Fleischhof

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Fleischhof
Westflügel, Blick vom Nachbarhof aus westlicher Richtung
Taubenturm im Hof

Der Fleischhof (auch Adelshof der Grafen von Falkenstein) ist eine denkmalgeschützte Hofanlage in der Stadt Quedlinburg in Sachsen-Anhalt.

Die Bezeichnung Fleischhof entstammt einer falschen Übersetzung des 17. Jahrhunderts, als dieser Hof als Handelshof diente und als „fleißiger Hof“ bezeichnet wurde.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hof befindet sich im südlichen Teil der historischen Quedlinburger Altstadt an der Adresse Wordgasse 4. Südlich wird der Hof von der Stadtmauer der historischen Stadtbefestigung Quedlinburgs begrenzt. Die Anlage ist im Quedlinburger Denkmalverzeichnis als Kaufmannshof eingetragen und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Architektur und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wird der Fleischhof 1316.[1] Der Adelshof wurde bis 1320 als Lehnsgut des unweit gelegenen Stifts betrieben und gelangte dann in den Besitz der Stadt Quedlinburg. Zum Adelshof oder Freihof gehören diverse als Wohn- und Speichergebäude in den Jahren 1566, 1580 und dann nach 1616 entstandene Bauten. Die sehr großen Häuser wurden in Fachwerkbauweise errichtet. Bemerkenswert ist ein erhaltenes Renaissanceportal. An der südöstlichen Ecke des Hofs ist der zur Stadtbefestigung gehörende Spiegelturm in die Hofanlage einbezogen.

Innerhalb des auf einem unregelmäßigen Grundstück angelegten Hofs befindet sich ein Taubenturm.

Ältestes erhaltenes Gebäude ist der Westflügel, dessen Mauern und Dachwerk aus der Mitte des 16. Jahrhunderts stammen. Oberhalb des Portals findet sich in einer Inschrift die Jahreszahl 1567 sowie die Kürzel „H. V. W.“ und „E. v. P.“ die den Bau als Wohnhaus für Hans von Wulfen und Elisabeth von Plotho ausweisen. Das überbaute Giebelfeld des südöstlichen Zwerchhauses trägt die Jahreszahl 1566. An der westlichen Giebelseite erfolgte eine Überbauung der in ihrem Kern aus dem Mittelalter stammenden Stadtmauer. Unterhalb des südlichen Teils des Flügels befindet sich ein ebenfalls aus der Bauzeit des Hauses stammender gratgewölbter Keller.

In späterer Zeit erfolgten im Gebäudeinneren weitgehende Umbauten die zu einer weitgehend veränderten Raumaufteilung führten. Beeindruckend sind die Barockmalereien des 17. Jahrhunderts im sogenannten Rittersaal des Westflügels.

Im Zeitraum zwischen dem Ersten Weltkrieg und 1938, vermutlich zwischen 1925 und 1935, erfolgte ein weiterer Umbau. Es wird angenommen, dass diese baulichen Veränderungen durch den Samenhändler Carl Sperling vorgenommen wurden, nach dem er den Hof von seinem Vater Walter Sperling übernommen hatte. Das Erdgeschoss des nördlichen Gebäudeflügels wurde abgerissen. An seine Stelle trat ein Neubau, der in seinem Inneren durch Wände in massiver Bauweise in gleich große Räume unterteilt ist. Der Keller wurde um 30 Zentimeter vertieft und mit einer Stahlkonstruktion überbaut. Die beiden Schildwände des Gebäudes wurden komplett neu aufgemauert. Soweit sie noch bestanden haben sollten, wurden in diesem Zeitraum auch die Schornsteine aus der Zeit des 16. Jahrhunderts abgerissen. 1948 gab die Familie Sperling ihren Sitz in Quedlinburg auf und die Gebäude verfielen zunehmend.[1]

Im Jahr 1988 begannen Restaurierungsarbeiten am Fleischhof.[2]

Zurzeit erfolgt eine allumfassende Sanierung des gesamten Anwesens mit Hilfe verschiedener Stiftungen. Die Anlage kann besichtigt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Band 7: Falko Grubitzsch, unter Mitwirkung von Alois Bursy, Mathias Köhler, Winfried Korf, Sabine Oszmer, Peter Seyfried und Mario Titze: Landkreis Quedlinburg. Teilband 1: Stadt Quedlinburg. Fliegenkopf, Halle 1998, ISBN 3-910147-67-4, Seite 286 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fleischhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Amelie Seck: Eine Stadt mit Verantwortung. Bitte helfen Sie Quedlinburg dabei, den Westflügel des Fleischhofs zu retten. In: Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Hrsg.): Monumente. Magazin für Denkmalkultur in Deutschland. Nr. 3. Monumente Publikationen, 2019, ISSN 0941-7125, S. 58 ff.
  2. Christa Rienäcker: Quedlinburger Stadtgeschichte in Daten in Festschrift 1000 Jahre Markt-, Münz- und Zollrecht Quedlinburg, Hrsg.: Stadt Quedlinburg, 1994, Seite 157

Koordinaten: 51° 47′ 15,8″ N, 11° 8′ 23,7″ O