990er Jahren, die Schiffe auch für die Fahrzeug- und Personenbeförderung umrüsten zu lassen. Die Fährschiffe wurden verkauft, ausgechartert, umbenannt oder auf anderen Linien eingesetzt. Zuletzt waren die Fähren Vilnius Seaways (früher Vilnius) und Kaunas Seaways (früher Kaunas) der Reederei DFDS Seaways auf dieser Route im Einsatz. Ab dem 1. Juli 2010 wurde die Strecke dreimal wöchentlich bedient, die Fahrzeit betrug etwa 18 Stunden.[4]

Zum 1. Mai 2004 traten acht osteuropäische Staaten, darunter Polen und die drei baltischen Staaten, der EU bei (EU-Osterweiterung); seitdem ist grenzüberschreitender Warenverkehr auf dem Landweg (namentlich per Bahn oder LKW) einfacher geworden. Z. B. fährt DB Cargo seit 2013 regelmäßig Containerzüge zwischen Polen und Litauen.[5] Zusätzlich wurde eine Fährlinie von Sassnitz nach Baltijsk und Ust-Luga (Russland) eingerichtet. Im August 2013 gab DFDS Seaways die Einstellung der Fährlinie zum Ende September 2013 bekannt.[6]

Ab Juli 2014 setzte die russische Baltic Sea Ferries Group (BFI) die Fähre Kaunas Seaways zwischen Sassnitz, Kopenhagen, Klaipeda, Baltijsk und Ust-Luga ein. Seit Mai 2015 ist wieder die Petersburg im Einsatz, sie läuft Sassnitz jedoch nur noch etwa einmal im Monat an.[7]

Fährschiffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kaunas Seaways der DFDS Seaways
Name IMO-Nummer Einsatzbeginn Letzter Einsatz Mu-Kl Passagiere Verbleib
Mukran, Petersburg (1995) 8311883 1986 im Einsatz 140
Klaipėda 8311895 1987 2006 190 Ruzgar: Rotes Meer / Persischer Golf[8]
Vilnius, Vilnius Seaways (2011) 8311900 1987 2013 120 Im Einsatz für UkrFerry (Odessa, Ukraine)[9][10]
Greifswald 8311912 1988 1997 120 (95) 2003 an UkrFerry (Odessa, Ukraine) verkauft[11][12]
Kaunas, Kaunas Seaways (2012) 8311924 1989 2015 221 Im Einsatz für UkrFerry (Odessa, Ukraine)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Treichel: Die Gütereisenbahnfährlinie Mukran–Memel. In: Pommern. Zeitschrift für Kultur und Geschichte. ISSN 0032-4167, Heft 4, 1988, S. 14f.
  • Wolfgang Klietz: Ostseefähren im Kalten Krieg. Ch. Links Verlag, 2012, ISBN 978-3-86153-673-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Horst Zimmermann: Fährverbindung Saßnitz-Mukran nach Klaipėda. In: Damals in der DDR. Mitteldeutscher Rundfunk, 23. Februar 2005, abgerufen am 29. August 2009.
  2. Andreas Henke: Sassnitz/ Mukran – das neue Tor nach Skandinavien und ins Baltikum. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Fähr-Geschichten-2. Ehemals im Original, abgerufen am 29. August 2009.@1@2Vorlage:Toter Link/home.arcor.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  3. 20 Jahre Fährverbindung Sassnitz-Klaipėda. 16. Dezember 2005, abgerufen am 29. August 2009.
  4. DFDS Seaways: Klaipeda - Sassnitz: Timetable, abgerufen am 28. August 2010 (englisch)
  5. DB Schenker Rail und Litauische Bahn bauen Schienenverkehre aus
  6. DFDS stellt die Fährverbindung Sassnitz-Klaipeda ein. DFDS Seaways, abgerufen am 31. August 2013.
  7. Fährhafen Sassnitz: Fährverkehr nach Russland
  8. M/S KLAIPEDA. Abgerufen am 19. März 2013 (schwedisch).
  9. M/S VILINIUS
  10. Ro-Ro/Rail/Passenger ferry «Vilnius Seaways»
  11. M/S GREIFSWALD. Abgerufen am 19. März 2013 (schwedisch).
  12. Ro-Ro/Rail/Passenger ferry «Greifswald». Abgerufen am 19. März 2013 (englisch).