Frauenliste (Deutschland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als Frauenliste wird eine Wahlliste bezeichnet, die von Frauenparteien oder -gruppen aufgestellt wird und typischerweise lediglich weibliche Kandidaten enthält.

Weimarer Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem die deutschnationale Reichstagsabgeordnete Anna von Gierke zur Reichstagswahl 1920 nicht mehr von ihrer Partei aufgestellt wurde, kandidierte sie auf einer Frauenliste für den Reichstag, ohne jedoch gewählt zu werden.

In der Zeit der Weimarer Republik wurde im Katholischen Deutschen Frauenbund die Frage einer Kandidatur von reinen (katholischen zentrumsnahen) Frauenlisten erörtert. In mindestens einem Fall wurde das Vorhaben in die Tat umgesetzt. In Ludwigshafen am Rhein kandidierte zu den Kommunalwahlen 1929 eine Katholikenfrauenliste und erreichte ein Mandat im Stadtrat (Anna Weltin).[1]

SBZ[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der SBZ wurden 1945 Frauen-Ausschüsse (FA) zugelassen. Diese kandidierten bei den Kommunalwahlen 1946 in einigen Kommunen. Bei den halbfreien Landtagswahlen in der SBZ 1946 wurde nur in Sachsen eine Frauenliste der FA aufgestellt, die mit 0,6 % der Stimmen kein Mandat erzielte.[2]

Feministische Partei Die Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Frauenlisten der Feministischen Partei Die Frauen erreichten lediglich auf kommunaler Ebene Mandate. Auf höherer Ebene war das beste Ergebnis ein Stimmenanteil von 0,6 % bei der Europawahl in Deutschland 2004.

Kommunale Frauenlisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunale Frauenlisten gibt es in Baden-Württemberg, Bayern[3], Brandenburg und Sachsen. Ziel der kommunalen Frauenlisten ist es, den Frauenanteil in den kommunalen Gremien zu erhöhen.

Bei der Kommunalwahl in Baden-Württemberg am 7. Juni 2009 sind 34 Frauenlisten bei Gemeinderatswahlen und eine Frauenliste bei der Kreistagswahl angetreten. Von den 612 Bewerberinnen der Gemeinderatslisten wurden 82 gewählt. Von den 34 Frauenlisten in Baden-Württemberg sind 20 Frauenlisten im Dachverband Frauenlisten Baden-Württemberg e.V. aktiv. Präsidentin des Dachverbandes ist seit Mai 2011 Susanne Berger.[4] Im Landkreis Biberach in Baden-Württemberg gibt es seit 1999 eine Frauenliste, die drei Mitglieder im Kreistag stellt.[5]

Landtagswahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen 1995 trat eine Bremer Frauen Liste (Kurzbezeichnung Frauen) im Wahlbereich Bremen an. Mit 0,4 % verfehlte man den Einzug in die Bürgerschaft.[6]

Der Landesverband Frauenlisten Bayern e.V. trat zur Landtagswahl in Bayern 2013 in zwei der sieben Wahlkreise an.[7] Er erreichte in Schwaben und Oberfranken jeweils 0,6 % der Stimmen; dies entspricht 0,1 % der Stimmen in ganz Bayern.[8][9][10]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Birgit Sack: Zwischen religiöser Bindung und moderner Gesellschaft, 1998, ISBN 3893255931, Seite 86 ff., Online
  2. Martin Broszat, Gerhard Braas, Hermann Weber: SBZ-Handbuch. 1993, ISBN 3-486-55262-7, Seite 694, Online
  3. Frauenlisten Bayern e.V.
  4. Frauenlisten Baden-Württemberg e.V.
  5. Webseite von Frauen in den Kreistag
  6. [1]
  7. Pressemitteilung des Landeswahlleiter vom 23. Juli 2013 (PDF; 113 kB)
  8. [2]
  9. http://www.landtagswahl2013.bayern.de/taba2904.html
  10. http://www.landtagswahl2013.bayern.de/taba2990.html