Humanistischer Verband Österreich

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Humanistischer Verband Österreich
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Vorsitz: Gerhard Engelmayer (Präsident)
Gründungsdatum: 1978
Sitz: Wien
Website: www.humanisten.at

Der Humanistische Verband Österreich (HVÖ) ist eine österreichische säkular-laizistische Freidenkerorganisation. Er hat seinen Sitz in Wien und wurde 1978 unter dem Namen Freidenkerbund Österreich gegründet. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 30. Juni 2018 wurde die Umbenennung von "Freidenkerbund Österreich" in „Humanistischer Verband Österreich“[1] mit erweiterten Schwerpunkten, Zielen und Tätigkeiten beschlossen.

Schwerpunkte, Ziele und Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Humanistische Verband Österreich (HVÖ) besteht zum Großteil aus Atheisten und Agnostikern und bekennt sich zu Aufklärung, Humanismus und den Menschenrechten. Der Verband übt Religionskritik und lehnt religiöse, magische oder esoterische Welterklärungsmodelle ab. Die Schwerpunkte, Ziele und Tätigkeiten des Verbandes liegen in der Vertretung säkular-humanistischer Interessen, in der Trennung von Staat und Religion, in der Abschaffung der Privilegien der Religionsgemeinschaften und in der Förderung eines rationalen Weltbildes - nicht zuletzt durch die Einführung von verpflichtendem Ethikunterricht an allen Schulformen und Schulstufen. Der Verband bietet - nach deutschem und angelsächsischem Vorbild - humanistische Riten bei Lebensfeiern und organisiert Veranstaltungen zu humanistischen Themen; u. a. zu einem selbstbestimmten Lebensbeginn und Lebensende, zur Frauenemanzipation und Gleichberechtigung und zu LGBTQ-Angelegenheiten. Am 30. November 2019 fand an der Universität Wien der vom HVÖ veranstaltete Erste Humanistenkogress Österreichs unter internationaler Beteiligung mit Referenten aus dem In- und Ausland statt, der u. a. auch die neuen Schwerpunkt und Ziele des Verbandes vorstellte.[2][3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorläufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1887 wurde in Wien ein „Verein der Konfessionslosen“ gegründet. Dieser dehnte sich unter mehrfacher Umbenennung auf weitere Gebiete Deutschösterreichs aus und stand Liberalen und Sozialdemokraten nahe. Die Nachfolgeorganisation in der Ersten Republik nannte sich „Österreichischer Freidenkerbund“ und hatte rund 65.000 Mitglieder, die überwiegend mit der SPÖ und z. T. mit der KPÖ sympathisierten - 1930 kam es zu einer KPÖ-nahen Abspaltung. Unter dem klerikal geprägten Austrofaschismus wurde der Freidenkerbund im Juni 1933 als erste sozialdemokratische Kulturorganisation per Notverordnung verboten. 1948 erfolgte eine Neugründung, der allerdings vom SPÖ-Innenminister Oskar Helmer eine Anerkennung als Rechtsnachfolger der Vorkriegsorganisation verweigert wurde, was dazu führte, dass der Verein sein beschlagnahmtes Vereinsvermögen nicht zurückerhielt. Die Distanz zur SPÖ resultierte aus deren Rücksichtnahme auf den kirchennahen Koalitionspartner ÖVP. Am 12. Dezember 1970 wurde der Freidenkerbund durch Beschluss einer außerordentlichen Hauptversammlung aufgelöst.

Von der Wiedergründung bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1978 erfolgte unter der Leitung von Richard Klucsarits eine erneute Gründung des Freidenkerbundes (FDBÖ) als parteipolitisch unabhängige Organisation mit dem Beinamen „Institut für wissenschaftliche Weltanschauung“. Klucsarits war Archivar der SPÖ und leitete den Verband bis 1985. Daneben arbeitete er für das Sbor národní bezpečnosti und die Államvédelmi Hatóság.[4] 2007 spaltete sich die oberösterreichische Landesgruppe vom FDBÖ ab und ist seitdem unter dem Namen „Allianz für Humanismus und Atheismus“ selbständig.

Der Freidenkerverband führte in den letzten Jahren eher ein Schattendasein. Die Gründe dafür lagen laut Joachim Riedl nicht an Desinteresse in der Gesellschaft; dagegen sprächen weltweit geführte heftige Religionsdebatten, der Erfolg von Richard Dawkins Buch Der Gotteswahn und der Zuspruch im angloamerikanischen Raum für die Bewegung der brights. Ausschlaggebend wäre nach Joachim Riedl, dass in der zunehmend säkularisierten österreichischen Gesellschaft organisierte Religionsgegner als Sektierer empfunden würden, denen Glaubensskeptiker ähnlich gleichgültig wie den Kirchen gegenüberstehen. Gegen z. B. den Papstbesuch 2007 in Wien konnte der FDBÖ nur knapp 150 Teilnehmer zu einer Demonstration mobilisieren.[5] Vorsitzender des Freidenkerbundes war seit 2012 Gerhard Engelmayer[6], der auch nach der Umbenennung und Neuausrichtung des Verbandes am 30. Juni 2018 als Vorsitzender des nunmehr Humanistischen Verbandes Österreich fungiert.

Vereinsmedien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundesorgan hieß nach der letzten Neugründung Der Freidenker – Geist und Gesellschaft, nannte sich dann vorübergehend freidenkerIn und erschien dann quartalsmäßig unter dem Titel freidenker. Seit 2020 erscheint der freidenker als Leistungsbericht des HVÖ nur mehr jährlich und Inhalte werden vermehrt beim Humanistischen Pressedienst veröffentlicht.[7][8]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vereinsregistereintrag ZVR-Zahl 867194788
  2. Programm Österr. Humanistenkongress abgerufen am 8. Jänner 2020
  3. Presseaussendung Österr. Humanistenkongress abgerufen am 8. Jänner 2020
  4. Aufgedeckt: Der Spion in der SPÖ-Zentrale
  5. Joachim Riedl: Österreich – Die Gottlosen, Die Zeit (Österreichausgabe) vom 13. September 2007.
  6. Vereinsregistereintrag ZVR-Zahl 867194788
  7. Gerhard Engelmayer: HPD - Was ist das? In: Freidenker. Nr. 4, 2019.
  8. Gerhard Engelmayer: Willkommen Österreich! Humanistischer Pressedienst, 14. Januar 2020, abgerufen am 27. September 2020.