Fraktursatz

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Historisches Beispiel für Fraktursatz mit fremdsprachigen Wörtern, 1768

Fraktursatz bezeichnet den Schriftsatz deutschsprachiger Texte in der Fraktur und anderen gebrochenen Schriftarten von Satzschrift. Folgende orthographische und typographische Regeln unterscheiden sich vom Antiquasatz.

ſ, s und ß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachs-tube mit rundem s, Wach-stube mit langem s und st-Ligatur.

Die Fraktur unterscheidet zwischen zwei Varianten des Buchstaben »s«. Das lange s (»ſ«) kann nur am Wortanfang und im Wort erscheinen. Am Silben- oder Wortende wird das runde s (»s«) (oder Schluss-s) geschrieben. Deshalb muss in Muskel, Donnerstag oder Arabeske ein rundes s stehen, ebenso wie vor k innerhalb einiger eingedeutschter Wörter: brüsk, grotesk, Kiosk, Obelisk.

Das „lange ſ“ steht sonst fast überall, insbesondere am Silbenanfang (auch vor k) und immer bei ſch, wenn dies den einheitlichen Laut sch bedeutet, und bei ſp, ſſ und ſt innerhalb eines einfachen, nicht zusammengesetzten Worts. Als Ausnahme von der Regel steht ſ auch, wenn (nach Konventionen vor der Orthographischen Konferenz von 1901) die Silbentrennung nach dem ſ erfolgt (Knoſ-pe, Waſ-ſer, faſ-ten).

Diese Unterscheidung kann bisweilen sogar die Wortbedeutung klarer machen: „Wachſtube“ wäre also eine Wach-stube, „Wachstube“ eine Wachs-tube.

Es können nie zwei runde s aufeinanderfolgen. Sollten am Wortende zwei s aufeinanderfolgen, müssten sie in Fraktur deswegen als ſs gesetzt werden. Aus dieser Form ist als Ligatur das ß entstanden.

Heyse, der Entwickler der Heyseschen ß-Schreibung („dass“, „muss“, „Fluss“) selbst schrieb am Ende eines Wortes oder einer Silbe ſs (Meſsergebnis, daſs) und hatte dafür sogar eigene Ligaturen.[1] Die Verwendung der unverbundenen Buchstaben ſs ist in der Orthographischen Konferenz von 1901 abgeschafft worden. Für den heutigen Fraktursatz empfiehlt unter anderem der (reformierte) Duden aufgrund der Rechtschreibreform von 1996 wieder, „Faſs“ statt „Faß“ zu setzen.

Die Verwendung von ſ und s sowie dessen Ligaturen ß und ist nicht an die Frakturschrift gebunden. Sie tauchte bereits in der vorkarolingischen Minuskelschrift auf und war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts auch im Antiquasatz der meisten europäischen Sprachen üblich. Sie überlebte aber im Fraktursatz, der in Deutschland noch bis 1941 Standard war, weit länger und wird daher heute als eine Eigenheit der Frakturschrift wahrgenommen.

Ligaturen und Trennregeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwangsligaturen ch, ck, ſt und tz bleiben im gesperrten Satz erhalten.

Im Fraktursatz finden sich viele Ligaturen, von denen einige obligatorisch und bedeutungsunterscheidend sind. Das sind insbesondere die Zwangsligaturen ch, ck, ſt und tz.[2][3] Der Buchstabe ß wird auch nicht gesperrt. Es gibt noch weitere Ligaturen, die jedoch nicht zwingend verwendet werden müssen, wie etwa tt und ſch. Diese werden im Sperrsatz in ihre Bestandteile aufgelöst und gesperrt.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Fraktur-Schriften selten über einen fetten und fast nie über einen passenden kursiven Schriftschnitt verfügen, und weil Kapitälchen oder Versalsatz wegen der schnörkeligen Gestalt der Großbuchstaben nur schlecht zu lesen wäre, werden Textstellen üblicherweise durch Sperren hervorgehoben. Im Sperrsatz werden Ligaturen aufgelöst, mit Ausnahme der Zwangsligaturen ch, ck, ſt und tz.

Eine verbreitete Methode zur Textauszeichnung im Fraktursatz war die Verwendung einer zweiten gebrochenen Schrift. Eine beliebte Kombination war lange Zeit die Verwendung von Schwabacher zur Auszeichnung von einzelnen Wörtern oder Satzteilen in Fraktur-Texten.

Antiqua[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden alle Wörter ausländischer Herkunft in Antiqua gesetzt (wie Nation). Wörter, hauptsächlich Verben, die aus einer Fremdsprache stammten, aber inzwischen deutsche Endungen trugen, wurden in beiden Schriften dargestellt: der ausländische Teil in Antiqua, der deutsche in Fraktur (wie arrangiren, Nationen).

Im 19. Jahrhundert liberalisierte sich diese Praxis. Seither werden nur noch lateinische und andere fremdsprachige Abschnitte in Antiqua gesetzt, ebenso einzelne fremdsprachige Wörter oder Floskeln, die nicht als eingedeutscht gelten (wie en masse oder in flagranti oder auch etc.). Wörter, deren Rechtschreibung der deutschen folgt, werden hingegen in Fraktur wiedergegeben, auch wenn sie sichtlich ausländischen Ursprungs sind (wie arrangieren, Nationen, Adagio, T-Shirt, Ketchup). Wegen besserer Lesbarkeit werden auch Abkürzungen aus Großbuchstaben (wie BGB oder USA) in Antiqua gesetzt.

Während ausländische Eigennamen bis zur Liberalisierung der Schriftpraxis für gewöhnlich in Antiqua gehalten waren, werden sie seither in Fraktur geschrieben, wobei ausländische Sonderzeichen, wenn sie im Fraktursatz nicht vorhanden sind, in Antiqua wiedergegeben werden (Nîmes oder Nîmes). Die Schreibpraxis ist allerdings ambivalent und hängt zum Teil von der persönlichen Empfindung des Autors ab (Covent Garden vs. Covent Garden, Théâtre l’Odéon vs. Théâtre l’Odéon).

Ziffern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ziffern werden bei anspruchsvollem Schriftsatz üblicherweise als Mediävalziffern gesetzt.

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolf Busch: Heysesche s-Schreibung in Frakturschrift. http://flitternikel.onlinehome.de/heyse-s.html
  2. Richard L. Niel: Satztechnisches Taschen-Lexikon. Wien, 1925. S. 871.
  3. Duden, Band 1, „Rechtschreibung der deutschen Sprache“. 20., neubearb. und erw. Auflage, 1991. Dudenverlag Mannheim, Wien, Zürich. Richtlinien für den Schriftsatz, S. 73. ISBN 3-411-04010-6

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Duden – Die deutsche Rechtschreibung. 22. Auflage. Bibl. Inst. & F. A. Brockhaus, Mannheim 2000, ISBN 3-411-04012-2
  • J.E. Wülfing, A.C. Schmidt (Hrsg.): Duden, Rechtschreibung der deutschen Sprache und der Fremdwörter nach den für Deutschland, Österreich und die Schweiz gültigen amtlichen Regeln. 9. Auflage, Bibl. Inst., Leipzig und Wien 1915 (gesetzt in Fraktur)
  • F. Forssman, R. de Jong: Detailtypografie. 2. Aufl., Hermann Schmidt, Mainz 2004, ISBN 3-87439-642-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]