Grand Slam (Bombe)
| Grand Slam (Bombe) | |
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| Allgemeine Angaben | |
| Bezeichnung: | 22000 lb DP, Mk 1 Grand Slam |
| Typ: | Panzersprengbombe |
| Herkunftsland: | |
| Hersteller: | Barnes Wallis, Vickers |
| Entwicklung: | 1943 |
| Indienststellung: | 1944 |
| Einsatzzeit: | 1944–1945 |
| Technische Daten | |
| Gefechtsgewicht: | 10.161 kg |
| Länge: | 7,74 m |
| Durchmesser: | 1.170 mm |
| Spannweite: | 1.132 mm |
| Ausstattung | |
| Gefechtskopf: | 4.144 kg Torpex D1 (RDX & TNT)[1] |
| Zünder: | Verzögerungszünder, Langzeitzünder |
| Waffenplattformen: | Avro Lancaster, Avro Lincoln |
| Liste von Bomben nach Herkunftsnation | |
Die Grand Slam (engl. „Großer Schlag“) ist mit über zehn Tonnen Gewicht eine der schwersten in einem Krieg eingesetzten Fliegerbomben. Die Panzersprengbombe wurde Ende 1944 entwickelt und im Zweiten Weltkrieg von den britischen Luftstreitkräften gegen Großziele wie schwer gepanzerte Bunker und Brücken eingesetzt.
Ihr Entwickler, der britische Flugzeugbauingenieur Barnes Wallis, hatte zuvor die 5,4 Tonnen schwere Tallboy-Bombe konstruiert. Da jedoch auch diese bis dahin stärkste Bombe einige Ziele wie die schwerst gepanzerten U-Boot-Bunker der Kriegsmarine in Frankreich und Norddeutschland nicht zerstören konnte, wurde eine noch größere Bombe entwickelt.
Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Grand-Slam-Bombe hatte einen stromlinienförmigen Körper mit einer ogiven Spitze. Der Bombenkörper bestand aus Chrom-Molybdän-Stahl und wurde in einem Stück um einen Betonkern in Sand gegossen. Nach Entfernung des Betonkerns wurde der Stahlkörper gehärtet. Der Bombenkörper hatte einen Durchmesser von 1170 mm und eine Länge von 3,81 m (ohne Heckteil). Die Wanddicke betrug 44,5 mm und vergrößert sich zur Bombenspitze hin auf 197 mm. Befüllt war der Bombenkörper mit dem Mischsprengstoff Torpex. Dieser besteht aus 42 % RDX, 40 % TNT sowie 18 % Aluminiumpulver und Wachs. Der flüssige Sprengstoff benötigte jeweils einen Monat, um auszukühlen und zu erstarren, was die Fertigung stark einschränkte. Hinten am Bombenkörper wurde ein Heckteil aus geschweißten Blechen (Wanddicke 15 mm) mit vier trapezförmigen Stabilisierungsflächen (Heckflossen) montiert. Diese waren in einem Winkel von 5° zur Längsachse angeordnet. Dadurch wurde die Bombe während dem Fall in Rotation um die Längsachse versetzt, was die Zielgenauigkeit verbesserte. Die komplette Bombe mit dem Heckteil hatte eine Länge von 7,74 m und wog 10161 kg, wovon 4144 kg auf die Sprengstofffüllung entfielen. Bezündert war die Bombe mit vier Zündern: einer speziell für die Grand Slam mit einer Verzögerung von 11 Sekunden, der Zünder Nr. 53 mit einer Verzögerung von 30 Minuten, ein Zünder Nr. 53A mit einer Verzögerung von einer Stunde und ein Zünder Nr. 37 mit einer Verzögerung von 6 bis 144 Stunden.[2][3][4][5]
Wurde die Grand Slam bei einer Fluggeschwindigkeit von 322 km/h aus 4877 m Höhe über Grund abgeworfen, schlug sie mit einer Geschwindigkeit von rund 1200 km/h auf der Erdoberfläche auf. Aus großer Höhe abgeworfen, konnte die Grand Slam aus der daraus resultierenden kinetischen Energie mehrere Meter Stahlbeton durchschlagen oder über 40 m ins Erdreich eindringen bevor sie detonierte. Dabei sollte mit einem Camouflet und dem erdbebenartigen Effekt das Ziel zerstört werden.[2][6][7]
Wie bei der Tallboy wurden die Bomberbesatzungen daher angewiesen, nicht abgeworfene Bomben wieder zurückzubringen und mit den Bomben an Bord zu landen. Im Zweiten Weltkrieg war es ansonsten aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben, nicht eingesetzte Bomben vor der Landung über dem Meer oder über den Stellungen des Atlantikwalls abzuwerfen.
Einsatzplattform
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Als Trägersystem für jeweils eine Grand Slam-Bombe dienten Bomber vom Typ Avro Lancaster in der Sonderausführung BI (Special). Sie unterschieden sich von der herkömmlichen Ausführung durch leistungsgesteigerte Motoren und schubstärkere Propeller; aus Gründen der Gewichtsersparnis und verbesserten Aerodynamik entfielen sämtliche Waffenstände. Zum Einsatz der Tallboy hatten sie ausgestellte Klappen für den Bombenschacht erhalten. Zum Einsatz der Grand Slam wurden die Klappen ganz entfernt und eine Verkleidung montiert. Um die maximale Eindringtiefe zu erreichen, musste die Bombe aus einer Höhe von 6700 Metern abgeworfen werden, so dass bei solchen Einsätzen ihre Zielgenauigkeit eingeschränkt war.
Einsätze
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Da dieses Waffensystem erst gegen Kriegsende verfügbar war, wurde es nur 41 Mal eingesetzt, hauptsächlich gegen Brücken und Viadukte. Seine Wirkung war im Einzelfall jeweils verheerend: Im Umkreis von etwa einhundert Metern bestand praktisch keine Überlebenschance. Die Druckwelle der Explosion verursachte bei Detonation unter der Erdoberfläche eine erdbebenartige Erschütterung, die in der näheren Umgebung auch größere Gebäude einstürzen ließ.
- Der erste Einsatz der Grand Slam erfolgte am 14. März 1945 beim Angriff der No. 617 Squadron der britischen Luftwaffe unter Squadron Leader CC („Jock“) Calder auf den Schildeschen Viadukt in Bielefeld.[8] Durch einen Treffer in unmittelbarer Nähe stürzten zwei der gemauerten Segmente des Bauwerks komplett ein, was den Viadukt unbrauchbar machte. Dabei wurden mehr als 50 Anwohner getötet[9].
- Auch der Viadukt bei Arnsberg wurde am 19. März 1945 schließlich durch eine Grand Slam zerstört, nachdem mehrere Angriffe mit konventionellen Bomben nur kleinere Schäden angerichtet hatten.
- Am 27. März 1945 griffen 18 speziell ausgerüstete Bomber vom Typ Lancaster B Mk.I (Special) der Royal Air Force, die mit 13 Grand Slams, vier Tallboys (je 5,4 t) und zwölf 454-kg-Bomben bewaffnet waren, den U-Boot-Bunker Valentin in Bremen-Rekum an. Zwei Grand Slams drangen in die in der ersten Ausbaustufe befindliche 4,5 Meter starke Decke etwa 2 Meter tief ein. Eine Bombe war mit einem Langzeitzünder ausgestattet, der die Bombe erst Stunden später explodieren ließ. Aufgrund der enormen Sprengkraft gab dann die Decke nach, und es entstand ein 7 bis 8 Meter breites Loch.
- Am 9. April 1945 griff die No. 617 Squadron den U-Bootbunker Fink II in Hamburg mit Tallboys und Grand Slams an und erzielte mehrere Treffer.
Beim Angriff auf das Schlachtschiff Tirpitz am 12. November 1944 wurden keine Bomben vom Typ Grand Slam eingesetzt, da diese zum Zeitpunkt des Angriffes noch nicht einsatzfähig waren. Die Tirpitz wurde von der Royal Air Force durch den Einsatz der nur etwa halb so schweren Bomben vom Typ Tallboy versenkt.
Verwendung durch die Vereinigten Staaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1944 beschaffte sich die United States Army Air Forces bei den Briten eine Anzahl Grand-Slam-Bomben und bauten diese mit der Bezeichnung T-14 in den Vereinigten Staaten nach. Zu einem geplanten Einsatz im Pazifikkrieg kam es jedoch nicht.[6][10]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Bulletpicker.com: 22000 lb DP, Mk 1 Grand Slam
- 1 2 Bulletpicker.com: U S. BRITISH ORDNANCE 1946 (PDF; 54 MB)
- ↑ Bulletpicker.com: British Bomb, 22000 lb DP, Mk 1 Grand Slam
- ↑ Thisdayinaviation.com: This Day in Aviation - 19 March 1945
- ↑ Stephen Flower: The Dambusters: An Operational History of Barnes Wallis' Bombs. Amberley Books, Vereinigtes Königreich, 2013, ISBN 978-1-4456-1828-9. S. 363.
- 1 2 Bulletpicker.com: U S. EXPLOSIVE ORDNANCE 1947 (PDF; 75 MB)
- ↑ Dtic.mil: Comparative Test of the Effectiveness of Large Bombs against Large Reinforced Concrete Structures (PDF; 12 MB)
- ↑ Bomber Command No. 617 Squadron. Royal Air Force, abgerufen am 8. August 2012 (englisch).
- ↑ Florian Stark: Diese „Erdbeben-Bombe“ zerstörte Deutschlands Brücken In: welt.de, 15. März 2019, abgerufen am 20. Dezember 2021.
- ↑ Bill Gunston: Rockets & Guided Missiles. Salamander Books, Vereinigtes Königreich, 1979, ISBN 0-517-26870-1. S. 119.