Katholischer Deutscher Frauenbund

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Der Katholische Deutsche Frauenbund (kurz: KDFB) ist ein eingetragener Verein katholisch und ökumenisch engagierter Frauen mit deutschlandweit rund 180.000 Mitgliedern in 1.800 Zweigvereinen verteilt auf 21 Diözesen.[1] Ziel des Vereins ist nach eigener Darstellung, am Aufbau einer Gesellschaft und Kirche mitzuwirken, in der Frauen und Männer partnerschaftlich zusammenleben und gemeinsam Verantwortung tragen für die Zukunft in einer friedlichen, gerechten und für alle lebenswerten Welt.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KDFB (1903–1916: Katholischer Frauenbund (KFB), 1916–1921: Katholischer Frauenbund Deutschlands (KFD), 1921–1983: Katholischer Deutscher Frauenbund, KDF) wurde am 16. November 1903 in Köln als Teil der damaligen Frauenbewegung gegründet. Gründungsvorsitzende von 1903 bis 1912 war Emilie Hopmann. Mitbegründerinnen und zweite Vorsitzende des Katholischen Frauenbundes in Köln waren Minna Bachem-Sieger (1903–1919) und Hedwig Dransfeld (1912–1925), die 1919 als eine der ersten Frauen in den Reichstag einzog.

Dransfeld arbeitete eng mit der schwedisch-deutschen Frauenrechtlerin Ellen Ammann zusammen. Ammann gründete 1904 (im selben Jahr wie Emy Gordon in Würzburg[2]) den Zweigverein des Katholischen Frauenbundes in München. Auf ihre Initiative hin und mit Unterstützung vieler anderer Frauen wie Marie Zettler und Gräfin Pauline von Montgelas schlossen sich am 6. Dezember 1911 alle bestehenden bayerischen Zweigvereine zum „Bayerischen Landesverband des Katholischen Frauenbundes“ zusammen, der 2018 mit 165.000 Frauen[3] zu der mitgliederstärksten Einheit des KDFB zählt. Früh nahm der Katholische Frauenbund Kontakte zu internationalen Verbänden auf und wurde 1910 Gründungsmitglied der Internationalen Liga, heute Weltunion Katholischer Frauenorganisationen (WUCWO/UMOFC).

Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fahnenabordnung bei Fronleichnamsprozession

Der Katholische Deutsche Frauenbund hat bundesweit ca. 180.000 Mitglieder in über 1800 Zweigvereinen verteilt auf 21 Diözesen. Der Frauenbund bietet ein Bildungsprogramm, das auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten ist, praktische Unterstützung und konkrete Hilfe in schwierigen Lebenslagen sowie Informationen und Austausch in wichtigen Fragen der Gesellschaft, der Politik und der Kirche. Frauen des KDFB gestalten Gottesdienste, Andachten und Wallfahrten. Außerdem beteiligen sie sich jedes Jahr am Weltgebetstag der Frauen. Der Katholische Deutsche Frauenbund bietet eine Reihe von Seminaren zu spirituellen und biblischen Themen an.

Nachdem im November 1918 in Deutschland das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt wurde, zog Ellen Ammann, die 1904 den Münchner Zweigverein des Katholischen Frauenbundes gründete und 1911 den Bayerischen Landesverband des Katholischen Frauenbundes ins Leben rief, als eine der ersten weiblichen Abgeordneten in den Bayerischen Landtag ein. KDFB-Frauen wirken bis heute nicht nur in Landtagen, sondern auch im Bundestag, in Bezirkstagen, Kreistagen sowie als Stadt- bzw. Gemeinderätinnen.

Ein wichtiges Ziel des Katholischen Deutschen Frauenbundes ist, Frauen ein politisches Grundwissen zu vermitteln, sie mit aktuellen politischen und sozialen Themen und Entwicklungen vertraut zu machen und ihre Argumentations- und Diskussionsfähigkeit zu trainieren. Gesellschaftspolitische Bildungsarbeit soll darüber hinaus dazu beitragen, dass sich Frauen ihrer sozialen und politischen Verantwortung als Christinnen bewusst werden und sie motivieren, sich aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben zu beteiligen. Im Rahmen seiner gesellschaftspolitischen Bildungsarbeit bezieht der Katholische Deutsche Frauenbund regelmäßig öffentlich Stellung zu aktuellen, frauenpolitisch relevanten Fragestellungen.

In Berlin wird ein Mehrgenerationenhaus für allein stehende Frauen jeden Alters, wie Studentinnen, Berufstätige und Seniorinnen betrieben.[4]

Der Verband setzt sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare innerhalb der Katholischen Kirche ein.[5]

Bildungsangebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Katholische Deutsche Frauenbund bietet für Frauen ein breitgefächertes Bildungsprogramm, zum Beispiel

  • Schulungen für Mittagsbetreuerinnen, Tagesmütter und Leiterinnen von Mutter-Kind-Gruppen
  • Ausbildung zur Gesprächskreis- und Kursleiterin, unter anderem für Trauerbegleitung und Lebensqualität fürs Alter
  • Studienfahrten
  • Wochenendseminare für Alleinerziehende (mit Kinderbetreuung)

Weiterbildung in den Bereichen

  • Öffentlichkeitsarbeit, Rhetorik und Konfliktbewältigung
  • Beratung in allen Verbraucherfragen (u. a. Rechts-, Umwelt- und Ernährungsberatung), Haushaltstraining
  • Mentoring-Projekte

Hilfe in schwierigen Lebenssituationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Katholische Deutsche Frauenbund kümmert sich auch um Menschen, die in einer schwierigen Lebenssituation sind. Der KDFB bietet z. B.:

  • Gesprächskreise und Seminare für Trauernde
  • Alten- und Krankenbesuchsdienste
  • Oasentage für pflegende Angehörige
  • Gesprächskreise für junge Mütter
  • Vermittlung von Tagesmüttern

Das Familienpflegewerk des KDFB (Bayern) hilft Familien in kritischen Situationen. Die Familienpflegerinnen betreuen die Kinder und erledigen den Haushalt, etwa

  • wenn die Mutter krank oder überlastet ist
  • bei Krankenhaus- oder Kuraufenthalt
  • bei Risikoschwangerschaft und nach der Entbindung

Vernetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der KDFB vertritt die Interessen von Frauen in zahlreichen Gremien:

Auf internationaler Ebene ist der Frauenbund Gründungsmitglied der Weltunion katholischer Frauenverbände (WUCWO). Er entsendet auch eine Vertreterin in den Europarat und arbeitet unter anderem mit den Hilfsorganisationen Misereor, missio, Adveniat, Päpstliches Missionswerk der Frauen und Renovabis zusammen.

Konkret unterstützt der Frauenbund zum Beispiel

  • Kaffeebäuerinnen in Honduras durch den fair gehandelten KDFB-Kaffee
  • Bedürftige in Estland, u. a. durch den Aufbau einer Schuldnerberatung, einer Suppenküche und einer Jugendeinrichtung
  • ein Altkleider-Projekt in Rumänien, das gleichzeitig Arbeitsplätze schafft
  • durch die Fastenaktion „7 Wochen mit…“ den regionalen und fairen Handel

Außerdem ist der Frauenbund Mitträger der Kampagne für „saubere Kleidung“, die weltweit eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie erreichen will. Mitglieder des Frauenbunds engagieren sich mit Solwodi gegen Frauenhandel und Sextourismus. Sie sind Partner von Al Tufula, einem Friedensprojekt für palästinensische Frauen in Israel.

Bekannte KDFB-Frauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Regina Illemann: Katholische Frauenbewegung in Deutschland 1945–1962. Politik, Geschlecht und Religiosität im Katholischen Deutschen Frauenbund. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2016, ISBN 978-3-506-78428-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Katholischer Deutscher Frauenbund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Bundesverband: Wir über uns. Katholischer Deutscher Frauenbund, 2018, abgerufen am 6. September 2018.
  2. Sybille Grübel: Zeittafel zur Geschichte der Stadt von 1814–2006. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007; III/1–2: Vom Übergang an Bayern bis zum 21. Jahrhundert. Band 2, 2007, ISBN 978-3-8062-1478-9, S. 1225–1247, hier: S. 1235.
  3. Über uns. Abgerufen am 10. Juli 2018.
  4. KDFB Berlin | Mehrgenerationenwohnhaus Helene Weber. In: www.kdfb-berlin.de. Abgerufen am 4. Juli 2017.
  5. Frauenbund.de: Debatte um "Ehe für alle"
  6. a b c d e f g h i j k l Katholischer Deutscher Frauenbund | Verantwortung für Demokratie übernehmen. Abgerufen am 14. November 2017.