Flügelsignal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ein- und zweiflügliges Flügelsignal auf der Wutachtalbahn in Süd­deutschland

Flügelsignale, in der Schweiz Semaphore (Singular: der Semaphor),[1][2] veraltet auch Armsignale genannt,[3] sind Formsignale mit einem, zwei oder selten drei Signalflügeln, die drehbar übereinander am Signalmast angeordnet sind.[4]

Mittlerweile wurden die Formsignale größtenteils von Lichtsignalen verdrängt, werden aber auf noch nicht modernisierten Bahnhöfen weiterhin verwendet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Signalordnung für die Eisenbahnen Deutschlands 1885[5] (Auszug)

Das Flügelsignal war eine Übernahme ähnlicher Instrumente aus der Seefahrt. Anfang der 1840er Jahre erhielt John James Stevens ein Patent auf den Einsatz von Flügelsignalen im Eisenbahnverkehr. Das erste so gebaute Signal wurde 1842/43 von Charles Hutton Gregory in New Cross (London) an der London and Croydon Railway errichtet,[6] und in den nächsten 30 Jahren setzte sich diese Form gegen andere mechanische Signalsysteme durch. Die ersten dieser Signale wurden auf dem Dach der Stellwerke montiert. Erst später entwickelte man Seilzüge, um auch vom Stellwerk entfernt stehende Signale bedienen zu können.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laternen und bewegliche Farb­gläser davor lassen Flügelsignale auch in der Nacht erkennen.

Flügelsignale verfügen über einen oder mehrere Arme (Flügel), die nach oben oder unten in verschiedene Lagen geschwenkt werden können. Durch das Schwenken hergestellte Anordnungen der Flügel in bestimmten Winkeln stellen dabei verschiedene Signalbegriffe dar. Ein einzelner, horizontal liegender Flügel entspricht in der Regel der stärksten Beschränkung, die das Signal darstellen kann, Halt. Auf- oder abwärts zeigende Flügel schwächen diesen ab oder heben ihn ganz auf. Im aktuellen Signalsystem der DB AG bedeutet beispielsweise ein einzelner um 45° nach rechts oben zeigender Flügel den Signalbegriff Hp 1 Fahrt.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den deutschsprachigen Ländern dienen Flügelsignal meist als Hauptsignale, kamen aber in Bayern auch als Vorsignal vor.[7] Die belgischen, niederländischen und dänischen Bahnen verwenden Flügelsignale auch als Vorsignale. Auf den englischen Bahnen hat das sogenannte distand signal die Bedeutung eines Vorsignals. Es ist ein Flügelvorsignal, das sich von den Ein- und Ausfahrsignalen nur dadurch unterscheidet, dass sein Flügel am freien Ende einen dreieckigen Ausschnitt hat.[8]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Helge Holz: Flügelklinik. Besuch im Signalwerk Braunschweig. In: eisenbahn magazin. Nr. 1/2013. Alba Publikation, Januar 2013, ISSN 0342-1902, S. 99–101.
  • Lionel Thomas Caswell Rolt: Red for Danger. Auflage: London 1978.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans G. Wägli: Hebel, Riegel und Signale. Diplory Verlag, Grafenried 2018, ISBN 978-3-03306410-2, S. 30.
  2. Rudolf W. Butz: Signale der Schweizer Bahnen. Orell Füssli Verlag, Zürich 1972, S. 32–35.
  3. Victor von Röll: Armsignal. In der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 1. Berlin, Wien 1912, S. 272. Online auf zeno.org.
  4. Lexikon der Eisenbahn. 5. Auflage. Transpress VEB Verlag, Berlin 1978, S. 281 (Stichwort Formhauptsignal (Hf))
  5. Signalordnung für die Eisenbahnen Deutschlands. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 1 vom 20. Januar 1886, S. 26ff.
  6. Rolt, S. 41.
  7. Erhard Born, Alfred Herold, Walter Trüb, (Hrsg.): Hobbylexikon Eisenbahn. Rowohlt Taschenbuch, Reinbek bei Hamburg, 1980, ISBN 3-499-16262-8. S. 109 (Stichwort: Flügelsignal.)
  8. Victor von Röll: Vorsignal. In der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 10. Berlin, Wien 1923, S. 224–231.