Florian Schwanninger

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Florian Schwanninger (geb. 10. Juli 1977 in Salzburg[1]) ist ein österreichischer Historiker und Autor. Seine Schwerpunkte in Forschung und Publikationen sind NS-Euthanasie, oberösterreichische Regionalgeschichte der Verfolgung und des Widerstands im Nationalsozialismus und Erinnerungskultur nach 1945.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Florian Schwanninger wuchs in Hochburg-Ach in Oberösterreich auf. Sein Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Salzburg schloss er 2004 als Magister mit der regionalhistorischen Studie Widerstand und Verfolgung im Bezirk Braunau/Inn 1938–1945 ab. 2005 wurde er im Lern- und Gedenkorts Schloss Hartheim tätig, seit 2014 als Leiter.[2][3] Das Schloss, seit 1898 ein Pflegeheim für behinderte Menschen, wurde 1940 zur Tötungsanstalt Hartheim umgebaut. Unter der medizinischen Leitung des Linzer Psychiaters Rudolf Lonauer wurden bis 1944 rund 30.000 Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, psychisch Kranke und KZ-Häftlinge ermordet.[4] Schwanninger forschte und publizierte über die Geschichte der Tötungsanstalt, die Aktion T4 und Sonderbehandlung 14f13 sowie die Biografien der Opfer. Er baute die Opferdatenbank in Hartheim mit auf. Der von Florian Schwanninger und Irene Zauner-Leitner herausgegebene Band Lebensspuren (2013) zeigt anhand 26 ausgewählten Biografien die Verschiedenartigkeit der in Hartheim getöteten Frauen und Männer „im Hinblick auf ihren sozialen Hintergrund, Herkunftsland, Erkrankungen oder vorangegangene Aufenthalte in Konzentrations- und Arbeitslagern.“[5]

Er gehört zur wissenschaftlichen Kommission aus neun Historikerinnen und Historikern, die das Forschungsprojekt Erste Republik zur Geschichte Oberösterreichs zwischen 1918 und 1938 begleiten, das 2011 vom Land Oberösterreich initiiert wurde.[6]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Heimatkreis des Führers. Nationalsozialismus, Widerstand und Verfolgung im Bezirk Braunau. Verlag Steinmaßl, Grünbach 2005, ISBN 3-902427-18-3.[7]
  • „Meine Aufgabe in Hartheim bestand lediglich darin Akten zu vernichten.“ Das Projekt „Gedenkbuch Hartheim“ als Beitrag zur Rekonstruktion der NS-Euthanasieverbrechen im Schloss Hartheim 1940–1944. In: Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Jahrbuch 2007. Schwerpunkt Namentliche Erfassung von NS-Opfern. Lit Verlag, Wien u. a. 2007, ISBN 978-3-8258-0346-9, S. 95–108 (Volltext pdf)
  • „Wenn du nicht arbeiten kannst, schicken wir dich zum Vergasen.“ Die "Sonderbehandlung 14f13" im Schloss Hartheim 1941–1944. In: Brigitte Kepplinger u. a. (Hrsg.): Tötungsanstalt Hartheim. Verlag OÖ. Landesarchiv, Linz 2008, ISBN 978-3-900313-89-0, S. 155–2008.
  • Hartheim und Niedernhart. Zwei Stätten der NS-Euthanasie in Oberösterreich. In: Waltraud Häupl: Der organisierte Massenmord an Kindern und Jugendlichen in der Ostmark 1940–1945, Böhlau Verlag, Wien/ Köln/ Weimar 2008, ISBN 978-3-205-77729-8.
  • Max Petek: Biographie eines Widerstandskämpfers (= Texte und Materialien zu Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich. Band 2). hrsg. vom Landesverband Oberösterreich der AntifaschistInnen, WiderstandskämpferInnen und Opfer des Faschismus, Linz 2010, ISBN 978-3-9502752-1-6.
  • Hartheim 1940–1944. In: Günter Morsch, Bertrand Perz (Hrsg.): Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Metropol Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-940938-99-2, S. 118–130.
  • Die „Sonderbehandlung 14f13“ in den Konzentrationslagern Mauthausen und Gusen. Probleme und Perspektiven der Forschung. In: Mauthausen Memorial 2011. ISBN 978-3-9502824-1-2, S. 55–67. (Volltext pdf)
  • Virus. Beiträge zur Sozialgeschichte der Medizin. Band 11. Schwerpunkt: Behinderung(en) (= Zeitschrift des Vereins für Sozialgeschichte der Medizin). Hrsg. v. Carlos Watzka und Florian Schwanninger (Wien 2012)
  • Hrsg. mit Irene Zauner-Leitner: Lebensspuren. Biografische Skizzen von Opfern der NS-Tötungsanstalt Hartheim. Studien Verlag, Innsbruck u. a. 2013, ISBN 978-3-7065-5294-3.
  • Erinnern und Gedenken in Oberösterreich. Eine historische Skizze der Erinnerungskultur für die Opfer des Nationalsozialismus. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs. 23, Linz 2013, S. 171–260.
  • Le châteu de Hartheim et le «Traitement special 14f13». In: De l’Aktion T4 à l’Aktion 14f13. «Des vies sans valeur». Revue d’histoire de la Shoah n° 199/Octobre 2013, Paris 2013, S. 313–350.

Artikel

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Waltraud Häupl: Der organisierte Massenmord an Kindern und Jugendlichen in der Ostmark 1940–1845. 2008, S. 171.
  2. MitarbeiterInnen Schloss Hartheim (Memento des Originals vom 5. Februar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.schloss-hartheim.at
  3. Mag. Florian Schwanninger (Memento vom 22. August 2011 im Internet Archive) In: Braunauer Zeitgeschichte-Tage. September 2010.
  4. Florian Schwanninger: Hartheim und Niedernhart. Zwei Stätten der NS-Euthanasie in Oberösterreich (s. Veröffentlichungen) S. 161.
  5. Claudia Glunz, Thomas F. Schneider (Hrsg.): »Then Horror Came Into Her Eyes...«: Gender and the Wars. V&R Unipress, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8471-0341-7, Books received, S. 233f. (engl. un. dt.)
  6. Forschungsprojekt "Erste Republik"
  7. NS-Terror in Hitlers Geburtsort. Rezension. In: Der Standard. online 30. Januar 2006