Fritz Elsas

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fritz Elsas 1931
Stolperstein vor dem Haus, Patschkauer Weg 41, in Berlin-Lichterfelde

Fritz Julius Elsas (* 11. Juli 1890 in Cannstatt; † 4. Januar 1945 im KZ Sachsenhausen) war ein deutscher Politiker (DDP/DStP) und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er wurde als Sohn eines Industriellen geboren, studierte in München, Berlin und Tübingen Jura, promovierte 1912 zum Doktor der Staatswissenschaften. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Elsas als Freiwilliger, wurde aber aufgrund einer starken Sehbehinderung ausgemustert.

Von August 1914 bis zum 30. Januar 1915 arbeitete er in der Handelskammer in Stuttgart. Er entwarf ein System der Nahrungsmittelversorgung, das reichsweit zum Vorbild wurde. Ab dem 1. Februar 1915 war er bei der Stadt Stuttgart beschäftigt, zuletzt als Direktor des städtischen Lebensmittelamts mit acht Abteilungen und über 200 Mitarbeitern.[1]

1919 wurde er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und Stadtrat in Stuttgart. Wegen antisemitischer Angriffe, obwohl er bereits während seines Studiums zum evangelischen Glauben konvertiert war, verzichtete er 1921 auf eine DDP-Kandidatur zum Oberbürgermeister. 1924 wurde er Abgeordneter des Württembergischen Landtags.

1926 wurde er zum Vizepräsidenten des Deutschen und Preußischen Städtetags berufen und zog nach Berlin. Im April 1931 wählten ihn die Berliner Stadtverordneten zum Bürgermeister.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 kam er seiner bevorstehenden Absetzung zuvor, indem er ein Urlaubsgesuch einreichte. Wegen seiner jüdischen Herkunft wurde er im gleichen Jahr in den Ruhestand versetzt. Zunächst arbeitete er als Wirtschafts- und Devisensachverständiger. 1937 wurde er festgenommen und saß wegen ihm unterstellter Devisenvergehen fünf Monate in Untersuchungshaft.

Seit 1934 hatte Elsas Kontakt zu einer liberalen Widerstandsgruppe um Landgerichtsrat Ernst Strassmann in Berlin und den Kaufmann Hans Robinsohn in Hamburg. Darüber hinaus hatte er Verbindungen zum früheren Leipziger Oberbürgermeister Carl Friedrich Goerdeler. Er verfasste eine Proklamation, mit der Goerdeler nach dem geplanten Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler die Öffentlichkeit informieren wollte. Elsas sollte nach einem gelungenen Attentat Leiter der Reichskanzlei werden.

Nach dem Scheitern des Attentats im Juli 1944 versteckte er Goerdeler. Am 10. August 1944 wurde Elsas von der Gestapo verhaftet und gefoltert. Vier Monate verbrachte er im Berliner Zellengefängnis Lehrter Straße. Im Dezember 1944 wurde er in das Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht und dort im Januar 1945 ohne Gerichtsverfahren erschossen. Seine Frau, sein Sohn und seine beiden Töchter wurden in den KZs Buchenwald und Ravensbrück in Sippenhaft genommen, sein Nachlass konfisziert.

Elsas war mit Theodor Heuss befreundet. Seine Tochter Hanne heiratete im August 1945 Heuss’ Sohn Ernst Ludwig.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Städte Stuttgart und Berlin haben jeweils eine Straße nach Fritz Elsas benannt. Der FDP-Kreisverband Oberhavel erinnert alljährlich im Januar durch Kranzniederlegung im ehemaligen KZ Sachsenhausen an Fritz Elsas.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Elsas: Ein Demokrat im Widerstand. Zeugnisse eines Liberalen in der Weimarer Republik. Hrsg. von Manfred Schmid, Bleicher Verlag, Gerlingen 1999, ISBN 3-88350-664-8.
  • Fritz Elsas: Auf dem Stuttgarter Rathaus 1915–1922: Erinnerungen. Hrsg. von Manfred Schmid, Klett-Cotta, Stuttgart 1990, ISBN 3-608-91331-9.
  • Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 176.
  • Jörg Thierfelder: Fritz Elsas. In: Joachim Mehlhausen (Hrsg.): Zeugen des Widerstands. Mohr, Tübingen 1996, ISBN 3-16-146535-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Staatsanzeiger Nr. 1 vom 16. Januar 2009, Seite 56.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]