Franz Reichelt

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Franz Reichelt mit seiner fragwürdigen „Fallschirm“-Konstruktion

Franz Reichelt (* 1879 in Wegstädtl; † 4. Februar 1912 in Paris) war ein österreichisch-französischer Schneider und Fallschirmkonstrukteur.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reichelt ließ sich 1898 im Pariser Opernviertel nieder und arbeitet als Damenschneider, wo er hauptsächlich ehemalige Landsleute als Kunden hat. 1909 erhielt er die französische Staatsangehörigkeit und nahm François als Vornamen an. Reichelt bliebt unverheiratet.

Im Zuge der aufkommenden Fliegerei in den 1910er Jahren und zunehmender Flugzeug-Stunts nehmen auch die Unfälle zu. Reichelt war tief bewegt von den Abstürzen der todesmutigen Helden und entwarf von Juli 1910 als Schneider Fallschirmanzüge. Die Konstruktionsprinzipien des Fallschirms liefen jedoch allen physikalischen Erkenntnissen zuwider.

Seinen Fallschirmanzug testet er zunächst an Ankleidepuppen, die er aus dem Fenster wirft. Obwohl die Ergebnisse nicht überzeugen meldet er seine Erfindung zum Patent an und versucht den Anzug an sich selbst, in dem er im Oktober 1910 von einer Höhe von sechs Metern abgefedert auf einen Strohhaufen springt. Im Februar 1912 reiste er nach Paris, um sein Modell zu testen. Seinen Sprung von der ersten Plattform des Eiffelturms kündigte er der Presse an. Daher sind auch Filmaufnahmen seines Testsprungs vorhanden. Reichelt erhielt die Einverständniserklärung der Polizeipräfektur nur unter der Voraussetzung, dass er seinen Versuch nicht selbst, sondern mit einer Puppe durchführt. Trotzdem legte er Wert darauf, seine Idee persönlich auszutesten und missachtete die polizeiliche Vorgabe.

Filmbeitrag zum Sprung von Franz Reichelt vom Eiffelturm (gekürzt)

Am 4. Februar 1912 um 7 Uhr morgens versammelten sich bei Minusgraden Reporter und Schaulustigen am Eiffelturm, um Reichelts Erfindung zu begutachten. Der Einwand der anwesenden Reporter, sein „Fledermaus-Anzug“ habe noch keine befriedigenden Ergebnisse gezeigt, brachte ihn von seinem Vorhaben nicht ab. Um 8:22 Uhr sprang er aus einer Höhe von 57 m herab, fiel weitgehend ungebremst zu Boden und schlug vor laufender Kamera nach vier Sekunden Fallzeit am Boden auf. Reichelt starb unmittelbar nach dem Aufprall.[1] Reanimationsversuche bleiben vergeblich.

Franz Reichelt erlangte posthum Berühmtheit, weil sein Sprung für die Nachrichten von Pathé-Cinéma aufgezeichnet wurde.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frédéric Chef, u. a.: Tschö mit Ö. Dumme Todesfälle aus der Geschichte, Bastei Entertainment, Köln 2015, ISBN 978-3-8387-5339-3, II. Der fliegende Schneider.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Franz Reichelt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sebastian Leber: Erfindungen mit Todesfolge. In: Der Tagesspiegel. 25. Januar 2015, abgerufen am 28. August 2018.