John McCain

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John McCain (2009)
Signatur von John McCain

John Sidney McCain III (* 29. August 1936 auf der US-Militärbasis Coco Solo in der Panamakanalzone) ist ein US-amerikanischer Politiker der Republikanischen Partei und seit 1987 Senator für den Bundesstaat Arizona. Er war Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2008, bei der er Barack Obama unterlag. Bereits im Jahr 2000 hatte er sich um das Amt des US-Präsidenten beworben, war in der Vorwahl jedoch an George W. Bush gescheitert. McCain kämpfte als Jagdbomberpilot der United States Navy im Vietnamkrieg, wurde abgeschossen und geriet in mehrjährige Kriegsgefangenschaft.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

McCain auf der Naval Academy, ca. 1954

Kindheit und Jugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

McCain kam als Sohn von John Sidney McCain Jr. (1911–1981) und Roberta Wright McCain (* 1912) in der damals von den USA kontrollierten Panamakanalzone zur Welt. Er hat zwei Geschwister, Jean Alexandra („Sandy“) McCain Morgan (* 1934) und den Bühnenschauspieler Joseph („Joe“) Pinckney McCain II (* 1942). Sowohl sein Vater als auch sein Großvater John Sidney McCain Sr. waren Admirale der US Navy. Bis zum Alter von zehn Jahren besuchte er verschiedene Schulen auf Militärstützpunkten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog die Familie 1946 ins nördliche Virginia. Ab 1949 folgte die Familie erneut dem Vater zwei Jahre lang durch verschiedene Marinestützpunkte, insgesamt besuchte John McCain etwa 20 verschiedene Schulen.[1] Ab 1951 besuchte er die private „Episcopal High School“ in Alexandria (Virginia), die er 1954 erfolgreich abschloss. Wie sein Vater und sein Großvater zuvor trat er daraufhin in die US Naval Academy in Annapolis ein.

Vietnam-Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

McCain nahm als Marineflieger der US-Navy am Vietnamkrieg teil. Am 29. Juli 1967 befand er sich auf dem Flugdeck der USS Forrestal im Cockpit einer A-4E Skyhawk, als das neben ihm stehende Flugzeug von einer fehlgezündeten Zuni-Rakete getroffen wurde. Es gelang ihm, sich aus dem brennenden Flugzeug zu retten. 90 Sekunden später kam es zu einer Kettenreaktion von explodierender Munition und Treibstoff, bei der 134 Soldaten getötet wurden (siehe Forrestal-Katastrophe).

Am 26. Oktober 1967[2] wurde er während eines Angriffs auf ein Wasserkraftwerk bei Hanoi abgeschossen und geriet in nordvietnamesische Gefangenschaft. Bei seinem Abschuss wurde McCain schwer verwundet, brach sich beide Arme und erlitt weitere Verletzungen, als er aus dem Flugzeug geschleudert wurde.[3] Im Lager Hanoi Hilton wurde McCain Opfer von Folter, die bei ihm permanente körperliche Behinderungen verursachte.[4] Die Vietnamesen wollten McCain – als Sohn eines Admirals – vorzeitig freilassen; McCain weigerte sich allerdings, da er dies als positive Öffentlichkeitsarbeit für den Feind ansah. Am 14. März 1973[5] wurde er in die Freiheit entlassen. 1981 trat er aus der Navy im Rang eines Captains aus. Im Laufe seiner Militärkarriere erhielt er die Auszeichnungen Distinguished Flying Cross, Silver Star, Bronze Star, Legion of Merit und das Purple Heart.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John McCain hat vier leibliche Kinder, ein Adoptivkind und zwei Stiefsöhne aus zwei Ehen. Aus seiner ersten Ehe mit dem Model Carol Shepp, die von 1965 bis 1980 dauerte, stammen die Tochter Sidney McCain (* 1966; Musikbranche) sowie die beiden Stiefsöhne Doug (* 1959; Pilot in der Zivilluftfahrt) und Andy McCain (* 1962; Vizepräsident von Hensley & Co.). Seine zweite Ehe schloss er am 17. Mai 1980 mit Cindy Hensley (* 1954; Aufsichtsratsvorsitzende von Hensley & Co.), die bis heute besteht und aus der die Kinder Meghan McCain (* 1984; Journalistin), John Sidney „Jack“ McCain IV. (* 1986; Naval Academy), James „Jimmy“ McCain (* 1988; Marine Corps) und die aus Bangladesch stammende Adoptivtochter Bridget McCain (* 1991) hervorgingen. Mittlerweile ist John McCain vierfacher Großvater.

Im Juli 2017 wurde bei McCain nach der operativen Entfernung eines Blutgerinnsels über dem linken Auge ein bösartiger Gehirntumor (Glioblastom) diagnostiziert.[6] Er unterzog sich einer Chemotherapie und arbeitet nach einer längeren Pause seit Ende August 2017 wieder im Kongress.[7]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitglied des Repräsentantenhauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John McCain wurde bei der Wahl 1982 für den 1. Kongresswahlbezirk Arizonas in das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gewählt und trat sein Mandat am 3. Januar 1983 an. Er gewann auch die Wiederwahl 1984.

Senator[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Wahl zum US-Senat 1986 wurde McCain für Arizona in den Senat der Vereinigten Staaten gewählt, dem er seit dem 3. Januar 1987 angehört. Dort sitzt McCain unter anderem im Ausschuss für die Streitkräfte und im Handels-, Wissenschafts- und Verkehrsausschuss.

Von 1989 bis 1991 wurde sein Wirken im Rahmen der sogenannten Keating-Five-Affäre im Zusammenhang mit der Savings-and-Loan-Krise von der Ethik-Kommission des Senats untersucht.

Seit 1993 ist McCain Vorsitzender des Board of Directors des International Republican Institute (IRI), einer steuerfinanzierten, den Republikanern nahestehenden Einrichtung für Demokratieförderung in Entwicklungsländern.[8]

Im Oktober 2005 stimmte der US-Senat mit 90 zu 9 Stimmen seinem Gesetzentwurf zu, der „grausame, unmenschliche und entwürdigende Behandlungen“ von Gefangenen verbietet. McCain führte dazu an verschiedenen Stellen aus, Terroristen seien von Grund auf böse, aber es geht nicht um sie, „es geht um uns. Wir befinden uns in einem Kampf um die Werte, für die wir stehen.“ Dazu gehöre die Einhaltung der Menschenrechte, „ganz gleich, wie schrecklich unsere Gegner auch sein mögen“. Ein Gesetz zum Folterverbot konnte nicht verabschiedet werden, da Präsident George W. Bush sein Veto einlegte − mit der Begründung, das Gesetz biete der CIA beim Verhör von Terroristen zu wenig Spielraum.[9]

Seit Januar 2015 ist McCain – nach dem Sieg der Republikaner in der Wahl 2014 – Vorsitzender des Streitkräfteausschusses im Senat.

Bei der Senatswahl 2016 trat die bisherige demokratische Kongressabgeordnete Ann Kirkpatrick gegen McCain an. Manche Umfragen ergaben deutliche Vorsprünge für McCain, andere etwa gleich hohe Werte für beide Kandidaten, weshalb die Arizona Daily Sun diesen Senatswahlkampf als den härtesten bezeichnet hat, den McCain jemals zu bestreiten hatte.[10] Nachdem im Oktober 2016 als sexistisch bezeichnete Äußerungen des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump öffentlich geworden waren, zog McCain seine Unterstützung für den umstrittenen Trump zurück.[11] McCain gewann die Wahl im November 2016 deutlich.[12] Seine neue Amtszeit läuft bis zum 3. Januar 2023.

Präsidentschaftskandidatur 2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im Jahr 2000 bewarb McCain sich um die Präsidentschaft. Er war bei der Vorwahl innerhalb der Republikanischen Partei der wichtigste Gegenkandidat des Establishment-Favoriten George W. Bush. Nach einem viel beachteten Sieg bei der Vorwahl in New Hampshire gewann er insgesamt nur sieben andere Staaten für sich und unterlag schließlich dem späteren Wahlsieger Bush.

Verärgert wegen seiner Behandlung durch das Partei-Establishment, das Bush unterstützt hatte und das McCain für eine Schmutzkampagne gegen ihn während der Vorwahl 2000 verantwortlich machte, überlegte er im Jahr 2001, die Republikaner zu verlassen und zukünftig als Unabhängiger im Senat zu arbeiten. Die letztlich ergebnislosen Verhandlungen mit dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der Demokraten Tom Daschle waren, wie 2017 bekannt wurde, weit fortgeschritten und hätten die Republikaner ihre Mehrheit im Senat gekostet.[13]

Präsidentschaftskandidatur 2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John McCain im Wahlkampf 2007

Im Frühjahr 2007 erklärte John McCain in einem CBS-Interview seinen erneuten Antritt für das Amt. Die ehemaligen Außenminister der Vereinigten Staaten Henry Kissinger, Alexander Haig, George P. Shultz und Lawrence Eagleburger unterstützten die Kandidatur.

Während John McCain bei der ersten Vorwahl-Abstimmung in Iowa lediglich Vierter wurde, schaffte er es, die folgenden Vorwahlen in New Hampshire, South Carolina und Florida zu gewinnen. Nach einer Umfrage der Washington Post vom 14. Januar 2008 lag McCain auch landesweit vor den konservativen Ex-Gouverneuren Mike Huckabee und Mitt Romney und deutlich vor weiteren Kandidaten wie dem libertären Kongressabgeordneten Ron Paul.

Seit der Vorwahl in Florida galten nur noch McCain und Romney als aussichtsreiche Kandidaten für den weiteren innerparteilichen Wahlkampf. Der abgeschlagene ehemalige Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, zog seine Kandidatur am 30. Januar zurück und gab eine Wahlempfehlung für McCain ab. Auch der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, verkündete die Unterstützung der Kandidatur McCains.

Nach dem „Super Tuesday“ galt McCain als klarer Favorit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner.[14] Als sein Mitbewerber Romney am 7. Februar ausstieg, war McCains Vorwahlsieg praktisch nicht mehr zu gefährden,[15] auch wenn Huckabee sich bis dahin noch nicht von seiner Kandidatur verabschiedet hatte.

Nach den Vorwahlen in Ohio, Vermont und Texas am 4. März 2008 überschritt McCain die nötige Zahl von 1191 Delegierten für die Nominierung als Nachfolger George W. Bushs, die bei der Republican National Convention, dem Nominierungsparteitag seiner Partei, erfolgte. Als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten und damit als Running Mate wählte McCain Sarah Palin, Gouverneurin des Bundesstaates Alaska.

McCain vereinte bei der Präsidentschaftswahl am 4. November 2008 die Stimmen von 173 Wahlmännern auf sich und unterlag damit deutlich Barack Obama, dem Kandidaten der Demokraten für das Präsidentenamt, der 365 Wahlmänner gewann.[16] Beim absoluten Verhältnis der Wählerstimmen im gesamten Land erreichte McCain 46 Prozent, während für Obama 53 Prozent stimmten.[17] Kurz nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse aus den Ostküstenstaaten räumte McCain seine Niederlage ein und gratulierte Obama telefonisch.[18] In einer anschließenden Rede in Arizona vor seinen Anhängern gab er sich gegenüber Obama versöhnlich und rief seine Unterstützer zur parteiübergreifenden Zusammenarbeit auf.[19]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einordnung in das politische Spektrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John McCain (Mitte) bei der State of the Union Address von Präsident Obama im Januar 2011 mit (von links) John Kerry, Michael C. Burgess, Tom Udall und Joe Lieberman

John McCain entsprach in seinen ersten Jahren im Senat, also in der zweiten Hälfte der 1980er und in der ersten Hälfte der 1990er Jahre, ausweislich seines Abstimmungsverhaltens weitgehend dem Mainstream seiner Partei.[20] Seitdem wich er häufiger davon ab und vertrat insbesondere in innenpolitischen Fragen häufiger moderatere Positionen als die Parteilinie, indem er sich etwa für Sozialprogramme aussprach.[21] Deshalb galt er dem rechten Flügel der Republikaner seit seinem Antreten als Präsidentschaftskandidat in der parteiinternen Vorwahl 2000 als nicht konservativ genug.[22] In diesem Vorwahlkampf bezeichnete er führende Religiös-Konservative wie Pat Robertson und Jerry Falwell als „Agenten der Intoleranz“.[23] 2006 versöhnte er sich jedoch mit ihnen, nachdem sie im Jahr 2000 dafür gesorgt hatten, dass er in Virginia hätte gewinnen können. Am 22. Mai 2008 distanzierte sich McCain von Pastor John Hagee, der Hitlers Vorgehen und damit den Holocaust wie auch Hurrikan Katrina[24] (als Strafe für die in New Orleans geplante Gay-Parade) als „gottgewollt“ bezeichnet hatte, und auch von Pastor Rod Parsley, der behauptet hatte, Moslems seien von Dämonen besessen und es sei Amerikas Aufgabe, diese „falsche Religion“ zu zerstören.

McCain befürwortete lange eine liberalere Einwanderungspolitik als seine Partei insgesamt, etwa in einer gemeinsamen Gesetzesvorlage mit dem Senator Ted Kennedy. McCain vollzog nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2008 einen Rechtsschwenk. 2010 waren er und sieben andere Republikaner laut einer Erhebung des Politikmagazins National Journal die Senatoren mit dem konservativsten Abstimmungsverhalten im US-Senat. Er änderte auch seine Ansichten zur Einwanderungsfrage.[25] Ein Grund dafür war wohl seine Bewerbung um die Wiederwahl als Senator, bei der er mit J. D. Hayworth einen starken innerparteilichen Konkurrenten hatte. Letztlich wurde McCain mit einem Stimmenanteil von 56,2 Prozent wieder nominiert; bei der eigentlichen Senatswahl im November 2010 gewann er mit 59,3 Prozent der Stimmen ungefährdet vor dem Demokraten Rodney Glassman (34,6) und David Nolan von der Libertarian Party (4,7). Am 3. Januar 2011 trat er seine fünfte Amtsperiode im Senat an.

In der Haushaltskrise 2011 bezeichnete er Abgeordnete der ultrarechten Tea-Party-Bewegung als „Hobbits“,[26] nachdem sie John Boehner, dem republikanischen Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus, die Unterstützung verweigert hatten, des Weiteren bezeichnete er ihre Ideen als „bizarr und naiv“.[27]

McCain unterstützte 2013 (anders als viele Parteifreunde) die überparteiliche Initiative für eine Einwanderungsreform (Border Security, Economic Opportunity, and Immigration Modernization Act of 2013), die die Einbürgerung illegal Eingewanderter vereinfachen sollte. Diese vom Senat verabschiedete Vorlage scheiterte aber im Repräsentantenhaus. Er beklagte auch das Verdursten illegaler Immigranten in der Wüste von Arizona.[28] Harry Enten von FiveThirtyEight wertete McCains langjähriges Abstimmungsverhalten aus und bezeichnete im Februar 2017 seine Positionen als relativ konsistent. Die republikanische Partei sei mit der Zeit immer weiter nach rechts gedriftet und McCain dadurch an ihren moderaten Rand gerückt.[20]

Außenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John McCain während der MSC 2016

McCain hat in der Vergangenheit militärische Interventionen und eine harte Linie in der Außen- und Sicherheitspolitik befürwortet. Er unterstützte den Irakkrieg,[29] und äußerte 2004 die These, US-Präsident Bush und das Verteidigungsministerium hätten zu wenig Soldaten im Irak stationiert.[30][31] McCain schloss Anfang 2006 ein militärisches Vorgehen gegen den Iran als letzte Möglichkeit nicht aus.[32] Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2008 wandelte er bei einer Veranstaltung den Refrain des Liedes Barbara Ann der Beach Boys zu Bomb Iran („Bombardiert Iran“) ab.[33] Er kritisierte die Außenpolitik Barack Obamas mehrmals als zu konziliant.[34]

McCain betonte 2007 die Werte- und Interessengemeinschaft der USA mit Europa und hob die Bedeutung der politischen Abstimmung mit den befreundeten Demokratien des europäischen Kontinents hervor.[35]

McCain hat sich oft gegen autoritäre Herrscher ausgesprochen. 2007 kritisierte er die Politik Wladimir Putins und bezeichnete Russland als „revanchistisch“.[35] Im Zuge des Euromaidan-Proteste 2013 in der Ukraine unterstützte McCain die ukrainische Opposition.[36] Anfang 2017 bezeichnete McCain Putin als „Mörder und Verbrecher“.[37] Den weißrussischen Machthaber Aljaksandr Lukaschenka nannte McCain „einen rücksichtslosen, repressiven und brutalen Tyrannen auf der falschen Seite der Geschichte“.[38] Während der Proteste in der Türkei 2013 erklärte McCain: „Ich liebe die Türkei. Sie hat in den vergangenen Jahren einen enormen Wirtschaftsaufschwung verzeichnet. Aber ich glaube, dass in den Augen vieler Türken sich Erdogan mehr wie ein Diktator als wie ein Ministerpräsident verhält.“[39] Den Umsturz in Ägypten 2013 nannte McCain einen ungerechtfertigten Putsch und forderte die Freilassung von Mohammed Mursi.[40]

Während des Bürgerkrieges in Syrien forderte er 2012 eine Sicherheitszone im Land, die Bewaffnung der syrischen Opposition[41] und Angriffe auf Flugzeuge der Streitkräfte Syriens.[42] Nachdem Barack Obama erklärte, ein möglicher Militäreinsatz habe keinen Regimewechsel zum Ziel, forderte McCain den Sturz Assads.[43] Später unterstützte McCain Obamas Pläne für eine Intervention.[44]

Als während der Überwachungs- und Spionageaffäre 2013 bekannt wurde, dass die Vereinigten Staaten das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel abhörten, forderte McCain eine Entschuldigung von Barack Obama.[45]

Innenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

McCain fordert eine Abkehr der freien Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch und von der Entscheidung Roe v. Wade des Obersten Gerichtshofes aus den 1970er Jahren, die maßgeblich für die gegenwärtig in den USA gültige Regelung ist.[46] Er lehnt zwar gleichgeschlechtliche Ehen ab,[46] akzeptiert aber eingetragene Lebenspartnerschaften in den einzelnen Bundesstaaten.[47] Forschung an embryonalen Stammzellen möchte er strafrechtlich verbieten lassen (zumindest insoweit diese aus Embryos gewonnen sind, die nur zu Forschungszwecken gezüchtet werden).[46]

McCain sprach sich 2008 gegen Beschränkungen des Verkaufs, Erwerbs und Tragens von Schusswaffen aus.[48] Gleichwohl befürwortete er Kontrollmaßnahmen beim Waffenverkauf sowie bestimmte Beschränkungen des politischen Einflusses von Interessenverbänden, die auch die Waffen-Lobby betreffen könnten. Aus diesen Gründen herrschte bei Mitgliedern der National Rifle Association ein gewisses Misstrauen McCain gegenüber.[49]

McCain befürwortet die Todesstrafe[50] und die Ausweitung ihrer Anwendung auf internationale Drogenhändler[51] und Terroristen,[52] aber das Verbot ihrer Anwendung auf Minderjährige.[53] Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Fall Kennedy v. Louisiana, die ein Todesurteil wegen der Vergewaltigung eines Kindes für verfassungswidrig erklärte, bezeichnete er als „einen Angriff gegen die Bemühungen der Strafverfolgung, diese schrecklichen Täter wegen des Begehens des verabscheuungswürdigsten Verbrechens zu bestrafen“.[54]

Im Juni 2008 sprach sich McCain dafür aus, bis zum Jahre 2030 in den USA 45 neue Atomkraftwerke zu bauen. Seit den 1970er Jahren wurden in den USA wegen der ungeklärten Entsorgung keine neuen Atomkraftwerke mehr genehmigt.[55] Auch die Aufhebung des 1982 verhängten und seither jährlich verlängerten Moratoriums für Ölbohrungen vor den Küsten der USA gehörte, anders als noch 2000, im Präsidentschaftswahlkampf 2008 zu seinem Programm.[56]

McCain kritisierte 2015 im Vorwahlkampf der Republikaner um die Präsidentschaftswahl 2016 den Kandidaten Donald Trump, der illegale Einwanderung zu einem Wahlkampfthema machte: Trump fördere parteiintern die „Bekloppten“ („crazies“). Trump griff McCain danach massiv an, indem er ihm sein militärisches Heldentum absprach, da er sich habe gefangen nehmen lassen (siehe Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2015/16#„The Summer of Trump“).[57]

Auch nach Amtsantritt Trumps als Präsident im Januar 2017 gehört McCain zu dessen schärfsten innerparteilichen Kritikern.[58] So wandte er sich zusammen mit Senator Lindsey Graham gegen Trumps Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder, da es kontraproduktiv sei.[59] Mitte Februar 2017 kritisierte McCain dessen Umgang mit der Presse. Nachdem Trump diese als Volksfeinde („the enemy of the American People!“) bezeichnet hatte, äußerte McCain „So fangen Diktatoren an“ („That’s how dictators get started“).[60] Im Oktober 2017 rechnete McCain in einer Rede mit dem politischen Zeitgeist ab, der in und um das Weiße Haus herrsche,[61] unter anderem mit dem identitären Nativismus und der isolationistischen Haltung America First ab, die Trump, sein Redenschreiber Stephen Miller und auch sein ehemaliger Chefberater Stephen Bannon propagieren.[62]

Ende Juli scheiterte der vorerst letzte Versuch der Republikaner im US-Senat, ihre Gesundheitsreform durchzusetzen und damit ihr Versprechen der Abschaffung von Obamacare zumindest teilweise zu erfüllen, an der Ablehnung McCains, der sich den republikanischen Senatorinnen Susan Collins und Lisa Murkowski anschloss und damit die entscheidende Stimme zum Scheitern des Gesetzentwurfs abgab.[63]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Mark Salter: Faith of my fathers. Random House, New York NY u. a. 1999, ISBN 0-375-50191-6.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Paul Alexander: Man of the People. The Life of John McCain. John Wiley & Sons, Hoboken NJ 2003, ISBN 0-471-22829-X.
  • Robert Timberg: John McCain. An American Odyssey. Free Press, New York NY u. a. 2007, ISBN 978-1-4165-5985-6.
  • Kira Wizner: John McCain. Profile of a Leading Republican. Rosen, New York NY 2007, ISBN 978-1-4042-1911-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John McCain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: John McCain – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. McCain’s WMD is a mouth that won’t quit. In: USA Today, November 2007 (englisch).
  2. http://www.npc.navy.mil/NR/rdonlyres/330F85C7-5982-4B09-A46A-373964430AFB/0/Document.pdf
  3. Sein Finger sollte nicht in die Nähe des Roten Knopfes kommen. In: der Freitag. 29. August 2008, abgerufen am 3. August 2013.
  4. USA: McCain steigt ins Rennen ums Präsidentenamt ein. In: Die Welt. 1. März 2007, abgerufen am 3. August 2013.
  5. P.O.W. Commander Among 108 Freed. In: The New York Times. Abgerufen am 3. August 2013 (PDF; 158 kB, englisch).
  6. Elliot Hannon: Sen. John McCain Diagnosed With Aggressive Form of Brain Tumor. In: Slate, 19. Juli 2017 (englisch).
  7. Dan Nowicki: John McCain to continue radiation treatments while working in the Senate. In: AZCentral.com, 12. September 2017 (englisch).
  8. Sarah Hamburger: A Hidden Agenda – John McCain and the IRI. Council on Hemispheric Affairs, 25. Juni 2008.
  9. Siehe dazu insgesamt Bill Schneider: The persistence of John McCain. In: CNN, 10. Dezember 2005 (englisch); Marc Santora: McCain’s Stance on Torture Becomes Riveting Issue in Campaign. In: The New York Times, 16. November 2007 (englisch); Bush will weiter foltern lassen. In: Die Tageszeitung, 9. März 2008.
  10. Joe Ferguson: Kirkpatrick, Trump giving McCain his toughest race. In: Arizona Daily Sun, 2. Oktober 2016 (englisch).
  11. Alan Rappeport: John McCain Withdraws Support for Donald Trump After Disclosure of Recording. In: The New York Times, 8. Oktober 2016 (englisch).
  12. Another six years: John McCain wins Senate race over Ann Kirkpatrick. In: KTAR.com, 8. November 2016 (englisch).
  13. Philip Shenon: McCain Once Almost Left the GOP. What About Now? In: Politico, 30. Juli 2017 (englisch).
  14. John McCain triumphiert am Super Tuesday (Memento vom 12. März 2012 im Internet Archive), Netzeitung, 6. Februar 2008.
  15. McCain Looks Confident; Democratic Race Tightens. In: The New York Times, 4. Februar 2008 (englisch).
  16. Phoenix: Barack Obama wird der 44. Präsident der Vereinigten Staaten (6. November 2008) (Memento vom 23. Januar 2009 im Internet Archive)
  17. Endergebnis der 44. US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2008: Barack Obama vs. John McCain. In: Statista.com, 4. November 2008.
  18. Enttäuschung in Arizona: McCain räumt seine Niederlage ein. In: Spiegel Online, 5. November 2008.
  19. McCains Rede im Wortlaut: „Amerikaner geben niemals auf“. In: Spiegel Online, 5. November 2008.
  20. a b Harry Enten: Is John McCain A Maverick? In: FiveThirtyEight, 27. Februar 2017 (englisch).
  21. Kandidatensuche in den USA. In: n-tv.de, 6. März 2007.
  22. Tobias Betz: McCain und seine konservativen Feinde. In: Stern.de, 12. Februar 2008.
  23. Bush mobilisiert Konservative im US-Wahlkampf (Memento vom 10. Februar 2008 im Internet Archive). In: Financial Times Deutschland, 8. Februar 2008.
  24. Minister: Split with McCain ‘best for both of us’. In: CNN.com, 22. Mai 2008 (englisch).
  25. McCain’s Shift Makes Him Senate’s Most Conservative. In: National Journal, 24. Februar 2011 (englisch).
  26. Die Hobbits der Tea-Party-Bewegung. In: Süddeutsche Zeitung, 28. Juli 2011.
  27. McCain ärgert sich über die «Tea-Party-Hobbits». In: Basler Zeitung, 28. Juli 2011.
  28. Sebastian Fischer: Abstimmung im US-Senat – Republikanern droht Bruderkampf um Einwanderungsreform. In: Spiegel Online, 28. Juni 2013.
  29. Einig im Kampf gegen die „Fratze des Terrors“. In: Welt Online, 3. Februar 2002.
  30. McCain criticizes Pentagon on Iraq war. In: CNN.com, 5. Dezember 2004 (englisch).
  31. „U.S. Mideast Commander: Violence in Iraq Down Dramatically, but Gains Not Irreversible“. In: Fox News, 4. März 2008 (englisch).
  32. McCain on Iran: Military Option Is ‘Last Option’. In: National Public Radio, 23. Januar 2006 (englisch).
  33. McCain Jokes About Bombing Iran. In: The Washington Post, 19. April 2007 (englisch).
  34. Schwenk in der Antiterrorpolitik: Republikaner werfen Obama „Kapitulation“ vor. In: N24, 24. Mai 2013 (englisch).
  35. a b John McCain: An Enduring Peace Built on Freedom – Securing America’s Future. In: Foreign Affairs, November/Dezember 2007 (englisch).
  36. US-Senator McCain wirbt für Europa. In: Sueddeutsche.de, 15. Dezember 2013.
  37. FAZ.net 12. Januar 2017
  38. McCain blasts Lukashenko as ‘brutal tyrant’. In: Fox News, 4. August 2013 (englisch).
  39. Shortnews.de.
  40. Machtkampf in Ägypten: US-Republikaner solidarisieren sich mit Muslimbrüdern. In: Spiegel Online, 6. August 2013.
  41. US-Senatoren wollen Waffen an syrische Rebellen liefern. In: Die Zeit, 8. September 2012.
  42. McCain drängt Obama zu Angriff auf Syrien. In: Die Zeit, 23. August 2013.
  43. McCain will Assads Sturz beschleunigen. zeit.de 28. August 2013.
  44. Ansgar Graw: Einflussreiche Republikaner wollen Assad angreifen. In: Welt Online, 3. September 2013.
  45. Merkels Handy: Republikaner John McCain fordert Entschuldigung von Obama. In: Spiegel Online, 10. November 2013.
  46. a b c Human Dignity and the Sanctity of Life, Webauftritt John McCains (englisch).
  47. McCain OK with gays’ legal accords; marriage is another thing. In: Arizona Daily Star, 25. November 2006 (englisch).
  48. Protecting Second Amendment Rights, Webauftritt John McCains (englisch).
  49. US-Waffenlobby mobilisiert gegen Obama. In: Spiegel Online, 19. Mai 2008.
  50. John McCain on Crime. In: Ontheissues.org (englisch).
  51. John McCain on Drugs. In: Ontheissues.org (englisch).
  52. The Candidates on the Death Penalty. In: Pewforum.org (englisch).
  53. ABC News 4 – John McCain. In: CFC.wciv.com (englisch).
  54. Im Original: „an assault on law enforcement's efforts to punish these heinous felons for the most despicable crime“. Sara Kugler: Obama disagrees with high court on child rape case. In: AZCentral.com, 25. Juni 2008 (englisch).
  55. McCain will 45 Atommeiler bauen. In: Frankfurter Rundschau, 19. Juni 2008.
  56. Sheryl Gay Stolberg: Bush Will Seek to End Offshore Oil Drilling Ban. In: The New York Times, 18. Juni 2008 (englisch).
  57. Verbale Entgleisungen: Donald Trump pöbelt gegen Parteifreund McCain. In: Spiegel Online, 19. Juli 2017.
  58. Heike Buchter: Trumps bester Feind. In: Zeit Online, 2. Februar 2017; Peter Winkler: Ein Stachel in Trumps Seite. In: Neue Zürcher Zeitung, 24. Februar 2017.
  59. McCain geht mit Trump hart ins Gericht. In: FAZ.net, 29. Januar 2017.
  60. Amy B. Wang: ‘That’s how dictators get started’: McCain criticizes Trump for calling media ‘the enemy’. In: The Washington Post, 18. Februar 2017 (englisch).
  61. a b Remarks At The 2017 Liberty Medal Ceremony. In: Medium.com (englisch).
  62. McCain: USA keine Nation des „Blut und Boden“. In: Süddeutsche Online, 17. Oktober 2017.
  63. Robert Pear, Thomas Kaplan: Senate Rejects Slimmed-Down Obamacare Repeal as McCain Votes No. In: The New York Times, 27. Juli 2017 (englisch).
  64. Dekret des Präsidenten der Ukraine Nr. 340/2016 vom 22. August 2016; abgerufen am 20. Oktober 2016 (ukrainisch)