Freieslebenit

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Freieslebenit
Freieslebenit - Mineralogisches Museum Bonn (7267).jpg
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel PbAgSbS3
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
2.JB.15 (8. Auflage: II/E.17)
03.04.06.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Nr.) P21/a[1] (Nr. 14)
Gitterparameter a = 7,53 Å; b = 12,79 Å; c = 5,88 Å
β = 92,2°[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Zwillingsbildung nach (100)
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2 bis 2,5
Dichte (g/cm3) 6,2 bis 6,3
Spaltbarkeit undeutlich
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben
Farbe bleigrau bis stahlgrau, silberweiß
Strichfarbe bleigrau bis stahlgrau, silberweiß
Transparenz undurchsichtig
Glanz Metallglanz

Freieslebenit, auch als Basitomglanz, Donacargyrit, Dunkles Weißgültigerz oder Schilfglaserz bekannt, ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Sulfide und Sulfosalze. Er kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung PbAgSbS3 und entwickelt prismatische, schilfartige, krummflächige und für dieses Mineral typische, parallel zur c-Achse gestreifte Kristalle, deren Farbe und Strichfarbe von bleigrau über stahlgrau bis silberweiß reichen kann.


Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1783 durch Jean-Baptiste Louis Romé de L’Isle, der es als Mine d’antimoine grise tenant argent bezeichnet. Bei seiner Beschreibung konzentrierte sich L’Isle fast ausschließlich auf die Morphologie der Kristalle und deren auffällige Längsstreifung.[2]

Da Johann Carl Freiesleben die Publikation von L’Isle anscheinend nicht bekannt war,[2] beschrieb er das Mineral 1817 ein zweites Mal, ging dabei vorrangig auf dessen Eigenschaften ein und gab ihm den Namen Schilfglaserz.[3]

Seinen bis heute gültigen Namen Freieslebenit erhielt das Mineral 1845 von Haidinger.[4]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der alten (8. Auflage) wie der neuen Systematik der Minerale (9. Auflage) nach Strunz ist der Freieslebenit in der Abteilung der Sulfosalze eingeordnet. Die neue Systematik unterteilt diese Abteilung allerdings noch weiter, so dass sich das Mineral jetzt in der Unterabteilung „Sulfosalze mit PbS als Vorbild und der Galenit-Derivate mit Blei (Pb)“ befindet.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Freieslebenit in die Abteilung der „Sulfosalze mit der allgemeinen chemischen Zusammensetzung z/y > 3 - (A+)i (A2+)j [By Cz], A=Metalle, B=Halbmetalle, C=Nichtmetalle

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freieslebenit findet sich in der Grube Himmelsfürst bei Freiberg in Sachsen, Felsöbanya in Ungarn und Hiendelaencina in Spanien. Er bildet sich hydrothermal.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freieslebenit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/a (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 7,53 Å; b = 12,79 Å, c = 5,88 Å und β = 92,2 ° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Freieslebenite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 145.
  2. a b Thomas Witzke: Entdeckung von Freieslebenit
  3. J. C. Freiesleben: Beschreibung einiger in meiner Mineraliensammlung befindlichen merkwürdigen sächsischen Fossilien, nebst historischen und geognostischen Bemerkungen über dieselben. Schilf-Glaserz. (Geognostische Arbeiten 6), In: Beyträge zur Mineralogischen Kenntniß von Sachsen. Zweyte Lieferung (1817), S. 97–101
  4. W. Haidinger: Handbuch der bestimmenden Mineralogie, enthaltend die Terminologie, Systematik, Nomenklatur und Charakteristik der Naturgeschichte des Mineralreiches. Braumüller & Seidel, Wien 1845, S. 569