Fandub

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Unter Fandubs (engl. für „Fansynchronisation“) versteht man Film- oder TV-Produktionen, die von Fans in Eigenarbeit mit einer neuen Tonspur versehen werden.

Es werden grundsätzlich zwei Arten von Fandubs unterschieden: zum einen originalgetreue Neusynchronisationen fremdsprachiger Produktionen, zum anderen Parodien der Originale, die komplett neue Dialoge enthalten (auch als Fundub bezeichnet).

Entwicklung[Bearbeiten]

1966 debütierte Woody Allen als Regisseur mit „What’s Up, Tiger Lily?“ einen Film, der aus neu zusammengesetzten Szenen des Films „Kokusai himitsu keisatsu: Kagi No Kagi“ besteht, und synchronisierte diese neu, sodass sich eine völlig neue und parodistische Handlung ergab.

Als „Urvater“ der Amateur-Fandub-Szene wird oft das Projekt Sinnlos im Weltraum bezeichnet, das auf der US-amerikanischen Fernsehserie Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert basiert. Populär wurden auch Lord of the Weed, ein Fandub der Realverfilmung von Der Herr der Ringe, sowie die Harry-Potter-Synchronisationen Harry Potter und ein Stein, Harry Potter und der geheime Pornokeller und Harry Potter und der Plastikpokal. Auch Fandubs von japanischen Animes kommen immer wieder vor, die gelegentlich auch von den Lizenzfirmen unterstützt und als Bonus in Form einer zusätzlichen Tonspur in einer Veröffentlichung etwa auf DVD hinzugefügt werden. Beispiele hierfür sind die deutschsprachigen Veröffentlichungen der Serie DNA² und Dragonball Z - Der legendäre Super-Saiyajin. Da inzwischen nahezu jeder handelsübliche PC die nötige Ausstattung mitbringt, sind gerade im Bereich der Fundubs viele qualitativ sehr unterschiedliche Projekte entstanden. Gute Dubs mit ausgereifter Tontechnik und talentierten Laiensprechern sind allerdings selten.

Seit etwa 2005 erscheinen im deutschen Sprachraum auch Fandubs in Dialekten. Die schwäbischen Neusynchronisationen des Reutlinger Künstlers Dominik Kuhn erfreuten sich im Internet bald sogar so großer Beliebtheit, dass der Südwestrundfunk sich dazu entschloss, seit Anfang 2009 dessen Fandubs als Fernsehserie unter dem Titel „Die Welt auf Schwäbisch“ auszustrahlen.[1]

Fandubgruppen[Bearbeiten]

Inzwischen ist auch die Bildung von digitalen Fandubgruppen (werden meistens auch als "Fandub-Studios" bezeichnet) über das Internet in der Szene beliebt geworden. Fandubber finden sich nicht nur projektgebunden, sondern dauerhaft in Form von digitalen Communitys zusammen, um gemeinsam diverse Projekte zu realisieren. Durch neuere Forensysteme und die Kommunikation von Chat-Programmen (wie Skype, MSN usw.) wird dadurch die Koordinierung zwischen den Beteiligten stark vereinfacht.

Einige Fandubber sind entweder nur in einer oder in mehreren Gruppen eingetragen. Obwohl die Gruppen untereinander konkurrieren, besonders wenn es darum geht neue Projekte zu holen, arbeiten einige Mitglieder von unterschiedlichen "Studios" dennoch zusammen.

Rechtliche Situation[Bearbeiten]

Der Begriff "Fandub" ist frei definierbar und somit nicht immer von rechtlichen bzw. juristischen Konsequenzen betroffen. Rechtlich betrachtet stellen Fandubs, die ohne Genehmigung des Rechtsinhabers bearbeitet und öffentlich (zum Beispiel übers Internet) präsentiert werden, eine Verletzung des Copyrights bzw. Urheberrechts dar. Dies betrifft vor allem Dingen Fandubs, die sich auf Medien konzentrieren, die aus wirtschaftlichen Gründen betrieben werden. Fansynchronisationen, die sich allerdings auf nicht kommerzielle Projekte konzentrieren, sind dagegen kaum von rechtlichen Schritten betroffen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Presseportal des SWR, abgerufen am 8. Januar 2010