Fink II

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blick nach Westen auf die Bunkeranlage
Fink II bei Kriegsende 1945. Im Vordergrund ein gekentertes U-Boot.

Fink II lautete der Tarnname des am Rüschkanal auf Finkenwerder gelegenen U-Boot-Bunkers, der 1941 bis 1944 auf dem Gelände der Deutschen Werft gebaut wurde. 1945 wurde er gesprengt. Heute befindet sich dort das Mahnmal U-Boot-Bunker Fink II.

Der Bunker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden die Elbe

Der Nassbunker Fink II wurde 1940 geplant. Sein Bau wurde auf dem Gelände der Deutschen Werft im März 1941 begonnen. Er bestand zunächst aus zwei Nassboxen, in die jeweils drei U-Boote passten. Kurze Zeit später, im Sommer 1941, entstanden auf Befehl des OKM zwei weitere Boxen. Als die Fertigstellung des Bunkers 1942 kurz bevorstand, erhielt die Bauleitung (eine Arbeitsgemeinschaft der Firmen Wayss & Freytag und Beton- und Monierbau A-G) den Auftrag, eine fünfte Box hinzuzufügen. Dadurch verlängerte sich die gesamte Bauzeit erheblich: Erst 1944 konnten die Bauarbeiten am Bunker Fink II als abgeschlossen gelten.

Da ein U-Boot-Bunker ein Hafenbecken benötigt, musste der Rüschkanal erheblich erweitert werden. Der Bunker selbst wurde an Land gebaut, erst nach seiner Fertigstellung wurde der neue Rüschkanal ausgehoben.

Da, wie bereits erwähnt, in jede Box drei Boote passten, hatte der Bunker nun eine Kapazität für 15 U-Boote. Es wurden insgesamt 130.000 m³ Stahlbeton mit einem Gewicht von 263.000 Tonnen verbaut. Mit einer Länge von 151 m, Breite von 153 m und Deckenstärke (an der dicksten Stelle) von 3,6 m ist er weitaus größer als der nicht weit davon liegende U-Boot-Bunker Elbe II und der U-Boot-Bunker Kilian in Kiel (42,3 m Länge). Er ist jedoch weitaus kleiner als U-Boot-Bunker Valentin, der mit einer Länge von 426 m als der größte Bunker Deutschlands und der weltweit zweitgrößte gilt.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bunker Fink II wurde als Werftanlage geplant und war in erster Linie ein Reparatur- und Montagebunker. Es wurden dort Restarbeiten an in anderen Werften gebauten Schiffen, Ausrüstungsarbeiten sowie – insbesondere gegen Ende des Krieges – Reparaturen durchgeführt. Aber auch neue U-Boote wurden dort gebaut: So liefen hier 114 U-Boote vom Stapel, die meisten vom Typ VII C. Zur Arbeit wurden ab 1941 verstärkt Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge herangezogen.

Während der Luftangriffe wurde der Bunker von Zivilisten als Luftschutzbunker genutzt.

Bombenangriffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fink II unmittelbar nach der Sprengung

1945 griffen die Alliierten die Hamburger Hafenanlage an. Ein erster amerikanischer Angriff blieb folgenlos. Schwere Schäden richtete jedoch ein englischer Angriff an.

„In der Nacht vom 8. auf den 9. April 1945 wirft das RAF Bomber Command mit 440 Flugzeugen 1491 t Bomben auf die Hafenanlagen von Hamburg ab. Dabei werden u.a. U 2509, U 2514 und U 3512 sowie 6 Handelsschiffe mit 8531 BRT versenkt und das bereits beschädigte Neubauboot U 2550 auf der Helling zerstört.“[1]. Anderen Quellen zufolge versenken sich die genannten U-Boote selbst.

„Am 9. 4. wird der Bunker Fink II von einem Geschwader bestehend aus 40 Flugzeugen der RAF angegriffen (Gruppen Nr. 5 und 17 und Lancaster der 617th Squadron (617. Staffel)). Dabei werden Bomben des Typs ‚Grand Slam’ und ‚Tallboy’ verwendet.“

Die Bomben schlugen sechs Löcher in die drei Meter starke Decke.

„Fünf Flugzeuge gehen verloren. Durch die Explosionswirkung eines Volltreffers sinkt innerhalb des Bunkers ein Hebewerk mit den darin befindlichen Booten U 677 und U 982.“[1]

Der Bunker wurde wegen seines hohen Sicherheitspotenzials während dieses Angriffs von etwa 3.000 Personen als Luftschutzbunker verwendet. Von diesen Zivilisten starben vermutlich 58, über 120 wurden schwer- und leichtverletzt. Neun Tage nach dem Luftangriff, am 18. April, also drei Wochen vor Kriegsende, erfolgte der letzte Stapellauf (das U-Boot U 2371).

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel (Element des Denkmals Bunkerruine[2])

Am 17. Oktober 1945 sprengten die Briten den Bunker. Durch die Detonation stürzten innere Stützwände und Teile des bis dahin noch intakten Daches ein. Eine komplette Beseitigung war jedoch nicht möglich, die Seitenwände des Bunkers sowie die Trennwände der Boxen blieben zunächst erhalten. Weitere Maßnahmen führte man Anfang der 1960er Jahre durch: Bis auf eine Höhe von +5,70 m NN wurde die Bunkerruine abgetragen, die Kammern zugeschüttet. Bis zur Schließung der Deutschen Werft im Jahre 1973 war die Ruine noch sichtbar. Komplett zugeschüttet wurde der Bunker dann in den 1980ern. 1996 wurde die Fläche für den Rüschpark mit Aussichtshügel erhöht. Die Ruine war nicht mehr zu sehen.

Das Denkmal Bunkerruine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heute ist der ehemalige U-Boot-Bunker Fink II zum zeitgenössischen Denkmal umgestaltet. Nachdem es sich als zu kostenaufwendig erwies, die Reste des Bunkers zu entsorgen, beschloss 2004 die mit dem Bau der Airbus-Start- und Landebahn beauftragte Realisierungsgesellschaft (ReGe), einen städtebaulichen Wettbewerb auszuloben. Der daraus siegreich hervorgegangene Entwurf stammt von den beiden Hamburger Architektinnen Anja Bremer und Beate Kirsch („Kirsch + Bremer Artandarchitecture“). Das Denkmal Bunkerruine wurde am 26. August 2006 als Mahnmal und Gedenkstätte nationalsozialistischer Opfer zusammen mit dem Rüschpark eröffnet. Die Denkmalsanlage macht durch schwarze Schottersteine die Dimension des Geländes nachvollziehbar und ist mit künstlerischen Elementen und mehreren Informationstafeln ausgestattet. [3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fink II – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Till Briegleb: Fink II. Katalog.
  • Realisierungsgesellschaft Finkenwerder mbH (Hg.): Fink 2. Ideen für den ehemaligen U-Boot-Bunker Fink II Rüschhalbinsel Finkenwerder in Hamburg. Interdisziplinäres Gutachterverfahren 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Homepage wlb Stuttgart: Seekrieg, abgerufen am 21. Juli 2010
  2. gestaltet von „Kirsch + Bremer Artandarchitecture“ (Näheres)
  3. Detlef Garbe, Kerstin Klingel: Gedenkstätten in Hamburg. Ein Wegweiser zu Stätten der Erinnerung an die Jahre 1933 bis 1945. Aktualisierte Neuauflage, vollständig überarbeitete Neuauflage. KZ-Gedenkstätte Neuengamme u. a., Hamburg 2008, ISBN 978-3-929728-18-7, S. 17; auch als PDF-Datei: Gedenkstätten in Hamburg abgerufen am 31. Dezember 2009.

Koordinaten: 53° 32′ 29″ N, 9° 51′ 16″ O