Forsyth-Edwards-Notation

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Die Forsyth-Edwards-Notation (FEN) oder in der erweiterten Form (X-FEN) ist eine Kurznotation, mit der jede beliebige Brettstellung im Schach niedergeschrieben werden kann.

FEN basiert auf einem System, das der schottische Zeitungsjournalist David Forsyth entwickelt hat. Dieses System wurde im 19. Jahrhundert populär. Es wurde durch Steven J. Edwards erweitert, um dadurch auch die Nutzung durch Computer zu unterstützen. FEN ist ein integraler Bestandteil der Portable Game Notation, wo es genutzt wird, andere Startaufstellungen anzugeben als die gewöhnliche.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine FEN ist in sechs Gruppen aufgeteilt, die durch Leerzeichen voneinander getrennt sind. Diese geben jeweils an:

  1. Figurenstellung
  2. Zugrecht
  3. Rochaderechte
  4. Möglicher En-passant-Schlag
  5. Gespielte Halbzüge seit dem letzten Bauernzug oder dem Schlagen einer Figur.
  6. Nummer des nächsten Zuges
  a b c d e f g h  
8 Chess rdt45.svg Chess ndt45.svg Chess bdt45.svg Chess qdt45.svg Chess kdt45.svg Chess bdt45.svg Chess ndt45.svg Chess rdt45.svg 8
7 Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg Chess pdt45.svg 7
6 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 6
5 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 5
4 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 4
3 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 3
2 Chess plt45.svg Chess plt45.svg Chess plt45.svg Chess plt45.svg Chess plt45.svg Chess plt45.svg Chess plt45.svg Chess plt45.svg 2
1 Chess rlt45.svg Chess nlt45.svg Chess blt45.svg Chess qlt45.svg Chess klt45.svg Chess blt45.svg Chess nlt45.svg Chess rlt45.svg 1
  a b c d e f g h  

Diagramm 1: Die Startposition einer Schachpartie

Zum Beispiel wird die Startposition einer Schachpartie in FEN (siehe Diagramm 1) so angegeben:

rnbqkbnr/pppppppp/8/8/8/8/PPPPPPPP/RNBQKBNR w KQkq - 0 1

Figurenstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Gruppe beschreibt die Positionen der Figuren auf dem Brett. Dies geschieht reihenweise von oben links (Feld a8) bis unten rechts (Feld h1). Jede Reihe wird durch einen Schrägstrich von der nächsten getrennt. Jede Reihe besteht aus Buchstaben für die Figuren und Zahlen für die Anzahl der Leerfelder. Die Summe der Figuren und Leerfelder in einer Reihe muss genau acht ergeben. Weiße Figuren werden in Groß-, schwarze Figuren in Kleinbuchstaben angegeben. Für die Figuren werden die Abkürzungen der englischen Bezeichnungen verwendet („r“ = Rook (Turm), „n“ = Knight (Springer), „b“ = Bishop (Läufer), „q“ = Queen (Dame), „k“ = King (König), „p“ = Pawn (Bauer)). Aufeinanderfolgende leere Felder in einer Reihe werden durch eine Zahl angegeben (mindestens „1“, höchstens „8“).

  a b c d e f g h  
8 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 8
7 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 7
6 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 6
5 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess kdt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 5
4 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess klt45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 4
3 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 3
2 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 2
1 Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg Chess --t45.svg 1
  a b c d e f g h  

Diagramm 2: Ein weißer König auf e4, ein schwarzer König auf c5

Zum Beispiel ergibt ein weißer König auf e4 und ein schwarzer König auf c5 folgende 1. Gruppe (siehe Diagramm 2):

8/8/8/2k5/4K3/8/8/8

Spieler am Zug[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die zweite Gruppe gibt den Spieler an, der in dieser Stellung am Zug ist. Mögliche Zeichen sind w für Weiß (engl.: white) und b für Schwarz (engl.: black).

Rochade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die dritte Gruppe gibt die noch erlaubten Rochaden an. Hier bedeutet

  • K: Weiß kann kurz rochieren (engl.: to castle kingside)
  • Q: Weiß kann lang rochieren (engl.: to castle queenside)
  • k: Schwarz kann kurz rochieren
  • q: Schwarz kann lang rochieren
  • -: es ist keine Rochade mehr möglich

Dabei ist die Reihenfolge KQkq einzuhalten. Die Buchstaben, die nicht mehr möglichen Rochaden entsprechen, werden ausgelassen, und der Strich „-“ wird dann und nur dann geschrieben, wenn keine der vier Rochaden mehr möglich ist.

En passant[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die vierte Gruppe gibt einen möglichen en-passant-Schlag an. Sofern im letzten Zug ein Bauer zwei Felder vorgerückt ist, wird das übersprungene Feld angegeben, unabhängig davon, ob ein en-passant-Schlag auf dieses Feld tatsächlich möglich ist oder nicht. Sonst wird „-“ angegeben.

Beispiel: Nach Bauer f2–f4 wird in der FEN in der 4. Gruppe „f3“ angegeben.

Halbzüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der fünften Gruppe wird die Anzahl der Halbzüge seit dem letzten Bauernzug oder des Schlagens einer Figur angegeben. Dieser Wert ist wichtig, um die 50-Züge-Remisregel zu überwachen. Mögliche Werte sind eine Null oder eine positive ganze Zahl.

Zugnummer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der sechsten Gruppe wird die Nummer des nächsten Zuges angegeben. In der Ausgangsstellung ist der Wert 1. Nach jedem Zug von Schwarz wird er um 1 erhöht. Damit gibt man zum Beispiel für eine aus einer Partie entnommene Stellung die Zahl der zuvor gespielten Züge an, damit die Folgezüge richtig nummeriert werden können.

X-FEN (erweiterte FEN)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Darstellung aller denkbaren Stellungen im Chess960 (8×8-Brett) oder Capablanca-Random-Chess (10×8 -Brett) (CRC) reicht die klassische FEN nicht aus. Deshalb ist hierzu eine abwärtskompatible Erweiterung der herkömmlichen FEN entwickelt worden. Das bedeutet: Alle Stellungen, die bislang bereits mittels FEN kodierbar sind, mussten durch eine Erweiterung in einer 100 % identischen Form kodiert werden. Die von Reinhard Scharnagl 2003 eingeführte X-FEN leistet dieses. X-FEN (vormals FRC-FEN) ist seit Jahren bewährt.

Partien werden im PGN-Format (Portable Game Notation) dargestellt. Mit Ausnahme herkömmlicher Schachpartien müssen bei einer Speicherung von Chess960- oder CRC-Partien (Capablanca-Random-Chess) auch die jeweiligen Startstellungen mit aufgenommen werden. Das geschieht definitionsgemäß bei traditionellen Schachpartien mittels eines SetUp-Tags und eines FEN-Strings, bei Chess960- und CRC-Partien somit in kompatibler Weise über einen X-FEN-String.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundlage der X-FEN ist die herkömmliche FEN. Sie unterscheidet sich nur in der Art, wie Rochade-Tags und das e.p.-Tag verwendet werden. Außerdem unterstützt sie 10×8 Stellungen, die José Raúl Capablancas erweiterten Figurensatz (zusätzliche Figuren Kanzler und Erzbischof) verwenden.

En-passant-Kodierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Verbesserung der Eindeutigkeit wird das e. p.-Feld dann und nur dann angegeben, wenn ein Bauer, der unmittelbar zuvor einen Doppelschritt ausgeführt hat, neben einem gegnerischen Bauern steht, so dass auch tatsächlich ein pseudolegaler e. p.-Schlag möglich ist. Dabei wird nicht geprüft, ob der Schlag auch legal ist, d. h. nach Ausführung des Schlags der König der schlagenden Partei nicht bedroht wäre.

Rochaderechte-Kodierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es werden die aus der FEN bekannten Rochadetags „KQkq“ verwendet. Wie üblich bedeuten kleine Buchstaben schwarze Rochaderechte und große Buchstaben weiße Rochaderechte. „Kk“ bezeichnen das Recht zur g-Rochade (bzw. i-Rochade auf einem 10×8 Brett), „Qq“ jenes zur c-Rochade. Für den Fall, dass in der beschriebenen Stellung beide Türme der betreffenden Partei auf der gleichen Seite des Königs und auf der Grundreihe stehen, gilt ein mit k/K/q/Q angegebenes Rochaderecht für den weiter außen, d. h. weiter vom König entfernt stehenden Turm. Sollte jedoch der innere Turm das Rochaderecht besitzen, dann (und nur dann) wird statt einem K/k oder Q/q der Spaltenbuchstabe des betreffenden Turms angegeben, bei Weiß wieder als Groß- und bei Schwarz als Kleinbuchstabe. Dieser Fall kann sich aus der normalen Grundstellung (Türme auf der a- und h-Linie) niemals ergeben, so dass dann die Angabe stets mit k/K/q/Q erfolgt, wodurch X-FEN abwärtskompatibel zur bisherigen FEN ist.

Rochadetypen

Gewöhnlich ist das Rochadeziel des Königs entweder zwei Felder vom linken (weißen) Rand, oder ein Feld vom rechten Rand entfernt. Es gibt jedoch auch Varianten mit symmetrisch verteilten Zielfeldern (z. B. Janusschach), beide je ein Feld vom Rand entfernt. Dann wird dem Rochadeblock ein „s“ vorangestellt. Ein anderes Präfix „m“ bedeutet: moderne Rochade (z. B. Embassy Chess oder Chess480). Hierbei zieht der König eine normale Rochadedistanz (8×8: 2 Schritte, 10×8: 3 Schritte) zur Seite, maximal jedoch bis unmittelbar vor den Rand.

10×8-Schach[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zehn aufeinander folgende freie Felder in einer Reihe werden mit „10“ kodiert, neun mit „9“. Der Erzbischof (Springer + Läufer) erhält den Buchstaben „A“ (engl. Archbishop), ein Kanzler (Springer + Turm) bekommt „C“ (engl. Chancellor). Schwarze Figuren werden hierbei in gewohnter Weise mit Kleinbuchstaben symbolisiert. 10×8-Beispiel: Capablanca-Random-Chess.

Filterung von Partien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sollte man nur klassische Schachpartien aus einer PGN-Datei berücksichtigen wollen (ein mit dem Shuffle Chess bereits vorhandenes Problem), so ist lediglich darauf zu achten, nur PGN-Einträge ohne vorhandenen FEN-Tag auszuwählen.

Beispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beispiel für X-FEN Bedarf im Chess960. Rochaderecht innerer Turm.

Stellung vor 11. 0–0

PGN:

[Event "SmirfGUI Computerchess Game"]
[Site "CHESSBOX"]
[Date "2005.06.19"]
[Time "10:22:29"]
[Round "Test"]
[White "White"]
[Black "Black"]
[Result "*"]
[Annotator "R. Scharnagl"]
[SetUp "1"]
[FEN "rnbnkqrb/pppppppp/8/8/8/8/PPPPPPPP/RNBNKQRB w KQkq - 0 1"]
1. h4 g6 2. g3 Bf6 3. a4 Qh6 4. Ra3 Bxh4 
5. gxh4 Qxh4 6. Qh3 Qxh3 7. Rxh3 Ne6 8. Bf3 d6
9. Nbc3 Ng5 10. Rhh1 Bf5 11. 0–0 *

Nach 10 Zügen, vor 11. 0–0, besteht das Rochaderecht für Weiß mit dem inneren Turm auf g1, also muss es mit einem G statt K angegeben werden:

X-FEN:

rn2k1r1/ppp1pp1p/3p2p1/5bn1/P7/2N2B2/1PPPPP2/2BNK1RR w Gkq - 4 11

Shredder-FEN[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während X-FEN den Spagat zwischen FEN-Abwärtskompatibilität und Flexibilität für moderne Schachvarianten bewältigt, und dies mit einer relativ hohen Komplexität erkauft, wurde für die Chess960-Fähigkeit von Schachprogrammen eine weitere „kleine“ Lösung namens Shredder-FEN entwickelt.

Format[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Shredder-FEN bricht mit der 100%igen Abwärtskompatibilität zu FEN und kodiert in den Rochaderechten einfach die Ausgangslinien der Türme, d. h. beispielsweise HAha statt KQkq, wenn die Türme ursprünglich auf der A- und H-Linie stehen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die beiden Führer auf dem Markt der Schachprogramme, ChessBase/Fritz und Shredder, können in Ihren aktuellen Programmen lediglich mit Shredder-FEN umgehen. Andere Schach-Engine-GUIs (z. B. Arena) verstehen beide Formate.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]