Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik

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Fraunhofer-Institut für
Rechnerarchitektur und Softwaretechnik
Fraunhofer-Institut für  Rechnerarchitektur und Softwaretechnik
Fraunhofer FIRST in Berlin-Adlershof (rechts, neben Bessy)
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Fraunhofer-Gesellschaft
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München
Standort der Einrichtung: Berlin-Adlershof
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fächer: Ingenieurwissenschaften
Fachgebiete: Informatik
Grundfinanzierung: Bund (90 %), Länder (10 %)
Leitung: Stefan Jähnichen
Mitarbeiter: ca. 120
Anmerkung: 2012 aufgelöst
Homepage: www.first.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST, auch in der Kurzbezeichnung „Fraunhofer FIRST“ genannt, war eine von 1983 bis 2012 bestehende Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. (FhG) und hatte seinen Sitz in Berlin-Adlershof. Seine Aktivitäten waren der angewandten Forschung und Entwicklung im Fach Ingenieurwissenschaft auf dem Gebiet der Informatik zuzuordnen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte des Instituts begann 1983, als die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) die „Forschungsstelle für Innovative Rechnersysteme und -technologie“ gründete. An der Gründung war Prof. Dr. Wolfgang K. Giloi von der TU Berlin maßgeblich beteiligt. Arbeitsschwerpunkt in den 1980er Jahren war die Entwicklung von Parallelrechnern.

Im Jahr 1991 begann eine Zusammenarbeit mit der Simulationsgruppe des Zentralinstituts für Kybernetik und Informationsprozesse der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW). 1992 wurden rund 35 Mitarbeiter der AdW von der GMD übernommen, und das Institut zog nach Berlin-Adlershof um.

Im selben Jahr wurde aus der „Forschungsstelle“ das „Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnologie“ der GMD.

Mit der Fusion von GMD und Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 2001 wurde das Institut Teil der IuK-Gruppe der Fraunhofer-Gesellschaft und bekam die Bezeichnung FIRST. Zum 1. Juli 2012 wurde das Institut mit Fraunhofer FOKUS und dem Berliner Teil des Fraunhofer ISST zu einem großen Institut der Informations- und Kommunikationstechnik zusammengeführt. Der Standort dieses Instituts ist Charlottenburg.[1]

Forschung und Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fraunhofer FIRST stellte die Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Der Leiter des Instituts drückte das in einem Interview folgendermaßen aus:

„Im Wesentlichen wird unsere Technologie seit Langem schon dadurch geprägt, dass alles sehr viel kleiner, aber auch sehr viel intelligenter und leistungsfähiger wird. Künftig werden wir daher von noch mehr Rechentechnik umgeben sein. Sie hilft uns, Dinge im Alltag, bei der Arbeit oder zu Hause besser zu machen und besser zu verstehen. Wichtig bei dieser ganzen Technologie ist, dass sie uns zwar umgibt, aber nicht als eine Belastung auftreten darf. Die Interaktion und Kommunikation mit der Technologie muss auf möglichst natürliche Art erfolgen und so, dass der Mensch selbst sie nur in ihrer Wirkung wahrnimmt, nicht aber durch ihre Kontrolle überlastet wird.“

Die Arbeitsbereiche des Instituts zum Zeitpunkt der Auflösung im Überblick:

  • Eingebettete Systeme
    Der Bereich Eingebettete Systeme bot Methoden und Werkzeuge für die Entwicklung und Qualitätssicherung von Software an, die eine Vielzahl von Geräten sicher und zuverlässig steuert. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehörten im Einzelnen:
    • Entwurf und Implementierung von komplexen Systemen für sicherheits- und zeitkritische Anwendungen,
    • Dienste für komplexe komponentenbasierte Systeme,
    • ausfallsichere und fehlertolerante eingebettete verteilte Systeme,
    • Qualitätssicherung,
    • Validierung von Systemanforderungen und Beratung zur Systemsicherheit.
  • Interaktive Systeme
    Der Bereich Interaktive Systeme entwickelte intuitiv zu bedienende Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, die auf die natürlichen menschlichen Kommunikationsformen eingehen. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehörten im Einzelnen:
    • Interaktive, immersive Multimediaumgebungen,
    • Medienmanager, Medienplayer,
    • 3-D-Grafik, Projektionstechnologie,
    • drucksensitive, multimodale Eingabegeräte,
    • mobile Devices, Simulationssysteme,
    • Grid-Technologien.

Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit der Abteilungen des Fraunhofer FIRST wurden Lösungen für die Branchen Automotive und Verkehr, Medizin, Medien und Softwareentwicklung integrative Lösungen erarbeitet, die der Komplexität der Systeme zu jener Zeit gerecht waren.

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fraunhofer FIRST war Mitglied im Fraunhofer-Verbund IuK-Technologie.

Im universitären Bereich bestand eine Kooperationsvereinbarung mit dem Fachgebiet Softwaretechnik der Fakultät IV - Elektrotechnik und Informatik der Technischen Universität Berlin, die den Grundlagenforschungsbedarf des Fraunhofer FIRST abdeckte und durch die Doppelfunktion des Institutsleiters (zugleich Leiter des Fachgebiets) begünstigt wurde.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Fraunhofer FIRST waren insgesamt rund 120 Personen beschäftigt.

Der Betriebshaushalt des Fraunhofer FIRST lag im Geschäftsjahr 2006 bei 8,3 Mio. €. Etwa 40 % hiervon kamen aus der Grundfinanzierung, die zu 90 % aus Bundesmitteln und zu 10 % aus Landesmitteln finanziert wird. Rund 20 % des Betriebshaushalts waren Erträge aus der Auftragsforschung der Wirtschaft, die restlichen Mittel stammten aus zweckgebundenen öffentlichen Zuwendungen und aus sonstigen Erträgen.

Das Fraunhofer FIRST wurde seit 1991 von Stefan Jähnichen geleitet, der in Personalunion auch Leiter des Fachgebiets Softwaretechnik an der Technischen Universität Berlin war.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Senat beschließt Integration der Berliner IuK-Institute zum 1. Juli 2012, Presseinformation der Fraunhofer-Gesellschaft, 8. Mai 2012. Abgerufen am 8. August 2013