Fruchtblase

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Menschlicher 10 Wochen alter Fötus in der Fruchtblase

Die Fruchtblase, auch Fruchtwassersack oder Fruchtsack (engl.: amniotic sac), ist ein flüssigkeitgefüllter Membransack, in dem sich der Embryo bzw. Fötus amniotischer Landwirbeltiere entwickelt. Sie befindet sich entweder in einem mit einer relativ festen Schale umschlossenen Ei (Reptilien, Vögel, Monotremen) oder im Uterus des Muttertieres („echte“ Säuger).

Was genau als „Fruchtblase“ bezeichnet wird, darauf legt sich die Literatur nicht einheitlich fest. Teils wird als Fruchtwassersack nur das mit Fruchtwasser gefüllte Amnion (Amnionhöhle), die inner(st)e, den Embryo bzw. Fötus unmittelbar umgebende Eihaut, bezeichnet,[1] teils ist die Fruchtblase aber auch definiert als die Gesamtheit der Eihäute, das heißt, sie schließt mindestens auch das Chorion (Serosa), eine äußere Eihaut, mit ein.[2]

Diese Unschärfe mag darin begründet sein, dass während der Entwicklung des Embryos das extraembryonale Coelom, der flüssigkeitsgefüllte Raum zwischen Amnion und Chorion, infolge des Wachstums des Embryos und der Amnionhöhle schrumpft. Schließlich verschmilzt das Amnion großflächig mit dem Chorion, dem bei plazentalen Säugern noch eine Lage aus Uterusschleimhaut (Decidua capsularis) aufliegt, sodass strukturell die Amnionhöhle spätestens kurz vor der Geburt bzw. dem Schlupf den einzigen großen Hohlraum innerhalb der Eihäute und außerhalb des Fötus’ bildet.[3]

Bei den terrestrischen Landwirbeltieren (Amniota), zu denen biologisch auch der Mensch gehört, deren Embryonen nicht als schwimmende Larven in einem äußeren Gewässer schlüpfen, bilden die embryonalen Hüllgewebe mit der Fruchtblase einen schützenden flüssigkeitsgefüllten Raum, der vor allem während der frühen Entwicklungszeit des Fötus verhindert, dass die noch überaus zarten embryonalen Gewebsstrukturen beschädigt werden. Außerdem erlaubt die Entwicklung des Föten im Fruchtwasser Bewegungen seines Körpers vor allem der Gliedmaßen und bei den lebendgebärenden Säugern die Drehung in die Geburtslage. Menschenföten üben in der Fruchtblase das nach der Geburt lebenswichtige Saugen und Trinken. Mit zunehmender Größe des Ungeborenen gegen Ende der Schwangerschaft wird die Beweglichkeit im Uterus immer mehr eingeschränkt.

Bei plazentalen Säugetieren platzt die Fruchtblase (Blasensprung) zu Beginn des Geburts­vorganges durch die Wirkung der Wehen. Das Fruchtwasser erleichtert nun das Herausgleiten des Ungeborenen. Die künstliche Eröffnung der Fruchtblase wird Amniotomie genannt. Die Fruchtblase verbleibt zunächst oft noch in der Gebärmutter und wird erst nach dem eigentlichen Geburtsvorgang zusammen mit der Plazenta abgestoßen (Nachgeburt).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Winfried Ahne, Horst Erich König, Hans-Georg Liebich, Manfred Stohrer, Eckard Wolf: Zoologie – Lehrbuch für Studierende der Veterinärmedizin und Agrarwissenschaften. Schattauer, Stuttgart 2000, ISBN 3-7945-1764-4, S. 261
  2. Fruchtblase im Spektrum.de Lexikon der Biologie
  3. Walter Schmidt: Der Lebensraum des Embryo (Wirbeltiere und Mensch). Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins in Innsbruck. Bd. 70, 1983, S. 281–289 (PDF 830 kB)