Fugensand

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Mit Fugensand werden bei Pflasterbelägen die Fugen verfüllt, um die Horizontalkräfte im Belag schadlos übertragen zu können. Diese Horizontalkräfte gewährleisten die Stabilität des Belags. Fugensand muss deshalb aus druckstabilem Material bestehen. Häufig wird Quarzsand oder Sand aus Granit verwendet, auf jeden Fall aber Bruch- oder Quetschsand. Rundkörnige Sande, wie sie in Sedimentablagerungen vorkommen, verfestigen sich nicht. Fugen entstehen durch Form- und Maßabweichungen der Pflastersteine oder Konizität und sind meist Absicht, oft sogar unbedingt notwendig: „knirsch“ (aneinanderstoßend) verlegtes Pflaster leitet alle Spannungen in die Pflastersteine selbst, was zu Schäden am Pflastermaterial führt.

Allgemein gilt das Verfugen mit Fugensand – die ursprünglichste Methode im Pflastern[1] – als die für einen robusten Bodenbelag im Außenbereich stabilere Lösung, weil sie unter thermischen und Feuchte-Spannungen arbeiten kann, während das Ausfüllen mit einer Festmasse, etwa Beton,[2] recht schnell zu Rissbildung oder Aufwerfungen führt. Bezüglich des Oberflächenwassers hängt es vom Unterbau ab, für schwimmend versetzte Pflaster nimmt man die wasserdurchlässige Sandverfugung, für in einen Beton-/Klinkerunterbau eingesetzte Pflaster Fugenmasse, sonst würde der Sand Wassertaschen bilden, die erst recht dem Frost Angriffsstellen bieten (ungebundene und gebundene Pflasterbauweise).[3] Für Stöckelboden (Holzpflasterung) ist Sandverfugung das brauchbarste Material. Insgesamt gehören Pflastermaterial mit Ausführung des Pflasterbettes und der Verfugung immer aufeinander abgestimmt.[4]

Nachteilig ist aber, dass der Fugensand ausgewaschen wird (also auf abschüssigen Plätzen ungeeignet ist) oder bei Trockenheit verblasen wird, Staub produziert, oder beispielsweise auch nicht stöckelschuhfest ist. Außerdem neigt er dazu, Bewuchs anzusetzen. Eine Alternative ist unkrauthemmender Fugensand, der aus ofengetrockneten, nährstoffarmen Mineralien mit einem natürlich hohen pH-Wert besteht.[5] Im Innenbereich kommt Sandverfugung allenfalls für Wirtschaftsräumlichkeiten in Frage. Die Anwendungsgebiete für Sandverfugung sind also beschränkt.

Lehmhaltige Sandverfugungen sind stabiler, solange sie zumindest bodenfeucht bleiben. Ersatzmaterialien, etwa Kunststoffe, die beide Bedingungen erfüllen würden (Elastizität und Stabilität), sind teuer und haben auch Nachteile. Auch Asphalt (bitumengebundener Sand) stellt eine Alternative dar, ist aber schwer einzubringen. Eine moderne Methode sind Fugenmassen aus polymergebundenem Sand, der auch sickerwasseroffen sein kann.

Alle Methoden der Verfugung im Außenbereich bedürfen permanenter Pflegearbeiten. Beim Fugensand beschränkt sich das – bis auf Unkrautentfernung – auf regelmäßiges Nachsanden. Die Verdichtung erfolgt unter Belastung im Wesentlichen von selbst, sonst werden die Pflastersteine (und insbesondere ‑platten) auch wie beim Erstversetzen nochmals händisch nachgeklopft oder maschinell eingerüttelt.[6] Bei umfangreicheren Einschwemmungen oder Ablagerungen von Erdreich oder anderen Schmutzen muss allfällig der alte Fugensand vorher entfernt werden.[7] Die sandverfugte Pflasterung kann dann jahrzehnte- oder gar jahrhundertelang funktionstüchtig bleiben, wie etwa römische Straßen zeigen.

Normen und Richtlinien, Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe im Artikel Pflaster (Belag) – die Verfugung ist meist in den einschlägigen Normungen mitgeregelt, und in der Fachliteratur jeweils mitbehandelt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vergl. etwa in einem frühen Lehrbuch: Der Dammsetzer. XCV. in Friedrich Ludwig Walter: Versuch eines Systems der Cameral-Wissenschaften. Dritter Theil: Technologie. Verlag Georg Friedrich Heyer, Giessen 1796, dort § 819, S. 308 f (Google eBook, vollständige Ansicht);
    vergl. auch Geschichte im Artikel Pflasterer.
  2. Der Einsatz betongebundenen Straßenpflasters datiert in die Zeit, als der Asphalt schon alle anderen Straßenbeläge zu verdrängen begann, beim Aufkommen des Autos. So zeitgenössisch: „… daß der dem Kleinpflaster bisher anhaftende einzige Nachteil – daß durch die Gummibereifung der Fahrzeuge erfolgte Aussaugen der bisher mit Sand gefüllten Zwischenräume bzw. Fugen der Steine – nicht mehr besteht, da das Straßenbaufachgewerbe zu einem mit Zement statt mit losen Fugensand fugendicht gemachten Pflaster übergegangen ist.“ Zitat aus Rolf Mörchen: Die Entwicklung des rheinischen Steinstrassenbaus unter besonderer Berücksichtigung der letzten hundert Jahre. Köln 1936, S. 69 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. In Vollbeton eingebettete Pflasterung ist technisch gesehen eine reine Betondecke mit Zierelementen, das heisst, der Unterbau muss vollständig tragen und entsprechend tiefgründig und stark sein, und teilt dann alle Vorteile, aber auch Nachteile der Massiv-Betondecke; der eigentliche Vorteil des Pflasters, dass es sich selbst verfestigt, solange alle Steine sauber im Verband liegen bleiben, und man allenfalls nur kleine Zonen nachbessern muss (und kann), geht dann verloren: Betondecken müssen nach Ablauf der Lebensdauer bis in das Unterbett ausgetauscht werden. Damit geht auch die Wiederverwendbarkeit der Pflastersteine selbst verloren.
  4. Sönke Borgwardt: Planung und Ausführung von Pflasterbelägen aus Beton: grundlegender Einsatz und neueste Entwicklungen für die Anwendung in Sonderbereichen. Band 524 von Kontakt & Studium, expert verlag, 1998, Abschnitt 4.11.1 Typische Mängel, S. 101 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. Patentschrift: Weed control in joints of concrete block and other paving stone. 2010, abgerufen am 10. Juli 2015 (englisch).
  6. Pflasterklinker fachgerecht verlegen. Tipp auf pflasterziegel.de
  7. Lothar Schaible: Frost- und Tauschäden an Verkehrswegen und deren Bekämpfung. Verlag Ernst & Sohn, 1957, S. 47 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).