Frutarier

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Frutarier (von englisch Fruitarian, Kofferwort aus fruit ‚Frucht‘ und vegetarian ‚Vegetarier‘), auch Fruitarier, Fructarier, Frutaner, Fruitaner oder Fruganer genannt, sind Menschen, die eine vegetarische (bzw. vegane) Ernährungsweise auf der Basis von Früchten befolgen. Diese Ernährungsweise wird als Fruitarismus oder Fruganismus bezeichnet.[1] Nach der im Jahr 2008 getroffenen Einschätzung des Vorsitzenden des Vegetarierbundes Deutschland, Thomas Schönberger, gibt es in Deutschland nur eine sehr kleine Gruppe von Frutariern.[2]

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Webster’s Dictionary datiert die Entstehung des Begriffs fruitarian auf das Jahr 1893 und definiert ihn als „a person who lives on fruit“.[3] Eduard Baltzer schrieb in seiner ersten Programmschrift zur Lebensreform (Der Weg zu Gesundheit und sozialen Heil) „Die Moral der Menschheit ruht auf ihrer frugivoren Natur“. Dieses „frugivore Gesetz“ wurde auch von dem Ernährungsreformer Gustav Schlickeysen (1843–1893) propagiert („Die frugivore Diät ist ein kosmisches Gesetz“).[4][5]

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frutarier streben eine Ernährung mit pflanzlichen Produkten an, die nicht die Beschädigung der Pflanze zur Folge haben, von der sie stammen.[6][7] Dazu gehören etwa Obst, Nüsse und Samen. Manche Frutarier verzehren nur Obst, das bereits vom Baum gefallen ist, aber auch Getreide, da es bei der Ernte schon abgestorben sei. Knollen, Blätter oder Wurzeln von Nahrungspflanzen sowie Lebensmittel tierischen Ursprungs werden dagegen ausgeschlossen.[1] Die Verwendung der Früchte von Gemüsepflanzen ist unter Frutariern umstritten. Manche Frutarier nehmen auch pflanzliche Öle und Honig zu sich, andere vermeiden den Verzehr von Honigprodukten.[8][9][10] Laut dem Handbook of Pediatric Nutrition sollen auch Varianten der frutarischen Kost existieren, die keimende Getreidekörner und Gemüse einschließen oder die einfach einer veganen Kost entsprechen.[11]

Motive[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ethischen Motive von Frutariern ähneln denen von Vegetariern und Veganern in ihren Grundgedanken. So wie Veganer den Tieren das Recht auf ein artgerechtes Leben zusprechen, wollen Frutarier dieses Recht auch Pflanzen gewähren (siehe auch: Pflanzenrechte). Teilweise werden auch gesundheitliche Argumente genannt. Neben gesundheitlichen und ökologischen Aspekten sind zum Teil auch spirituelle und religiöse Vorstellungen Beweggründe für diese Ernährungsform.[12]

Gesundheitliche Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Frutarismus kann zu einer einseitigen Ernährung führen und dadurch die Gesundheit erheblich beeinträchtigen. Problematisch ist vor allem eine nicht ausreichende Zufuhr von Proteinen, Vitaminen (v. a. B12), Calcium, Zink, Eisen und Iod.[6] Daher wird insbesondere Schwangeren, Stillenden, Säuglingen, Kindern, Kranken und Leistungssportlern von einer frutarischen Ernährung abgeraten.[11][13]

Bekannte Vertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein prominenter Frutarier war Mahatma Gandhi. Nach fünf Jahren gab er die Diät wegen einer Rippenfellentzündung (Pleuritis) auf und kehrte zum Vegetarismus zurück. Auch Steve Jobs war in den 1970er-Jahren für kurze Zeit Frutarier.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fruganismus, Frutarismus. In: lebensmittellexikon.de. Frank Massholder, abgerufen am 21. November 2017.
  2. Christian Schiffer: Bitte umstellen! Super-Vegi is saving the world. In: br-online.de. 28. Juli 2008, archiviert vom Original am 25. Juli 2009; abgerufen am 19. November 2018.
  3. Fruitarian. In: Merriam-Webster Collegiate Dictionary. Merriam-Webster Incorporated 2005 (online).
  4. Gustav Schlickeysen: Obst und Brot. 1875; 2., vermehrte Auflage. Freiburg im Breisgau 1921, S. 29.
  5. Gundolf Keil: Vegetarisch. In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 34, 2015 (2016), S. 29–68, hier: S. 54 und 59.
  6. a b Veganer, Frutarier & Co. – Wann Extremkost ungesund wird. Pressemitteilung von Für Sie. In: presseportal.de. 14. April 2008, abgerufen am 6. Dezember 2018.
  7. Sally Kneidel, Sara Kate Kneidel: Veggie Revolution: Smart Choices for a Healthy Body and a Healthy Planet. Fulcrum Publishing, 2005, ISBN 978-1-555-91540-7, S. 150 (Auszug in der Google-Buchsuche).
  8. Richard Rost, Hans-Joachim Appell: Lehrbuch der Sportmedizin. Köln: Deutscher Ärzteverlag, 2001, ISBN 3-769-17073-3, S. 132 (Auszug in der Google-Buchsuche).
  9. Marcel Hebbelinck: Vegetarian Nutrition, Physical Activity and Athletic Performance, in: EVU News, Issue 2, 1996 (Online-Version auf der Webseite der IVU).
  10. Audrey Ensminger: Foods & Nutrition Encyclopedia: I to Z. CRC Press, 1994, ISBN 0-849-38980-1 (Auszug in der Google-Buchsuche).
  11. a b Patricia Queen Samour, Kathy King Helm, Carol E. Lang: Handbook of Pediatric Nutrition. Jones & Bartlett Publishers, 2003, ISBN 0-763-73305-9 (Auszug in der Google-Buchsuche).
  12. Susan Jacobs: Choosing a Vegetarian Diet. In: Yoga Journal. Nr. 72, Januar 1987, S. 69, Abschnitt Fruitarianism (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 30. November 2018]).
  13. John Bloomfield, Kenneth D. Fitch: Science and Medicine in Sport. Wiley-Blackwell, 1995, ISBN 0-867-93321-6, S. 121 (Auszug in der Google-Buchsuche).
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