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Franzysk Skaryna

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Franzysk Skaryna (1517)

Franzysk Skaryna (ruthenisch Франциск Скорина Franzisk Skorina, belarussisch Францыск Скарына Franzysk Skaryna, ukrainisch Франциск Скорина Franzysk Skoryna; * zwischen 1470 und 1490 in Polozk, Litauen; † 1551 oder 29. Januar 1552 in Prag, Böhmen) war ein ruthenischer Humanist, Bibelübersetzer und Buchdrucker. Er leistete einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der ruthenischen Sprache, aus der die belarussische und ukrainische Sprache hervorgingen. Skaryna wird in Belarus als Nationalheld verehrt.

Skarynas Ruthenische Bibel (Biblia Ruska), 1517

Franzysk (Francišak) Skaryna wurde im Jahr 1470 in Polazk geboren, das damals zum Großfürstentum Litauen gehörte.[1] Er trug einen katholischen Namen, heiratete eine Katholikin, gab seine Bücher jedoch für Orthodoxe heraus. Dies könnte daran liegen, dass Skarynas Familie orthodox war, er selbst aber seine Bildung im katholischen Westen erhielt und dort auch zum Katholizismus übertrat. Diese Tatsachen führten dazu, dass sich beide Konfessionen bis heute um ihn streiten.[2] Von der Nationalität her gehörte er zu den Ruthenen; damit wurden Ostslawen bezeichnet, die im Herrschaftsbereich des Königreichs Polen bzw. des Großfürstentums Litauen lebten.

Skaryna studierte 1504 zunächst Philosophie an der Universität Krakau.[3] 1512 erhielt er in Padua, Italien das Diplom eines Doktors der Medizin und wurde zudem zu einer ruhmreichen Person der dortigen Universität. Später siedelte er nach Prag um, wo er zwischen 1517 und 1519 Übersetzungen mehrerer Bücher der Bibel anfertigte und herausgab.[2] Diese Ausgaben sind zudem von hohem künstlerischem Wert.[3]

Skaryna gründete in den frühen Zwanzigerjahren des 16. Jahrhunderts die erste Druckerei in Vilnius[3], wo er Bücher für die einfachen Leute herausgab.[2] Er ließ als erster Bücher in einer Sprachform drucken, die zwar deutliche Beeinflussungen durch das Kirchenslawische aufweist, jedoch auch unverkennbar Merkmale der damaligen Volkssprache der Region, des Altweißrussischen bzw. Ruthenischen, zeigt. Von geistesgeschichtlicher Bedeutung sind auch seine Vor- und Nachbemerkungen sowie andere Annotationen und Glossen zu den von ihm herausgegebenen Texten.[3] Skaryna hatte einen vergleichbar bedeutenden Einfluss auf die ruthenische Sprache wie Martin Luther auf die deutsche. Aus dem Ruthenischen gingen später das Belarussische und das Ukrainische hervor.

Skaryna verbrachte die letzten Lebensjahre als Leibarzt und Gärtner des Königs Ferdinand in der böhmischen Hauptstadt Prag.[3] Er wurde im Jahr 1551 in Prag beigesetzt, sein Grab ging jedoch verloren.[2]

Den Namen Skarynas trug bis 2005 des Unabhängigkeitsprospekts in der belarussischen Hauptstadt Minsk. In Prag wurde Skaryna auf Betreiben des ersten belarussischen Außenministers Pjatro Krawtschenka (russ. Pjotr Krawtschenko) ein Denkmal errichtet.[4] Die Francyk Skaryna Gesellschaft für Belarussische Sprache trägt seinen Namen. Der Asteroid des inneren Hauptgürtels (3283) Skorina, der am 27. August 1979 von Nikolai Stepanowitsch Tschernych entdeckt wurde, wurde nach Franzysk Skaryna benannt.[5] Einer der höchsten staatlichen Orden von Belarus ist nach Franzysk Skaryna benannt.

  • Evgenij L. Nemirovskij: Die Druckerei von Francisk Skorina in Wilna (= Gesamtkatalog der Frühdrucke in kyrillischer Schrift, Bd. 5; Bibliotheca bibliographica Aureliana, Bd. 171). Koerner, Baden-Baden 1999.
Commons: Francysk Skaryna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Илья Лемешкин: 1470 – год рождения Ф. Скóрина. In: Аляксандр Груша (Hrsg.): Францыск Скарына: новыя даследаванні. Баларуская навука, Мінск, ISBN 978-985-08-2415-8, S. 23–85.
  2. 1 2 3 4 Dirk Holtbrügge: Weißrußland. 2. Aufl., München, Beck, 2002. S. 33
  3. 1 2 3 4 5 Frantsisk Skorina. In: thefreedictionary.com. Abgerufen am 30. Dezember 2016.
  4. Vitali Silitski, Jan Zaprudnik: The A to Z of Belarus. Scarecrow Press, 2010, ISBN 978-0-8108-7200-4. S. 99.
  5. Lutz D. Schmadel: Dictionary of Minor Planet Names. Fifth Revised and Enlarged Edition. Hrsg.: Lutz D. Schmadel. 5. Auflage. Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 2003, ISBN 3-540-29925-4, S. 186, doi:10.1007/978-3-540-29925-7_3284 (englisch, 992 S., Originaltitel: Dictionary of Minor Planet Names. Erstausgabe: Springer Verlag, Berlin, Heidelberg 1992): “1979 QA10. Discovered 1979 Aug. 27 by N. S. Chernykh at Nauchnyj.”