Frutarismus

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Frutarismus (oder veraltet Fruktivorismus) ist eine Ernährungsweise, die ausschließlich auf der Basis von Früchten beruht. Menschen, die eine solche Ernährungsweise befolgen, heißen Frutarier (auch Fruitarier, Fructarier, Frutaner, Fruitaner, Fruganer oder veraltet Fruktivorer bzw. Früchtler).

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Webster’s Dictionary datiert die Entstehung des Begriffs fruitarian auf das Jahr 1893 und definiert ihn als „a person who lives on fruit“.[1] Eduard Baltzer schrieb in seiner ersten Programmschrift zur Lebensreform (Der Weg zu Gesundheit und sozialem Heil) „Die Moral der Menschheit ruht auf ihrer frugivoren Natur“. Dieses „frugivore Gesetz“ wurde auch von dem Ernährungsreformer Gustav Schlickeysen (1843–1893) propagiert („Die frugivore Diät ist ein kosmisches Gesetz“).[2][3]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frutarier streben eine Ernährung mit pflanzlichen Produkten an, die nicht die Beschädigung der Pflanze zur Folge haben, von der sie stammen.[4][5] Dazu gehören etwa Obst, Nüsse und Samen. Manche Frutarier verzehren nur Obst, das bereits vom Baum gefallen ist, aber auch Getreide, da es bei der Ernte schon abgestorben sei. Knollen, Blätter oder Wurzeln von Nahrungspflanzen sowie Lebensmittel tierischen Ursprungs werden dagegen ausgeschlossen.[6] Die Verwendung der Früchte von Gemüsepflanzen ist unter Frutariern umstritten. Manche Frutarier nehmen auch pflanzliche Öle und Honig zu sich, andere vermeiden den Verzehr von Honigprodukten.[7][8][9] In dieser Überzeugung werden auch Wolle, Leder und Seide abgelehnt, da sie sich nicht mit dem Tierwohl vereinen ließen.

Laut dem Handbook of Pediatric Nutrition sollen auch Varianten der frutarischen Kost existieren, die keimende Getreidekörner und Gemüse einschließen oder die einfach einer veganen Kost entsprechen.[10]

Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ethische[11][12][13], spirituelle und religiöse Vorstellungen sind die häufigsten Beweggründe für diese Ernährungsform.[14] Hierbei steht in der Regel das Tierwohl im Vordergrund der Entscheidung, aber auch Nachhaltigkeit und ökologische Kriterien (Futtermittelanbau, Monokulturen, Transportwege, Ressourcen) spielen eine Rolle. Selten hängen Frutarier den esoterischen Glaubenssystemen der Lichtnahrung an oder erwarten gesundheitliche Vorteile.

Gesundheitliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Frutarismus kann zu einer einseitigen Ernährung führen und dadurch die Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Problematisch ist vor allem eine nicht ausreichende Zufuhr von Proteinen, Vitaminen (B12), Calcium, Zink, Eisen und Iod.[4] Daher wird insbesondere Schwangeren, Stillenden, Säuglingen, Kindern, Senioren, Kranken und Leistungssportlern von einer frutarischen Ernährung abgeraten.[10][15][16] Erwachsene Frutarier ohne Vorerkrankungen klagen dennoch oft monate- bis jahrelang über keinerlei Beschwerden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fruitarian. In: Merriam-Webster Collegiate Dictionary. Merriam-Webster Incorporated 2005 (online).
  2. Gustav Schlickeysen: Obst und Brot. 1875; 2., vermehrte Auflage. Freiburg im Breisgau 1921, S. 29.
  3. Gundolf Keil: Vegetarisch. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 29–68, hier: S. 54 und 59.
  4. a b Veganer, Frutarier & Co. – Wann Extremkost ungesund wird. Pressemitteilung von Für Sie. In: presseportal.de. 14. April 2008, abgerufen am 6. Dezember 2018.
  5. Sally Kneidel, Sara Kate Kneidel: Veggie Revolution: Smart Choices for a Healthy Body and a Healthy Planet. Fulcrum Publishing, 2005, ISBN 978-1-55591-540-7, S. 150 (Auszug in der Google-Buchsuche ).
  6. Fruganismus, Frutarismus. In: lebensmittellexikon.de. Frank Massholder, abgerufen am 21. November 2017.
  7. Richard Rost, Hans-Joachim Appell: Lehrbuch der Sportmedizin. Köln: Deutscher Ärzteverlag, 2001, ISBN 3-7691-7073-3, S. 132 (Auszug in der Google-Buchsuche ).
  8. Marcel Hebbelinck: Vegetarian Nutrition, Physical Activity and Athletic Performance, in: EVU News, Issue 2, 1996 (Online-Version auf der Webseite der IVU).
  9. Audrey Ensminger: Foods & Nutrition Encyclopedia: I to Z. CRC Press, 1994, ISBN 0-8493-8980-1 (Auszug in der Google-Buchsuche ).
  10. a b Patricia Queen Samour, Kathy King Helm, Carol E. Lang: Handbook of Pediatric Nutrition. Jones & Bartlett Publishers, 2003, ISBN 0-7637-3305-9 (Auszug in der Google-Buchsuche ).
  11. The Alternative Daily: These People Are Thriving On Fruitarian Diets. In: The Alternative Daily. 5. Oktober 2016, abgerufen am 14. Mai 2023 (amerikanisches Englisch).
  12. Marius Lix, ru: Benefits and Side Effects of a Fruitarian Diet. In: NatureWord. Abgerufen am 14. Mai 2023 (amerikanisches Englisch).
  13. Most Controversial Diets – Fruitarianism. 22. Dezember 2011, abgerufen am 14. Mai 2023 (amerikanisches Englisch).
  14. Susan Jacobs: Choosing a Vegetarian Diet. In: Yoga Journal. Nr. 72, Januar 1987, S. 69, Abschnitt Fruitarianism (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 30. November 2018]).
  15. John Bloomfield, Kenneth D. Fitch: Science and Medicine in Sport. Wiley-Blackwell, 1995, ISBN 0-86793-321-6, S. 121 (Auszug in der Google-Buchsuche ).
  16. Frutarier: Wie gesund ist es, sich nur von Früchten zu ernähren? In: nachhaltigleben.ch. Carpe Media GmbH, abgerufen am 23. Juni 2023.