LGBT

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Eines der LGBT-Symbole ist die Regenbogenflagge
Die Vielfalt der LGBT-Szene, dargestellt in einem Straßenschild an der berühmten Christopher Street in New York City (2019)

LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender (lesbisch, schwul, bisexuell und transgender). Zunächst kam im Englischen LGB auf als Zusammenschluss von Personen mit den entsprechenden sexuellen Orientierungen im Kampf gegen Diskriminierungen (vergleiche Heterosexismus).

Dieser Sammelbewegung schlossen sich bald Gruppen von Transgender-Personen an, die sich nicht mit dem ihnen bei Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizierten. Die Kategorie „Transgender“ bezieht sich zwar nicht auf die sexuelle Orientierung der Betroffenen, sondern auf ihre sexuelle Identität. Allerdings ergibt sich die Nähe zu den drei erstgenannten Gruppen historisch aus dem Dritten Geschlecht und aus dem sozial wirkenden Heterosexismus, der beide betrifft. Da sich mit einem Wechsel der geschlechtlichen Zuordnung (Gender) auch die Kategorisierung der sexuellen Orientierung ändert, wird von Transgender-Personen gemeinsam mit der LGB-Bewegung das Recht gefordert, die eigene Sexualität ausleben zu dürfen, über Homosexualität hinausgehend. Damit wurde die die Ergänzung der Abkürzung „LGB“ um das „T“ begründet.

Mit dem Aufkommen der Queer-Theorie schlossen sich queere Personen der Sammelbewegung an (LGBTQ). Im Folgenden wurde die Bezeichnung ergänzt mit „I“ für intergeschlechtliche Personen, dann mit „A“ für asexuelle oder agender Personen und schließlich mit einem „+“-Zeichen oder Sternchen als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten (LGBTQIA*). Alle Untergruppen fordern Freiheiten in Bezug auf die gesellschaftlich geprägte zweigeschlechtliche Ordnung und die damit verbundene soziale Norm der Heteronormativität (gegengeschlechtliche Liebe). Ab der Jahrtausendwende waren diese Abkürzungen derart verbreitet, dass sie weltweit von vielen Gruppen und deren Medien verwendet und dadurch zum Internationalismus wurden. Mittlerweile hat sich LGBT als Kurzform für alle Geschlechter, Geschlechtsidentitäten und sexuelle Orientierungen durchgesetzt, die von zweigeschlechtlichen und heterosexuellen Normen abweichen. Im Internet gibt es die Top-Level-Domain .lgbt. Auch die UN-Menschenrechtskommission verwendet die Kurzform LGBT in ihrer Kampagne „UN Free & Equal“.

In Deutschland definiert das Regenbogenportal des Familienministeriums die Abkürzungen LSBT, LSBTI, LSBTIQ oder LSBTI* (siehe unten). Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichte 2017 ein LSBTIQ-Lexikon.[1]

Zusammenfassend bestimmt das Gender-Portal der Universität Duisburg-Essen den Begriff LSBTI* folgendermaßen: „Der Sammelbegriff wird als politischer Begriff verwendet, um auf die Marginalisierung und Ausgrenzung bestimmter Begehrens- und geschlechtlicher Lebensformen aufmerksam zu machen und für die gesellschaftliche Anerkennung zu kämpfen. LSBTI* zeigt vor allem den solidarischen Zusammenschluss verschiedener Gruppierungen an, die die Erfahrung von gesellschaftlicher, rechtlicher und politischer Ausgrenzung und Verfolgung aufgrund ihres Geschlechts und/oder ihres Begehrens teilen.“[2]

Geschichte

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Begriff drittes Geschlecht als Sammelbegriff für Menschen, die von heteronormativen Regeln abweichen, verwendet. Beginnend mit Magnus Hirschfeld und vor allem ab Ende der 1940er wurde in der Wissenschaft immer mehr zwischen Homo- und Transsexualität unterschieden, und der Begriff drittes Geschlecht wurde aufgegeben. Besonders in den 1940ern bis Anfang der 1970er verwendeten einige statt des medizinisch klingenden, durch die Überbetonung des Sex leicht zu Missverständnissen führenden und stark negativ belasteten Wortes homosexuell den Begriff homophil als Selbstbeschreibung, der die Liebe hervorheben sollte. Es waren oft konservativere Personen, die auch eine sehr starke Anpassung an die heterosexuelle Mehrheitsgesellschaft guthießen. Besonders ab Stonewall 1969 verwendeten progressivere Personen die heute zu Geusenwörtern gewordenen Begriffe gay oder schwul.

Durch die stärkere Zusammenarbeit der Schwulen- mit der Lesbenbewegung, die auch stark mit der Frauenbewegung verknüpft ist, wurde die Forderung nach einer eigenen Identität laut, und es wurden immer mehr die Wortfolgen „Schwule und Lesben“, „schwul-lesbisch“ oder „gay and lesbian“ verwendet, um klarzustellen, dass auch lesbische Belange gemeint sind. Oft wurde auch den Frauen im Namen der Vortritt gelassen, unter anderem, weil sie weniger oft bemerkt werden. Im Alltagsgebrauch in der Szene wird auch oft „schwullesbisch“ oder „gaylesbian“ verwendet.

In den 1970ern begann sich die bisexuelle Gemeinschaft zu emanzipieren. Sie forderte, als eigenständige Gruppe betrachtet zu werden,[3] wollte aber teilweise mit den schon etablierten Verbänden zusammenarbeiten. Durch die herrschende Heteronormativität wurden Bisexuelle oft als Schwule und Lesben angesehen. Andererseits gab es Differenzen, da sich einige Lesben und Schwule sträubten, Bisexuelle als solche zu akzeptieren, und ihnen Feigheit vor einem Coming-out und damit manchmal sogar den Verrat an der Bewegung vorwarfen. Zusätzlich war in den späten 1970ern und Anfang der 1980er die erste Euphorie nach Stonewall verflogen und AIDS betrat die Bühne der Zeitgeschichte. Auch durch Letzteres angestoßen, kamen Ende der 1980er vermehrt die Bezeichnungen „gay, lesbian and bisexual“ beziehungsweise „Schwule, Lesbische und Bisexuelle“ auf. Wegen der Langatmigkeit, alle Gruppen aufzuzählen, wird in der englischsprachigen Welt immer öfter die Abkürzung „GLB“ beziehungsweise „LGB“ benutzt. Im deutschsprachigen Raum konnte sich die Abkürzung „LSB“ kaum durchsetzen und noch weniger „SLB“. Hier wurde immer mehr dazu übergegangen, mit den vorhandenen Worten zu spielen und oft durch Binnenmajuskel verdeutlichte Akronyme wie vor allem LesBiSchwul oder auch „schwuLesBisch“ zu verwenden. Auch die Newsgroup „de.alt.soc.lesbischwul“ hat daher ihren Namen. Das englische Pendant LesBiGay beinhaltet zugleich das Wortspiel Let’s be gay! („Lass uns schwul sein“).[4]

Das deutsche Regenbogenportal des Bundesfamilienministeriums definiert „LSBT, LSBTI, LSBTIQ, LSBTI*“ 2019 als: „LSBTIQ oder ähnliche Zusammensetzungen dienen als Abkürzung für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere Menschen.“[5]

Unter anderem die Verbreitung von Ideen aus der Queer-Theorie und die Genderforschung in anderen Kulturen und Zeiten führten dazu, dass die Schicksalsgemeinschaften sich wieder näher kamen. Erst in den 1990ern wurde es üblich, von „gay, lesbian, bisexual and transgender people“ oder „Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern“ zu sprechen. Da die oftmalige Aufzählung aller Betroffenen der sexuellen Minderheiten immer sehr langatmig und platzraubend ist, wurde Mitte der 1990er das erweiterte Akronym „LGBT“ oder etwas seltener auch „GLBT“ üblich und hat sich recht schnell bis zur heutigen oftmaligen Verwendung durch Vereine und Organisationen verbreitet, vor allem in den englischsprachigen Ländern, aber auch im deutschsprachigen Raum und in vielen anderen Ländern. Sogar im sonst sehr auf Sprachtreue Wert legenden Frankreich hat sich diese Bezeichnung durchgesetzt. Die deutschsprachigen Pendants „LSBT“ oder „SLBT“ sind weniger verbreitet. Sprachenspezifische Akronyme gibt es dagegen in Esperanto (GLAT), Ungarisch (LMBT), Norwegisch (LHBT), Schwedisch (HBT), Spanisch aus Spanien, Katalanisch und Galizisch (LGTB)[6], Schottisch-Gälisch (LCDT) und Hebräisch (להט״ב, „lahatab“, lhtb[7]). An die Schrift angepasste Varianten gibt es bei Kyrillisch (ЛГБТ)[8].

Immer öfter wird queer („seltsam, sonderbar“) als Synonym verwendet, insbesondere in Namen, da es ein Anglizismus, kein Kunstwort und nur eine Bezeichnung ist. Darunter wird prinzipiell alles von der Heteronormativität Abweichende verstanden. Da es zum Modewort geworden ist, stecken aber vor allem bei kommerziellen Namensverwendungen – im Gegensatz zu „Queer-Studies“-Universitätsinstituten und ähnlichem – oft nur Teilbereiche dahinter.

Seit Juli 2014 gibt es im Internet auch die Top-Level-Domain .lgbt.[9]

Im Jahr 2016 kam eine Online-Umfrage unter knapp 12.000 Personen in der Europäischen Union zu dem Ergebnis, dass sich in Deutschland 7,4 % der Bevölkerung dem LGBT-Spektrum zuordnen. Bei den neun europäischen Ländern mit statistisch signifikanten Ergebnissen belegte Deutschland damit den Spitzenplatz, vor Spanien (6,9 %) und England (6,5 %). Mit 1,5 % ordneten sich in Ungarn die wenigsten Personen der LGBT-Community zu.[10][11]

Indikatoren zur LGBT-Situation weltweit

Rechtliche Lage in Latein-Amerika (Infografik der Heinrich-Böll-Stiftung)

Ende 2019 veröffentlichte die konservative Londoner Denkfabrik Legatum Institute zwei sogenannte „soziale Indikatoren“ zur Situation von LGBT-Personen in 167 Staaten als Teil ihres jährlichen Wohlstandsindikators Legatum Prosperity Index (PI):[12][13]

  1. Wahrgenommene Toleranz von LGBT-Personen, gemäß Gallup-Befragungen von 130.000 Personen weltweit: „Ist deine Stadt/Region ein guter Ort zum Wohnen für schwule/lesbische Personen?“
  2. Rechte von LGBT-Personen, gemäß Auswertungen der ILGA zur Legalität von Homosexualität (1), eingetragener Partnerschaft (2) und gleichgeschlechtlicher Ehe (3)

Der erste Indikator untersucht subjektive Eindrücke der befragten LGBT-Personen, der zweite das positive Recht in den betreffenden Staaten.

Die wahrgenommene Toleranz hat sich demnach in 111 Staaten verbessert und stieg weltweit von rund 25 % (2009) auf rund 33 % (2019). Island liegt demnach auf Rang 1 (92 %), Tadschikistan – als Staat mit der niedrigsten Toleranz – liegt auf Rang 167 (1 %).[12]

Von den drei LGBT-Rechten haben 55 Staaten keines, nur 26 haben alle, 12 haben zwei, 74 nur eines: gesetzlich erkennen sie Homosexualität an (de jure), aber nicht immer im praktischen Leben (de facto).[12]

Die beiden Angaben gehören zu den insgesamt 27 Indikatoren des Bereichs „Persönliche Freiheit(Personal Freedom), einer von 12 Unterindizes des Prosperity Index und Teil des Bereichs „Inkludierende Gesellschaften“ (Inclusive Societies).

Die folgende Kurzliste zeigt die drei D-A-CH-Länder im Vergleich zu anderen, die den jeweils ersten Rang belegen, zusammen mit Änderungen zu 2009, dem Unterindex zur persönlichen Freiheit (Länderliste) und dem Gesamtergebnis des PI (Länderliste):[14]

Staat (2019) LGBT-
Tole-
ranz
Rang
(+/−)
2009 LGBT-
Rech-
te
Rang
(+/−)
2009 Pers.
Frei-
heit
Rang
(+/−)
2009 PI Rang
(+/−)
2009
Island Island 92 % 1 (+1)  82 % 3 1 (+16) 1 89,05 6 (0)  88,67 80,72 10 (+1) 79,74
Norwegen Norwegen 90 % 2 (+13) 61 % 3 1 (0)  3 94,56 1 (+1) 90,75 83,64 2 (+1) 82,45
Danemark Dänemark 88 % 4 (+7)  65 % 3 1 (+16) 1 92,88 2 (+2) 88,62 83,96 1 (0)  83,15
Schweiz Schweiz 79 % 11 (+9) 56 % 2 27 (−19) 2 85,98 12 (+3) 83,84 83,64 3 (+1) 81,98
Finnland Finnland 79 % 11 (+11) 54 % 3 1 (+16) 1 90,76 3 (+7) 85,89 82,39 5 (0)  81,25
Deutschland Deutschland 73 % 19 (+1) 56 % 3 1 (+7) 2 85,26 13 (−2) 85,35 81,14 8 (0)  79,88
Osterreich Österreich 70 % 22 (+19) 34 % 3 1 (+16) 1 83,51 17 (+1) 79,95 80,26 13 (−2) 79,41

Ähnliche Abkürzungen

Das Akronym FLTI* erklärt im Jahr 2017 das LSBTIQ-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung: „FLTI* steht als Abkürzung für Frauen, Lesben, Trans*, Inter* und wird oft für (Schutz-)Räume verwendet, zu denen Cis-Männer keinen Zutritt haben. Der Asterisk* (das Sternchen ‚*‘) am Ende der Abkürzung dient als Platzhalter zur Inklusion (Einbeziehung) von allen nicht-binären Geschlechtsidentitäten.“[15] Aus der Abkürzung entwickelte sich in der Folge FINTA (Frauen, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Transgender- und Agender-Personen), bei der manchmal vorne ein L für Lesben ergänzt und das A durch ein Trans-Sternchen ersetzt wird: FLINT*.[16][17][18]

Die umfassendere Abkürzung GSD (Gender and Sexual Diversity „Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt“) wurde 2013 von Dominic Davies und Pamela Gawler-Wright als Alternative zu LGBT vorgeschlagen.[19] Die Abkürzung LGBT würde viele verwandte Gruppen nicht enthalten. Statt die Abkürzung etwa mit LSBTTIQ immer weiter zu erweitern, soll GSD eine kurze, aber umfassendere Beschreibung ermöglichen.[20]

Kritik

Gruppenzugehörigkeit und Sprachverwendung

Das Gender-Portal der Universität Duisburg-Essen stellt fest, dass „LSBTI*“ als Bezeichnung umstritten sei, „weil damit identitätspolitische Ansprüche und Festlegungen einhergehen, die nicht von allen gewollt sind und der Pluralisierung der Lebens- und Begehrensformen“ entgegenliefen.[21]

So kritisieren einige Transgender-Personen, dass die häufige Verwendung der Bezeichnung LGBT suggeriere, dass sie alle lesbisch oder schwul seien. Tatsächlich aber können Transgender-Menschen auch eine heterosexuelle Orientierung haben. Oft wird die Bezeichnung auch dann verwendet, wenn es nur um schwule Cisgender-Männer und lesbische Cisgender-Frauen geht. Folglich gibt es die Forderung, das „T“ wieder von „LGB“ zu trennen, da Gender und Geschlechtsidentität ein wesentlich anderes Thema sei als sexuelle Orientierung.[22] Andere Transgender-Personen bewerten die Bezeichnung LGBT als treffend, weil sie sich als Teil einer gemeinsamen Bewegung oder Szene begreifen, ohne die sie marginalisiert wären.

Manche lesbische Feministinnen kritisieren, dass es auch in der vorgeblichen LGBT-Gemeinschaft Sexismus und Frauenfeindlichkeit gebe; sie seien in der LGBT-Bewegung marginalisiert. So forderte eine Gruppe bei der Pride-Parade in London 2018, das „L“ aus „LGBT“ herauszunehmen. Die Frauen kritisierten, dass „LGBT“-Organisationen und -Veranstaltungen von Männern dominiert würden, welche die Interessen von Lesben missachteten.[23][24][25]

Strittig diskutiert wird auch, ob der Anschluss von Anhängern der Queer-Theorie an die LGBT-Gemeinschaft dem Projekt diene. Letztlich geht es um eine Antwort auf die emanzipationsstrategische Frage: „Führt kategoriales Denken und Handeln zum Abbau von ungerechten Strukturen, weil erst dadurch Diskriminierung erkannt und kritisiert werden kann? Oder werden Kategorien durch die ständige Wiederbenennung aufrechterhalten, obwohl doch das Ziel sein sollte, sie zu dekonstruieren?“.[26] Vor allem traditionelle Feministinnen warnen davor, den Begriff „Frau“ zu dekonstruieren,[27] indem das „Frau-Sein“ von Frauen problematisiert werde. Das schwäche die Frauenbewegung.[28] Die Kraft des Topos „Wir Frauen!“ sei bisher eine der Säulen des Erfolgs der Frauenbewegung gewesen.[29]

Vertreter von intergeschlechtlichen Menschen betonen, dass die Aufgabe bipolaren Denkens (dass Menschen entweder männlich oder weiblich seien) für die Wahrnehmung ihrer Interessen von zentraler Bedeutung sei.[30][31]

Legitimität der Bewegung

Für Aufsehen sorgte im Frühjahr 2021 eine Aktion der Ludgerusschule in Vechta, einer Oberschule in der Trägerschaft der St. Benedikt-Stiftung des katholischen Bistums Münster. Die von der Schulleitung unterstützte Aktion richtete sich gegen die „Diskriminierung der ‚LGBTQ‘-Gemeinde“.[32] Im Rahmen der Aktion wurde u. a. die Regenbogenflagge in der Pausenhalle der Schule aufgehängt. Die AfD-Nord appellierte daraufhin an Bischof Felix Genn, diese „vollständige[…] moralische[…] Verirrung“ zu unterbinden, „die gemäß katholischem Glauben nicht geduldet werden“ könne. Diesen Appell befürworteten auch nicht der AfD nahestehende Katholiken im Oldenburger Münsterland.[33]

Unter US-amerikanischen katholischen Bischöfen gibt es einen Dissens über die Bewertung von LGBT-Personen. Der Supreme Court der USA hatte im Juni 2020 Regelungen in diversen Staaten der USA für verfassungswidrig erklärt, wonach es zulässig sei, Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender-Personen im Berufsleben zu diskriminieren. Gleich nach seinem Amtsantritt im Januar 2021 hatte Präsident Joe Biden einen Erlass „zur Verhütung und Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität oder der sexuellen Orientierung“ unterzeichnet. Die Mehrheit der amerikanischen katholischen Bischöfe kritisierte diese Maßnahme. Das Dekret verletzte die Rechte jener, die an die Unterschiede zwischen den Geschlechtern glaubten „oder die Institution einer lebenslangen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau aufrechterhalten“.[34] Eine Minderheit der Bischöfe beurteilte den Sachverhalt differenzierter: LGBT-Menschen seien „mit Respekt, Mitgefühl und Sensibilität zu behandeln“. Dies ändere aber nichts daran, dass die Lehre der katholischen Kirche sexuelle Handlungen zwischen Menschen des gleichen Geschlechts als sündhaft ansehe. Es müsse klar zwischen Veranlagung und Handeln unterschieden werden.[35]

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: LGBT – Sammlung von Bildern
Wiktionary: LGBT – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Lexika:

Vereinte Nationen:

Studien, Umfragen:

Dokumentation:

LGBT-Vereinigungen und -Vernetzungen:

Einzelnachweise

  1. Arn Sauer: LSBTIQ-Lexikon. Bundeszentrale für politische Bildung, 27. März 2017, abgerufen am 7. November 2021.
  2. Universität Duisburg-Essen: Gender-Portal: Was bedeutet Gender? In: Uni-Due.de/Genderportal. 5. August 2020, abgerufen am 2. November 2021.
  3. Erwin J. Haeberle: Bisexualitäten: Geschichte und Dimensionen eines modernen wissenschaftlichen Problems. In: Erwin J. Haeberle, R. Gindorf: Bisexualitäten: Ideologie und Praxis des Sexualkontaktes mit beiden Geschlechtern. Gustav Fischer, Stuttgart 1994, S. 1–39 (online auf sexarchive.info).
  4. Stanislawa Paulus: Identität ausser Kontrolle: Handlungsfähigkeit und Identitätspolitik jenseits des autonomen Subjekts. Lit, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-8258-4971-6, S. 85.
  5. Regenbogenportal: LSBT, LSBTI, LSBTIQ, LSBTI*. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Mai 2019, abgerufen am 30. Oktober 2020.
  6. LGTB, en mayúsculas
  7. Von לסביות (′lessbijot) ‚lesbische‘; הומואים (′homoim) ‚schwule‘; טרנסג'נדרים (trans′genderim) ‚transgender‘; ביסקסואלים (bisexu′alim) ‚bisexuelle‘ [Menschen]. Die Gerschajim (״) vor dem letzten Buchstaben (von rechts nach links) markieren es als Akronym.
  8. Für das kyrillische Alphabet (auch cyrillisch, zyrillisch) siehe auch Schriften in Europa: Das phönizische und das griechische Alphabet. (Memento vom 29. März 2007 im Internet Archive) Stand: 2. Februar 2008, abgerufen am 2. Februar 2020.
  9. Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN): ICANN New gTLDs. Abgerufen am 20. Februar 2020 (englisch).
  10. Charlotte Haunhorst: So queer ist Deutschland wirklich. In: Jetzt.de. 19. Oktober 2016, abgerufen am 13. Juli 2020.
  11. Fred Deveaux, Dalia Research: Counting the LGBT population: 6 % of Europeans identify as LGBT. In: DaliaResearch.com/blog. 18. Oktober 2016, abgerufen am 13. Juli 2020 (englisch).
  12. a b c Sonia Elks: Tolerance towards LGBT+ people seen rising globally. In: Reuters.com. 25. November 2019, abgerufen am 28. Januar 2020 (englisch).
  13. Legatum Institute: The Legatum Prosperity Index 2019 – Methodology Report. London, November 2019, S. 49: LGBT Rights, und S. 50: Perceived tolerance of LGBT individuals (englisch; PDF: 2 MB, 97 Seiten auf prosperity.com); Zitat S. 50: „Is your city/area a good place to live for gay/lesbian people?“
  14. Legatum Institute: The Legatum Prosperity Index 2019 – A tool for transformation. London, November 2019, S. 14–16: Tabelle (englisch; PDF: 31,3 MB, 92 Seiten auf prosperity.com).
    Ebenda, jeweils auf S. 4 (einzelne PDF: 1,2 MB, 15 Seiten): Deutschland, Österreich, Schweiz, Dänemark, Norwegen, Finnland, Island (englisch; Länderauswahl).
    Sämtliche Indizes und 294 Indikatorwerte: XLSX-Tabelle: 12 MB (englisch).
    Legatum Prosperity Index: Offizielle WebsiteInteraktiver Indexanzeiger (PI mit 12 Unterindizes) – Downloadübersicht (englisch).
  15. LSBTIQ-Lexikon: FLTI*. Bundeszentrale für politische Bildung, 27. März 2017, abgerufen am 17. Oktober 2021 (erstellt von Arn Sauer, Politologe und Mitarbeiter für Gender-Mainstreaming am deutschen Umweltbundesamt).
  16. Fridays for Future Wiki: FINTA*. In: FridaysForFuture.is. 30. Juni 2020, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  17. Queer-Lexikon: FINTA. In: Queer-Lexikon.net. 30. Mai 2020, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  18. Kritische Männlichkeit: FLINT / LGBTIQA / * usw. In: Kritische-Maennlichkeit.de. 2021, abgerufen am 17. Oktober 2021.
  19. Les Fabian Brathwaite: The Name Game: Therapists Argue To Replace “LGBT” With More Inclusive “GSD”. In: Queerty.com. 23. Februar 2013, abgerufen am 2. Februar 2020 (englisch).
  20. Video von Evan Edinger: Asexual Denial and Bisexual Erasure auf YouTube, 15. Juni 2017, abgerufen am 2. Februar 2020 (12:07 Minuten; zur Frage „GSD“ ab Minute 3:24).
  21. Universität Duisburg-Essen: Was bedeutet Gender? In: Uni-Due.de/Genderportal. 5. August 2020, abgerufen am 7. November 2021
  22. Katie Glover: Why it’s time to take the T out of LGBT. In: The Independent. 10. September 2015, abgerufen am 7. November 2021 (englisch).
  23. Jo Bartosch: Lesbian Pride, Lesbian Protest. In: JosephineBartosch.Medium.com. 8. Juli 2018, abgerufen am 7. November 2021 (englisch).
  24. Sarah Ditum: Why were lesbians protesting at Pride? Because the LGBT coalition leaves women behind. In: New Statesman. 11. Juli 2018, abgerufen am 7. November 2021 (englisch).
  25. Angela Wild: Opinion: Lesbians need to get the L out of the LGBT+ community. In: Trust.org. 12. April 2019, abgerufen am 7. November 2021 (englisch).
  26. Tinka Greve: Differenzen (ir)relevant machen? Antidiskriminierungsarbeit im Spannungsfeld von Dekonstruktion, Normalisierung und Empowerment. In: Zeitschrift für Diversitätsforschung und -management. 6. Mai 2021, abgerufen am 7. November 2021.
  27. Anna Babka, Gerald Posselt: Gender und Dekonstruktion: Begriffe und kommentierte Grundlagentexte der Gender- und Queer-Theorie. Wien 2016, S. 36–37 (Seitenvorschauen in der Google-Buchsuche).
  28. Koschka Linkerhand: Das Ende des Frauseins? In: Emma. 28. Juni 2017, abgerufen am 7. November 2021.
  29. Katharina Lux: Von der Produktivität des Streits: Die Kontroverse der Zeitschriften Courage, Die Schwarze Botin und Emma. Überlegungen zur Konfliktgeschichte der Frauenbewegung. In: Feministische Studien. Band 35, Nr. 1, 2017, S. 31–50, hier S. 34 (Volltext: doi:10.1515/fs-2017-0003).
  30. Gitte Stricker: Dekonstruktion der Zweigeschlechtlichkeit: Gesellschaftliche und sozialpädagogische Emanzipationsperspektiven für intersexuelle Menschen. Diplomarbeit HAW-Hamburg 2005, S. 25 f. (26 f.) (PDF: 484 kB, 93 Seiten auf haw-hamburg.de).
  31. Alfons Bora u. a.: Zur Situation intersexueller Menschen. Bericht über die Online-Umfrage des Deutschen Ethikrates Deutscher Ethikrat 2012. S. 31 (32). Abgerufen am 7. November 2021
  32. Rieke Stilkenböhmer: Schüler setzen Zeichen gegen Homophobie. om-online.de. 21. Mai 2021
  33. „Kehren Sie um und verlassen Sie den Weg des Verderbens zum Wohle unserer Kinder!“. kath.net. 27. Mai 2021
  34. US-Bischöfe üben Kritik an Dekret zu LGBTQ-Diskriminierungsverbot. katholisch.de. 23. Januar 2021. Abgerufen am 2. November 2021.
  35. „Gott hat euch geschaffen, Gott liebt euch und Gott ist auf eurer Seite“. Mehrere US-Bischöfe erklären Unterstützung für LGBT-Jugendliche. katholisch.de. 26. Januar 2021. Abgerufen am 2. November 2021.