Forrestal-Katastrophe

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Decksmannschaften bekämpfen das Feuer an Deck der USS Forrestal
Bilder der Deckskamera vom Beginn der Katastrophe
Feuerausbruch auf dem Flugdeck der USS Forrestal
USS Rupertus unterstützt die Löscharbeiten
Decksplan der Forrestal am 29. Juli 1967
Die Franklin D. Roosevelt erhielt infolge der Forrestal-Katastrophe 1969 als erster Träger ein neues Deckskanten-Löschsystem.

Die Forrestal-Katastrophe ereignete sich während des Vietnamkrieges am 29. Juli 1967 an Bord des Flugzeugträgers USS Forrestal. Sie kostete 134 Personen das Leben, 161 wurden verletzt. Eine fehlgezündete Zuni-Rakete hatte ein Flugzeug auf dem Flugdeck in Brand gesetzt. Dies löste eine Explosion aus, wodurch bereitstehende Munition sowie weitere Flugzeuge Feuer fingen. Der Großbrand setzte sich auch unterhalb des Flugdecks fort und konnte erst nach mehreren Stunden gelöscht werden.

Verlauf der Katastrophe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Flugzeugträger USS Forrestal hatte im Golf von Tonkin Position bezogen. Seit vier Tagen starteten Kampfflugzeuge gegen Ziele in Nordvietnam. Am fünften Tag, während der Vorbereitung auf eine 2. Startwelle, ereignete sich der Unfall.

  • 10:50 Uhr – Von einer abgestellten F-4 Phantom wird eine Zuni-Rakete fehlgestartet, was auf eine Kette von sicherheitsrelevanten Nachlässigkeiten und unglückliche Umstände zurückzuführen ist: den Ausfall des Sicherungsbolzens, das vorschriftswidrig zu frühe Anschließen der Rakete an den Steuerungsregelkreis und eine Überspannung nach dem Anlassen des Flugzeugs. Die Rakete trifft den Treibstofftank einer aufgetankten und bewaffneten A-4 Skyhawk. In einem benachbart stehenden Flugzeug befindet sich zu diesem Zeitpunkt Korvettenkapitän John McCain als Pilot, dem noch rechtzeitig die Flucht aus seinem brennenden Flugzeug gelingt. Die Rakete ist gesichert und explodiert daher nicht. Aber auslaufender Treibstoff entzündet sich und bringt das Flugzeug nach kurzer Zeit zur Explosion. Diese löst eine Kettenreaktion im hinteren Bereich des Flugdecks der Forrestal aus. Explodierende Munition und brennender Treibstoff entzünden sofort weitere Flugzeuge in der unmittelbaren Umgebung. Die anrückenden Löschmannschaften des Schiffes werden durch explodierende 1000-Pfund-Bomben, die teilweise noch aus dem Zweiten Weltkrieg stammen und technisch veraltet und verrostet sind, verletzt oder getötet, die zur Brandbekämpfung nachrückenden, unerfahrenen Mannschaften behindern sich gegenseitig. Der Zerstörer USS Rupertus (DD 851) eilt zur Unterstützung der Brandbekämpfung herbei.
  • 11:47 Uhr – Der Brand auf dem Oberdeck wird als gelöscht gemeldet. Wrackteile und entzündliches Material werden in zum Teil waghalsigen Aktionen über Bord geworfen.
  • 12:45 Uhr – Wind und durchsickernder Treibstoff entflammen Teile im 1. und 2. Unterdeck. Mehreren Seeleuten wird der Weg abgeschnitten, sie ersticken oder kommen in den Flammen um.
  • 13:48 Uhr – Es wird gemeldet, dass auf dem 1., 2. und 3. Deck Feuer ausgebrochen ist, das Antriebs- und Steuerungssystem aber einsatzfähig ist.
  • 14:12 Uhr – Die hintere Funkabteilung muss wegen dichten Rauchs und Wassers evakuiert werden. Alle Brände auf dem 1. Deck sind gelöscht.

Während die Löscharbeiten in den unteren Decks anhielten, traf sich die Forrestal mit dem Lazarettschiff USS Repose (AH-16).

Der kommandierende Befehlshaber der Einsatzgruppe befahl dem Kapitän der Forrestal, Kurs Richtung Subic Bay auf den Philippinen zu nehmen. Die Brände in den Unterdecks 2 und 3 konnten wegen starken Rauchs und Hitze nur schwer bekämpft werden und waren erst 0:30 Uhr am 30. Juli vollständig gelöscht.

Verluste und Schäden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 134 Personen starben unmittelbar durch den Brand oder infolge der erlittenen Verletzungen.[1]
  • 161 Personen wurden verletzt.
  • 21 Flugzeuge wurden zerstört (11 A-4E Skyhawk, 7 F-4B Phantom II und 3 RA-5C Vigilante)[2].
  • Die Beschädigungen am Schiff machten die Rückkehr zum Heimathafen Norfolk erforderlich.
  • Reparaturarbeiten an dem beschädigten Schiff dauerten etwa sieben Monate.
  • Der Schaden wurde auf 72 Millionen US-Dollar beziffert.

In Auswertung der Katastrophe wurde die Entwicklung einer ferngesteuerten Löschanlage für Flugdecks angeordnet. Weitere Maßnahmen dienten der Sicherung der an den Flugzeugen angebrachten Bewaffnung. Zur Brandbekämpfung gab es für die Besatzungen auf den Schiffen der US-Marine von nun an verbesserte Ausrüstung und intensiveres Training.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gregory A. Freeman: Sailors to the End: The Deadly Fire on the USS Forrestal and the Heroes Who Fought It. William Morrow, New York City, 2002. ISBN 978-0-06-621267-8
  • Isaak M. Korotkin: Seeunfälle und Katastrophen von Kriegsschiffen. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin, 1991. S. 34–50. ISBN 3-327-01226-1
  • Brave Men of the USS Forrestal. In: U.S. Naval Aviation News (Washington D.C.), Jg. 44, Oktober 1967, S. 7–11.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. USS Forrestal – Verzeichnis der Opfer (Seite abgerufen am 9.Juni 2008, Seiten-Autor: unbekannt, Publizierende Organisation: The Virtual Wall )
  2. http://www.history.navy.mil/research/histories/ship-histories/danfs/f/forrestal-cva-59.html

Koordinaten: 19° 9′ 5″ N, 107° 23′ 5″ O

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Forrestal-Katastrophe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien