Favorinus

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Dieser Artikel behandelt den antiken Sophisten. Für den italienischen Humanisten siehe Varinus Favorinus.

Favorinus (Favō'rīnus) war ein Philosoph und Sophist des 1./2. Jahrhunderts aus Arelate (Arles). Er zählte zur Richtung der Skeptiker und war ein Schüler des Dion Chrysostomos.

Favorinus hatte Auftritte in Rom, Athen, Ionien sowie Korinth und war ein Freund Plutarchs, der ihm seine Schrift De primo frigido (Über das primär Kalte) widmete. Sein Gegner war Polemon von Laodikeia; deshalb wurde er unter Hadrian vielleicht nach Chios verbannt. Unter Antoninus Pius hielt sich Favorinus wieder in Rom auf, wo er sich beim Publikum großer Beliebtheit erfreute, und lebte schließlich dauernd in Rom.[1]

Favorinus verfasste zahlreiche Schriften philosophischen, besonders populär-philosophischen Inhalts, epideiktische Deklamationen und Reden, vor allem die ἀπομνημονεύματα (Denkwürdigkeiten), ein mindestens fünfbändiges Werk zur Philosophiegeschichte, und die παντοδαπὴ ἱστορία (Mannigfache Untersuchung), eine 24 Bücher umfassende Realenzyklopädie zum Teil philosophiegeschichtlichen Inhalts, die möglicherweise Diogenes Laërtius benutzte. Von seinen Werken sind außer drei Reden nur noch Titel und Fragmente erhalten. Er schrieb einen künstlichen, überladenen Stil mit vielen Klassikerzitaten.

Drei Reden, zwei davon unter Dion Chrysostomos überliefert, werden ihm zugesprochen: Κορυνθιακός (Der Korinthische), eine Schilderung Korinths;[2] περὶ τύχης (Über die Tyche ), Erörterung des Schicksals;[3] περὶ φυγῆς (Über die Verbannung), geschrieben in Chios im Exil (Papyrusfund).

Philostratos, der eine Lebensbeschreibung des Favorinus schrieb, nannte ihn ανδρόθηλυς (androgyn) und εὐνοῦχος (Eunuch).[4] Diese Nachricht wird von Polemon bestätigt.[5] Weitere Angaben bieten Gellius, der Favorinus oft nennt und zitiert,[6] und die Suda.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eckart Mensching (Hrsg.): Favorin von Arelate: Der erste Teil der Fragmente. Memorabilien und Omnigena historia. De Gruyter, Berlin 1963 (kritische Edition mit Kommentar)
  • Favorinos d'Arles: Œuvres. Les Belles Lettres, Paris 2005 ff. (kritische Edition mit französischer Übersetzung und Kommentar)
    • Band 1: Introduction générale, témoignages, discours aux Corinthiens, Sur la Fortune, hrsg. von Eugenio Amato, 2005, ISBN 2-251-00528-5
    • Band 3: Fragments, hrsg. von Eugenio Amato, 2010, ISBN 978-2-251-00557-7
  • Georg Luck: Die Weisheit der Hunde. Texte der antiken Kyniker in deutscher Übersetzung mit Erläuterungen. Kröner, Stuttgart 1997, ISBN 3-520-48401-3, S. 360–376

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Simone Follet: Favorinus d'Arles. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Band 3, CNRS Éditions, Paris 2000, ISBN 2-271-05748-5, S. 418–422
  • Krystyna Stebnicka: Favorinus. In: Paweł Janiszewski, Krystyna Stebnicka, Elżbieta Szabat: Prosopography of Greek Rhetors and Sophists of the Roman Empire. Oxford University Press, Oxford 2015, ISBN 978-0-19-871340-1, S. 134 f.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dion Chrysostomos, or. 37,25.
  2. Dion Chrysostomos, or. 37.
  3. Dion Chrysostomos, or. 64.
  4. Philostratos, vit. soph. 1,8.
  5. Richard Foerster (Hrsg.): Scriptores physiognomonici, Bd. 1, Leipzig 1893, S. 160.
  6. Beispielsweise Gellius 1,3,27; 2,12,5.