Fischertag

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Fischer beim Ausfischen des Baches beim Einlaß

Der Fischertag ist ein traditionelles Fest der Stadt Memmingen. Dabei wird der Stadtbach ausgefischt, um abgelassen und gereinigt zu werden, und gleichzeitig unter knapp 1.200 Fischern ein Fischerkönig ermittelt. Jährlich kommen zu dem Fest 30.000 bis 40.000 Menschen als Mitwirkende oder Zuschauer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fischertag hat seinen Ursprung im Mittelalter. Seit 1465 fischen die Memminger jährlich den Stadtbach leer. Bis 1955 fand der Fischertag um Bartholomä (24. August) statt. Seit 1955 findet er zusammen mit dem Memminger Kinderfest in der letzten Woche vor den Sommerferien statt. Früher diente die Memminger Ach als Be- und Entwässerungssystem für die Memminger Handwerker. Insbesondere die Gerber benötigten das Wasser für die Bearbeitung der Felle. Der Bach wurde gleichzeitig zur Entsorgung der Gerbereiabfälle, der Fäkalien und der Reste aus den Schlachthäusern genutzt. Einmal im Jahr wurde er abgelassen, um den Unrat aus dem Bachbett zu räumen und die Brücken zu sanieren. Zwischen den Zünften wechselnd, durften seit dem 16. Jahrhundert jedes Jahr die Gesellen den Bach leerfischen.

Um die Jahrhundertwende wurde das Fest neu organisiert. Hierzu gehörte die Gründung des Fischertagsvereins Memmingen e.V., dem die Stadt im Jahre 1919 die Durchführung des Fischertags insgesamt übertrug. Seit 1980 veranstaltet der Verein neben dem Fischertag zudem alle vier Jahre als Großen Fischertag eine Woche lang die Wallensteinfestspiele.[1]

Der Fischerbrunnen auf dem Schrannenplatz

Festablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mittelpunkt des Festes steht nach wie vor das Bachausfischen. Am Vorabend des Fischertages ruft um 18:00 Uhr der Stadtbüttel mit der Stadtgarde in traditionellen Kostümen den Fischertag aus. Der Zug führt durch die Altstadt bis zum Schrannenplatz, wo die Figur auf dem von Max Pöppel geschaffenen Fischerbrunnen bekleidet wird. Bis in den frühen Morgen wird in den Gassen und den Kneipen der Stadt gefeiert. Der Nachtwächter zieht währenddessen mit seinen Scharfknechten auf dem historischen Nachtwächterweg durch die Altstadt. Zwischen drei und sechs Uhr wird das Treiben durch die Sperrstunde beendet.

Schon ab 6 Uhr morgens treffen sich die Stadtbachfischer im Realschulhof vor dem Westertor. Jeder Fischer muss hier seine Fischerkarte stempeln. Der Fischerzug zieht um kurz nach 7 Uhr von dort, begleitet von zahlreichen Kapellen, durch die Straßen zum Schrannenplatz. Hier spricht der Oberfischer auf einem riesigen Holzfass den Fischerspruch und nimmt dabei Bezug auf das, was sich im vergangenen Jahr in der Stadt ereignet hat. Um etwa 7:50 Uhr ist der Fischerspruch beendet und die Fischer eilen zu ihrem Platz am Stadtbach, wo die Kübelesträger warten.

Der Kübelesträger oder die Kübelesträgerin ist die wichtigste Person neben dem Fischer und dafür verantwortlich, dass der Kübel bzw. Eimer für die gefangenen Fische ausreichend mit Wasser gefüllt ist. Um acht Uhr jucken (springen) die Fischer nach einem Böllerschuss mit ihren Bären in den Stadtbach und beginnen mit dem ausfischen. Der Bären ist ein halbrundes, aus einer Astgabel oder neuerdings aus beständigerem Metall gefertigtes Fischernetz.

Das Ziel eines jeden Fischers ist es, mindestens eine der Bach- und Regenbogenforellen zu fangen. Mit ihren Bären gehen die Fischer im Stadtbach auf und ab. Großer Jubel herrscht bei Fischern und Zuschauern immer dann, wenn eine Forelle im Netz landet. Zur Wahrung der jahrhundertealten Tradition müssen die Fischer männlich, in Memmingen geboren oder seit 5 Jahren mit erstem Wohnsitz in der Stadt gemeldet und Mitglieder des Fischertagsvereins sein. Weiterhin müssen die Teilnehmer im Besitz des staatlichen Fischereischeins sein bzw. den vereinsinternen Fischerkurs besucht haben und sich beim Fischen waidgerecht verhalten. Nur mit gestempelter Fischerkarte am Hut darf gefischt werden. Darauf achten zahlreiche Bachaufsichten.

Video vom Bachausfischen am Fischertag 2008

An den Waagen vor der Großzunft auf dem Marktplatz und an der Frauenkirche wird die schwerste Forelle ermittelt. Ihr Fischer wird im anschließenden Königsfrühschoppen in der Stationhalle zum neuen Fischerkönig gekrönt. Sein Vorgänger wird dabei mit einem Laib Brot, einem Rettich, einem Riesenschübling und einer Maß Bier durch einen Arschtritt entthront. Anschließend wird der neue Fischerkönig von Stadtgarde und Fischergruppe begleitet vom Schmotzmarsch (s. u.) auf die Bühne getragen, wo er auf dem Birkenthron Platz nimmt. Zudem werden jährlich sechs Fischer mit besonders schönem Gwand (Kleidung) schon in der Früh ausgewählt und dann hier prämiert. Am Abend um 18 Uhr wird bei einem Festumzug der neue Fischerkönig den Zuschauern vorgestellt. Zu Ehren des Fischerkönigs findet der Fischerabend statt, an dem verschiedene Gruppen die Zuschauer mit Musik und Tanz unterhalten. Während der Festtage findet das Fischertagstheater im Stadttheater statt.

Das traditionelle Fischertagslied, der Schmotzmarsch, lautet: „Schmotz, schmotz, Dreck auf Dreck, Schellakönig, wüaschte Sau!“. Er wurde im Jahre 1903 vom damaligen Stadtkapellmeister Ostermayer komponiert.[2]

Alle vier Jahre beginnen am Sonntag nach dem Fischertag die Wallensteinfestspiele in der Stadt. Sie gelten als die größten Historienfestspiele Europas.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Tierschützern wird das Fest kritisiert, weil sie es für eine auf Wettkampf ausgerichtete Fischaktion halten. Der Fischertagsverein als Veranstalter hält dagegen, dass über 75 % der Fische gar nicht an der Waage abgegeben werden. Außerdem dient der Fischertag grundsätzlich der Reinigung des Stadtbaches, der komplett abgelassen und gereinigt wird. Es werden nur noch Kübel mit mindestens 14 Liter Inhalt verwendet und die Forellen werden zeitnah in separaten Versorgungszelten waidgerecht getötet, um den Vorwurf des Tierleidens zu entkräften. Das Bachausfischen wird jedes Jahr von Amtsveterinären und zahlreichen eingewiesenen Bachaufsichten beobachtet. Verstöße werden in der Regel durch die Vorstandschaft mit Verwarnungen, Vereinsstrafen oder lebenslangem Vereinsausschluss geahndet.[3]

Das Fest wurde bereits durch Sitzblockaden auf der Strecke des Fischerzuges gestört. Die Tierschutzvereine Animals United (ehemals Animal 2000) als auch PETA versuchten bislang erfolglos, den Fischertag auf juristischem Wege abzuschaffen. Zahlreichen Strafanzeigen wurden durch die Staatsanwaltschaft eingestellt. Insgesamt befürwortet nach Befragungen in Memmingen und Umgebung die Mehrheit der Bevölkerung das Weiterbestehen des Festes.

Seit einigen Jahren wird den Veranstaltern zudem vermehrt Sexismus vorgeworfen, da nur männliche Vereinsmitglieder zum Bachausfischen berechtigt sind. Manche Frauen entgegnen aber selbst, dass sie keineswegs von dem Fest ausgeschlossen sind, da sie unter anderem als "Kübelesträger" eine wichtige Rolle innehaben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Ruppert: Fischertagsverein Memmingen. Abgerufen am 23. Juli 2018.
  2. Wolfgang Burghart, Christoph Engelhard, Reinhard Heuß, Rolf Kurringer, Joseph Neudegger: 100 Jahre Fischertagsverein Memmingen - Festschrift. Hrsg.: Fischertagsverein Memmingen e.V. Memmingen Mai 2000, S. 79.
  3. Fischertagsverein Memmingen e.V.: Vereinssatzung. In: §10 Vereinsstrafen. Abgerufen am 23. Juli 2018.